Die Kunst des Lokalkolorits

Spaßtheater biegt Kreuzfahrt-Komödie in Mühlheimer Geschichte um

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Das Spaßtheater hat die Kunst des Lokalkolorits perfektioniert.

Mühlheim - Auf der Bühne sind sie noch recht neu, die Akteure des Lämmerspieler Spaßtheaters. Doch sie haben die Kunst perfektioniert, der vom Publikum so geliebten leichten Muse mit einer Riesenportion Lokalkolorit zusätzliches amüsantes Gewicht zu verleihen. Von Michael Prochnow 

Noch zwei Mal geht die TGL-Truppe auf große „Kreuzfahrt im Schweinestall“. Hanno Knühl ist schon eine arme Sau. Auf seinem Hof im idyllischen Lämmerspiel hat das Mutterschwein zwar gerade 30 Ferkel geworfen. Aber nach einem Hauptgewinn, der ihn im vergangenen Jahr in ein Wellness-Hotel führte, soll Hanno (Rolf-Walter Klös) nun aufs Wasser. Ausgerechnet eine auf der Mühlheimer Kerb gewonne Kreuzfahrt hat ihm seine Schwester Anna (Petra Wassmann) untergejubelt, um sich des alten Nörglers für ein paar Tage zu entledigen. Dumm nur, dass der Bauer panische Angst vor Wasser hat.

Doch guter Rat ist weder teuer noch fern: Freund Georg (Udo Bernhard), einst DJ im Luxor, Briefträger und Wellness-Hotel-Direktor und jetzt Frauenarzt „mit interessanten Einblicken“ sowie neuer Müllerborsch, übernimmt heimlich das Ticket. Der cholerische Landwirt muss sich eine Woche auf seinem Hof versteckt halten – und erfährt in Frauenkleidern von so mancher Meinung über ihn.

„Schneller als das Internet in Lämmerspiel“ ist Nachbarin Lisa Poppe. Ingrid Falk eröffnet die Komödie von Carsten Lögering, die nach vielen Anpassungen in Mühlheim spielt, und schiebt ihr Fahrrad durch die Zuschauerreihen in der TGL-Halle. „Ich bin nicht neugierig, ich will nur alles wissen“, sagt sie.

Als „fleißigste Hebamme der Welt“ präsentiert sich Erika alias Carmen Schneeweis in blutverschmierter Schürze. Marion Picard ist Marie, die Ehefrau von Schorsch, und ständig auf der Suche nach ihrem Mann. Fehlt noch Hannos bessere Hälfte Elena, Mitbringsel aus dem Wellness-Hotel. Christina Plaumann belehrt den Landwirt mit osteuropäischen Akzent und Temperament über „Benehmen“, weil Hanno im Suff den Männern aus dem Rathaus vor die Füße gekotzt habe und ohne Hose auf dem Kinderkarussell gefahren sei.

Regisseurin Dagmar Blöcher überbringt als städtische Angestellte Karin Hansen die Schiffskarten und fordert „Fotos für die Offenbach-Post“ ein. Vor Polizist Bernd Beck (Lothar Schumacher) und seiner Uniform zuckt die Gesellschaft stets schuldbewusst zusammen, und Erikas Neffe Kevin (Sascha Cymes) greift auch noch ein.

Die viermal nahezu ausverkaufte Halle legt nahe: Das heitere Element ist draußen im echten Leben nicht ganz so ausgeprägt. Das Team des Spaßtheaters kombiniert die Erkenntnis mit einer üppigen Portion Lokalkolorit und sehr selbstbewussten Auftreten. Das lässt eine gute Atmosphäre in der Truppe und eine starke Motivation erkennen – das lohnt, sich um die letzten Karten für Samstag (19 Uhr) und Sonntag (17 Uhr) zu bemühen.

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