Bogen zur Gegenwart konsequent gespannt

Schüler stellen Auschwitz-Projekt vor

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Die Präsentation des Auschwitz-Projekts des FEG im Dietesheimer Pfarrheim nimmt starken Bezug auf die Gegenwart. 40 Schüler und vier Lehrer reisten ins frühere Konzentrationslager in Polen. Geschichtslehrer Michael Schmidt betreute sie maßgeblich.

Mühlheim - Es ist ein Teil des Geschichtsunterrichts, der in die Gegenwart führt: Zum 27. Mal besuchten 40 Schüler und vier Lehrer des Mühlheimer Friedrich-Ebert-Gymnasiums im Auschwitz-Projekt das wie nichts anderes als Synonym für den Massenmord während des Nationalsozialismus stehende ehemalige Konzentrationslager. Wie sie das verändert hat, stellten sie jetzt vor. Von Stefan Mangold 

Selten hat das Auschwitz-Projekt des Friedrich-Ebert-Gymnasiums den Bogen zur Gegenwart so konsequent gespannt wie im aktuellen Jahrgang. Und selten stellten die Schüler so eingehend die Frage, wie es möglich ist, dass Menschen Menschen derart quälen. Als Resümee spricht eine Schülerin am Ende der Präsentation der Reise ins ehemalige Konzentrationslager und der Arbeit dort: Seit dem Besuch frage sie sich, wenn ihr gegenüber jemand ausgesprochen nett auftrete, „wie hättest du Dich im KZ verhalten?“

„Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, steht einmal das römische Zitat an der Wand, das der englische Philosoph Thomas Hobbes bekannt machte. Schulleiter Sturm warnt, sich an Tabubrüche zu gewöhnen, an veränderte Sprechweisen, die sich in einem Begriff wie „Alternative Fakten“ verstecken. Auch Bürgermeister Daniel Tybussek redet über die Gegenwart, von den etablierten Parteien, denen es misslinge, mit den Sorgen der Bürger umzugehen.

„Es ist bequem, unmündig zu sein“, tragen die Schüler vor, als es darum geht, wie die große Mehrheit damals Hitler als gottgleichem Führer folgte. Sie binden das nachgestellte Interview mit einer überlebenden Mühlheimer Jüdin ein. Die Frau erzählt von der Abfolge der Schikanen, vom Boykott gegen jüdische Geschäfte 1933, von den Rassegesetzen 1935, dem Berufs- und Gewerbeverbot und der „Reichskristallnacht“ 1938, dem KZ Buchenwald, den Lagern Sobibor und Auschwitz. Als eine Erkenntnis bleibt: Werden Rechte scheibchenweise beschnitten, bleibt am Ende kein Recht übrig.

Ein Bild zeigt die Stolpersteine in Mühlheim. Etwa den von Sonja Chmielnick, die im Alter der Gymnasiasten von heute schon tot war. Sonja starb mit 15 Jahre in Treblinka, wo die meisten Mühlheimer Juden umkamen, die 1942 zu ihrem Abtransport an der Marktstraße kamen. Ein anderes Foto bildet eine der Baracken in Auschwitz von innen ab. Die Tortur kannte keine Pause. Nicht wenige der 800 Insassen werden morgens froh gewesen sein, wenn die Nacht in der von Fäkaliengestank getränkten Luft vorbei war. Aber am Morgen, da endete das Grauen nicht, da begann nur ein anderes.

Einer macht nicht mit! Ein Foto mit Symbolkraft, die heute wichtiger denn je ist.

Und dann ist von Eva Mozes Kor die Rede, einer 1934 zur Welt gekommenen jüdischen Rumänin. An Eva und ihrer Schwester Miriam verging sich Dr. Josef Mengele mit seinen Zwillingsexperimenten. Eva Mozes Kor überlebte trotzdem. Und sie trat im Prozess gegen den SS-Mann Oskar Gröning als Nebenklägerin auf. Den damals 95-Jährigen verurteilte das Landgericht Lüneburg 2015 zu vier Jahren Haft. Gröning ist einer der ganz wenigen Täter, der nicht mit der Lüge vom „Befehlsnotstand“ versuchte, sich aus der Verantwortung zu lavieren. Am Ende nahm Eva Mozes Kor seine Entschuldigung per Handschlag an. Das brachte ihr Kritik ein, die Mozes Kor mit dem Hinweis konterte, „ich mache das für mein Leben“.

Die FEG-Schüler werfen ein weiteres Bild an die Wand. Zu sehen ist eine nach vorne schauende Masse. Um einen Mann ist ein Kreis gezeichnet. Während alle die rechte Hand zum Hitlergruß recken, beobachtet er die Szenerie mit verschränkten Armen.

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