Impfgegner auf dem Wochenmarkt

Impfgegner verbreiten auf Mühlheimer Wochenmarkt Verschwörungstheorien über Corona

Donnerstags auf dem Wochenmarkt: Die Initiative „Die Rechten einsacken“ positioniert sich klar gegen die Impfgegner.
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Donnerstags auf dem Wochenmarkt: Die Initiative „Die Rechten einsacken“ positioniert sich klar gegen die Corona-Impfgegner.

In Mühlheim versuchen Impfgegner und Corona-Leugner, Menschen von ihren Ansichten zu überzeugen. Die Initiative „Die Rechten einsacken“ bildet ein Gegengewicht.

Mühlheim – Die Corona-Pandemie hat Deutschland und die Welt weiter im Griff. Die dritte Welle schwappt übers Land, die Infizierten-Zahlen schnellen in die Höhe. Und trotzdem gibt es Menschen, die hinter all dem böse Mächte wittern, die meinen, gegen den Strom schwimmen zu müssen und hinter die vermeintlichen Verschwörungen blicken zu können. Davor ist auch Mühlheim nicht gefeit.

So versucht seit einigen Wochen die Initiative „Mühlheim steht auf“ auf dem Wochenmarkt in der Bahnhofstraße, Menschen über das Impfen gegen Covid 19 zu belehren. Mit Plakaten und Flyern, die Überschriften wie „Nein zum Impfzwang“, „Fake Pandemie“ oder „Visuelle Panikmache der Tagesschau“ tragen, wollen sie Marktbesucher vermeintlich aufklären. Da die Initiative gleichzeitig mit dem Slogan „Wir reden miteinander – für Grundrechte und Demokratie“ wirbt, versuche ich genau das: mit den Protagonisten ins Gespräch zu kommen, um deren Beweggründe zu verstehen.

Corona-Impfgegner in Mühlheim: „Die Rechten einsacken“ bildet Gegengewicht

Das gestaltet sich nicht so einfach, einige vom Quintett am Stand sind voreingenommen, zeigen sich aggressiv: „Sie waren doch letzte Woche bei denen da drüben und haben uns provoziert“, behauptet eine Frau, während ich mir einige Blender-Broschüren zusammensuche. Ein „Nein“ will sie nicht gelten lassen. „Sie sehen genauso aus wie die.“

Mit „die“ meint die Frau Vertreter der Mühlheimer Initiative „Die Rechten einsacken“, die auch gestern wieder auf dem Wochenmarkt präsent sind und „ein Gegengewicht zu den Verschwörungstheoretikern“ bilden wollen. Allerdings dürfen die jungen Mühlenstädter nicht, wie sie es vergangene Woche versucht haben, direkt gegenüber des Standes demonstrieren. „Wir wurden letzte Woche weggeschickt, weil wir nicht angemeldet waren“, erläutert Tim Hainz. Diesmal stehen sie – angemeldet – ein Stück weit vom Impfgegner-Stand entfernt und verteilen Flugblätter mit dem Warnhinweis: „Achtung! Antisemitische Verschwörungstheorien!“ Die Initiative bekommt von Passanten viel Zuspruch.

Donnerstags auf dem Wochenmarkt: Impfgegner verbreiten zweifelhafte Informationen.

Corona-Impfgegner in Mühlheim: Gesprächsversuch endet mit Verschwörungstheorien

Im Gegensatz zu den „Aufklärern“ unweit des Brückenmühlparkplatzes. Die Gruppe, die ein Ableger von „Hanau steht auf“ ist, tummelt sich auch auf dem Messenger-Dienst Telegram, eine beliebte Plattform bei Querdenkern, Coronaleugnern und Rechtsradikalen.

Ein neuer Anlauf, am Stand von „Mühlheim steht auf“ „miteinander zu reden“, mündet in Verschwörungstheorien. Von Diktatur und Abschaffung des Föderalismus ist die Rede, davon, dass man mit Coronaviren schon ziemlich lange lebe und gegen eine Infektion mit Covid 19 eine gesunde Ernährung und ein gutes Immunsystem helfen, wird da am Stand schwadroniert. Auch die zur Schau gestellten Tafeln triefen nur so vor zweifelhaften und aus dem Zusammenhang gerissenen Informationen. Kopfschütteln hilft nicht, eine Demokratie muss das aushalten. Auch der Stadt blieb nichts anderes übrig, als den Stand zu genehmigen.

Corona-Impfgegner in Mühlheim: Per Attest von Maskenpflicht befreit

Einige aus der Gruppe haben sich per Attest, das sie den immer wieder patrouillierenden Ordnungspolizisten zeigen, von der Maskenpflicht auf der Bahnhofstraße befreien lassen. Das wiederum verärgert nicht nur Marktbesucher, sondern auch -beschicker.

Man will ganz offensichtlich provozieren, zeigt aber bei der Gegenprovokation Nerven: Ein Mann, der mit einem Schild mit der Aufschrift „Lügen sind keine Alternative“ vor dem Stand auf und ab geht, wird angegangen, er solle doch verschwinden, man rufe die Polizei. „Miteinander reden“ wollen die Akteure von „Mühlheim steht auf“, die zum Großteil aus Hanau kommen, wohl nicht – zumindest nicht mit Kritikern.

Corona-Impfgegner in Mühlheim: Keine Lösungsvorschläge

Ein Mühlheimer schaltet sich in die Diskussion ein, nennt die Aussagen derer am Stand zynisch und berichtet von Menschen aus der Nachbarschaft, die an Covid 19 gestorben seien. „Was sagen sie den Angehörigen?“, fragt er. „Wir sind doch nicht unsterblich“, bekommt er zu hören, „im Alter passiert das halt mal“.

Zudem fürchte man, „dass die Geimpften nach und nach sterben werden – das ist Gentherapie“, sagt ein „Aufklärer“. Man stehe auf dem Markt, „damit den Menschen das nicht passiert“. Die mehrmalige Frage nach alternativen Lösungsvorschlägen wird vom Quintett gekonnt ignoriert. „Wenn Sie nicht informiert werden wollen, können Sie weitergehen.“

Corona-Impfgegner in Mühlheim: Verbreitung höchst fragwürdiger Informationen

Zwei Frauen von „Mühlheim steht auf“ sind dann doch diskussionsbereit, hören sich Gegenargumente an und distanzieren sich im Lauf des Gesprächs auch von den Radikalen am Stand. Als ein Marktbesucher ihnen medizinisch detailliert die Wirkung der unterschiedlichen Impfstoffe erklärt, haben sie nichts mehr entgegenzusetzen.

Das wird sie vermutlich trotzdem nicht davon abbringen, kommenden Donnerstag wieder auf dem Wochenmarkt höchst fragwürdige Informationen zu verbreiten. (Ronny Paul)

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