Einer der ganz Großen

Alfons Ott hat sich von der Bühne der Macher verabschiedet

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Müsste man natürlich eigentlich nicht dazuschreiben – trotzdem, falls jemand wirklich noch nichts mit Alfons Ott zu tun gehabt haben sollte: Das Bild zeigt ihn als Dritten von links bei seiner „Verabschiedung“.

Mühlheim - Mühlheim kann sich glücklich schätzen ob seiner vielen Vereinsmitglieder und freiwilligen Helfer. Einer der ganz großen Namen hat gerade die Lämmerspieler Bühne der Macher verlassen: Alfons Ott. Von Michael Prochnow 

Sein Weg durch die Lämmerspieler Pfarrei St. Lucia startete für Alfons Ott mit einer sehr typischen Karriere: Messdiener. Er war auch Jugendgruppenleiter und weitete seinen Radius nach dem Zivildienst aus. 1975 gewann ihn der damalige Pfarrer Werner Fey für den Pfarrgemeinderat. Ott gehörte ihm mehr als vier Jahrzehnte an. Seit den Neunzigern saß das „Gesicht von St. Lucia“ im Verwaltungsrat, später trieb er die Gründung des Pfarrheim-Fördervereins voran, dessen zweite Vorsitzende lange Zeit Ehefrau Angelika war.

Als Mitglied des Bauausschusses sorgte er für die Sanierung des Treffpunkts und der katholischen Kita Regenbogeninsel, initiierte die Renovierung des Gotteshauses innen und außen mit, den Austausch der Heizungsanlage und zuletzt die Neugestaltung des Osteingangs mit dem Schwengelbrunnen und der Tafel zur Entwicklung des Ortsnamens. Die Idee entwickelte er mit weiteren Ur-Lämmerspielern bei der Feier zum 750-jährigen Bestehen des Stadtteils, die er als Mitglied des Organisationskomitee natürlich ebenfalls mitvorbereitet hatte.

Bereits zur 700-Jahr-Feier seines Heimatorts hatte Ott mit Pfarrer Fey die Geschichtsgruppe gegründet. Durch seinen „Ausflug“ zur Firma Karl Mayer in Obertshausen fand der Maschinenschlosser Kontakt zum dortigen Malteser-Hilfsdienst, wo er bald die Theatergruppe leitete. Beruflich wechselte er so alle zehn Jahre, blickt er auf sein Arbeitsleben zurück. Für die Wirkmaschinenfabrik musste er viel reisen, dann übernahm er Aufgaben in einem Ingenieurbüro, war in der Umwelttechnik tätig, als Haus-Manager der Frankfurt Bank Academy und schließlich als Prokurist bei der Wohnbau in Mühlheim.

Nicht erst dort hat er gelernt, dass sich viele Probleme besser im Dialog mit der Stadt lösen. So war er an der Einrichtung der Lämmerspieler Ortsvereine beteiligt, in die er die kirchlichen Vereine einbrachte, um ihnen mehr Gewicht in der Öffentlichkeit zu verleihen. Durch seine Stimme wurden diese LOV selbst in einen eingetragenen Verein verwandelt.

Mit finanztechnischem Geschick rief er dazu den Verein für Brauchtumspflege ins Leben und übernahm ganz nebenbei den Vorsitz des Kerbausschusses.

Als wäre das nicht schon mehr, als in einem einzelnen Menschenleben überhaupt zu schaffen ist, arbeitete er an einem „runden Tisch“ mit daran, „die Kids von der Straße zu holen“ und die Lämmerspieler Skateranlage an der Von-Stauffenberg-Straße einzurichten. Alfons Ott ist „gegen Zäune, die Keule bringt nichts“, sagt er. „Denn nichts ist so veränderlich wie die Jugend.“

Selbst für die Natur machte sich der Hobby-Radler stark. Fürs städtische Leitbild regte er an, dass Rodau und Brühlbach mäandern. Auf den Hund gekommen ist er obendrein, wurde Pate von zehn Stationen für Kottüten. Nicht dass die Otts ein eigenes Haustier ausführen – sie denken aber an die Generation ihrer Enkel, die auf den Wiesen spielen.

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Aber wie geht so viel Einsatz für die Bedürfnisse draußen mit dem Familienleben einher? „Wir sind ein Team“, formuliert Ehefrau Angelika, „jeder kann sich auf den anderen verlassen“. Das schließt selbstverständlich die zwei Kinder, Schwiegertochter und zwei Enkel ein. Die einstige Tagesmutter und Sekretärin installierte den Babbeltreff, ist in Missio- und Kreativkreis der Pfarrei aktiv. Gemeinsam gehören sie der Kolpingfamilie an.

„Ich versuche immer, etwas zu bewegen“, erläutert Alfons Ott seine ungezähmte Bereitschaft mit anzupacken. „Ich bin ein Vereinsmensch“, und darum bleibt er auch den Vereinsfesten treu. „Aber Priorität hat St. Lucia, denn im Glauben bin in verwurzelt.“

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