Ehepaar unterstützt Baptisten in der Karibik

Luise und Johannes Schürer besuchen die Christuskirche in Mühlheim und erzählen von ihrer Arbeit auf Haiti

Pastor Vatroslav Zupancic (links) begrüßte Luise und Johannes Schürer beim Besuch in der Christuskirche.
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Pastor Vatroslav Zupancic (links) begrüßte Luise und Johannes Schürer beim Besuch in der Christuskirche.

Mühlheim – „Unser Dienst hilft nicht nur dem Mangel ab, sondern wirkt auch, dass viele Gott überschwänglich danken.“ Luise und Johannes Schürer beschreiben ihre Aufgabe mit einem Satz aus dem zweiten Korintherbrief des Apostels Paulus. Bereits seit 45 Jahren bewegt sich das Ehepaar auf einem besonders heißen Pflaster: Von der schwülen Hitze der Karibik abgesehen passieren die Gäste der Christuskirche noch immer die Ruinen des stärksten Erdbebens auf Haiti vor zehn Jahren.

Zudem gehen den Wahlen im Dezember Unruhen voraus, berichtete Johannes Schürer den Christen der evangelisch-methodistischen Gemeinde. In seiner Predigt verband er das Erntedankfest mit der Not der Menschen auf der krisengeschüttelten Insel. Der gebürtige Hamburger ist in der Ausbildung von Pastoren und Laien für die 500 Standorte des haitianischen Verbands der Baptisten tätig.

Ehefrau Luise fördert junge Frauen, ihr Leben zu meistern. Viele Lehrerinnen hat sie zur Vermittlung von Handarbeiten befähigt, das Nähen und Stricken unterrichtet. Bei ihren Heimaturlauben verkauften Schürers stets Handarbeiten ihrer Schülerinnen. „Seit der Jahrtausendwende sind Stickereien nicht mehr gefragt“, beobachtete die Lehrmeisterin. Jetzt fertigen sich Heimtextilien in anderen Techniken und modernen Designs.

„Wir gehen in die Gemeinden, schauen, was da ist, wie wir helfen können“, beschreibt Luise Schürer die Tätigkeit ihres Teams. Dann werden ganze Schulen aufgebaut oder einzelne Mitarbeiter geschult. Selbst Bewohner, die beim Erdbeben ein Bein verloren, fertigen Gürtel und Armbänder. Die Waren werden zu zwei Dritteln in die USA exportiert, zu einem nach Deutschland. Paten dort übernehmen das Schulgeld oder die Kosten für Bücher und Uniformen.

Die Basis für ihr Engagement legten die Schürers 1968 auf einer Reise in die USA. Mit amerikanischen Freunden gelangten sie in die Karibik und begegneten schon damals viel Armut durch schwere Stürme, die auf Jamaika und Haiti wüteten. Johannes Schürer las in einer Morgenandacht die Worte des Apostels Johannes, „wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“. Damit war der Entschluss des Landwirts und der Hauswirtschafterin gefasst, von Gelnhausen nach Les Cayes im Süden des Inselstaats zu ziehen.

Der jüngste Hurrikan zerstörte auch ihr Haus, ein befreundeter Tischler kam und half. Viele Aufgaben haben Schürers schon in jüngere Hände gelegt, doch „so lange es gesundheitlich geht, kehren wir zurück nach Haiti“, sagen sie. An den kommenden Wochenenden schildern sie ihre Arbeit in Kirchengemeinden in Darmstadt, Obertshausen, Frankfurt und Nürnberg. Voraussichtlich Ende November geht es dann zurück nach Port-au-Prince. (Michael Prochnow)

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