Zu langsam für die Automatiktür

Mühlheim ‐ Karin K. hat in diesen Tagen mal nachgelesen, was es mit der Senioren-Busschule auf sich hat, die Offenbachs Lokale Nahverkehrsorganisation (NiO) reiferen Semestern unter Linienbus-Passagieren ans Herz legt. Von Barbara Hoven

K.s Interesse entspringt allerdings nicht dem Willen, sich zum nächsten Nachmittag mit Kaffee, Kuchen und kleiner Fahrscheinkunde anzumelden. Ihrer Erfahrung nach klafft zwischen Mobilitätstheorie und Busfahrpraxis eine zu tiefe Kluft. Zumindest, so hat sie es auch an die Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB) geschrieben, stelle sich die Frage, „wie Senioren heute mit dem Bus fahren sollen, wenn die Fahrer so rücksichtslos sind.“

Beigefügt hat sie ihrer Beschwerde die Zusammenfassung dessen, was ihrer 89 Jahre alten Mutter am 10. März passiert ist. Käthe D. stieg um 16.13 Uhr an der Haltestelle Müllerweg in den 120er-OVB-Bus Richtung Offenbach. Beim Stopp am Lerchenweg wollte sie wieder raus.

Allein: „Meine Mutter ist mit einem Rollator unterwegs. Beim Aussteigen wurde sie fast durch die Türen zerquetscht, weil der Busfahrer die Türen schloss, ohne darauf zu achten, dass meine Mutter ihren Aussteigevorgang noch nicht beendet hatte“, klagt Karin K.. Schwere Verletzungen seien ihrer Mutter nur dank des beherzten Handelns einer ebenfalls aussteigenden Frau mit Kinderwagen erspart geblieben. Die habe so laut und so lange geschrieen, bis sie die Aufmerksamkeit des Busfahrers bekam.

Für die Mühlheimerin grenzt das Verhalten des Fahrers an „fahrlässige Körperverletzung“. Zumal das Erlebnis ihrer Mutter leider kein Einzelfall gewesen sei. „Sie berichtet mir häufig über ähnlich rücksichtsloses Verhalten der Fahrer.“ Die achteten außerdem nicht darauf, dass sie an den Haltestellen nahe an den Rampen halten, damit behinderte Menschen gut aussteigen können.

So pauschalisiert will NiO-Geschäftsführerin Anja Georgi die Vorwürfe nicht stehen lassen. Der Vorfall sei außerordentlich bedauerlich. Absichtlich habe der Fahrer des 120er-Busses die Tür aber ganz bestimmt nicht zu früh geschlossen. „Und wir sind auch dabei, in Schulungen die Sensibilität der Fahrer für Behinderte und alte Fahrgäste zu fördern.“ Das sei für die Chauffeure keine freiwillige Veranstaltung, sondern Pflicht. Das Erlebnis von Käthe D. müsse ein „unglücklicher Zufall“ gewesen sein. Das werde noch geklärt.

Grundsätzlich empfiehlt Anja Georgi unsicheren Fahrgästen, beim Ein- und Aussteigen am Bus die blaue Taste mit dem Kinderwagen-Piktogramm zu drücken. Das bewirke, dass sich die Tür nicht automatisch mit den anderen schließt, sondern ein manuelles Signal vom Fahrer brauche.

Karin K. bleibt skeptisch. Besagte blaue Taste müsse gedrückt gewesen sein, als ihre Mutter eingeklemmt wurde. Sonst wäre ja auch die hilfreiche Dame mit dem Kinderwagen nicht schnell genug durch die Tür gekommen.

Rubriklistenbild: © Sommaruga Fabio / Pixelio.de

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