Jahresversammlung des KGV

Ein Krimi im Kleingarten

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Der neue Vorstand des Kleingartenvereins Mühlheim ist zum größten Teil der alte (von links): Vorsitzender Ulrich Degen, Georg Andres, Ulrich Pröger, Thomas Wambach, Xaver Federer, Frank Sussner, Anja Ordon, Werner Boll und Willi Schleich.

Mühlheim - Dass ein Polizist die Jahresversammlung eines Kleingartenvereins ansteuert, darf als Besonderheit gelten. Von Leuten mit grüner Parzelle erwartet das Klischee ja eher, dass sie nur mit Fernseh-Krimis zu tun haben. Ein Trugschluss. Von Stefan Mangold 

2015 hatte Maienschein-KGV 21 mal ungebeten Besuch von Hüttenknackern. Da öffneten sich die Ohren für die Tipps eines Kriminalisten ganz weit. Hauptkommissar Christian Reifland schaut einfach mal vorbei bei der Jahreshauptversammlung des Mühlheimer Kleingartenvereins „Am Maienschein“. Er ist in der Runde hochwillkommen. Einbrüche versauern das Leben fast aller Kleingärtner. Im Jahr 2014 gab es zwölf mal ungebetenen Besuch auf dem Areal, alleine im letzten Jahr 21 mal - wobei der oder die Täter immer gleich mehrere Häuschen aufbrachen. Also haben sich die Leute mit den grünen Daumen Reifland eingeladen.

Der Polizist hat zwar kein Patentrezept, aber Tipps. Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen, sei alles andere als leicht. Nachts höre man ein Polizeiauto auf Streife so weit ab vom Schuss schon zwei Minuten, bevor es ankommt. Massig Zeit, um in Deckung zu gehen. Die Polizei habe auch schon einmal einen gewissen Rhythmus erkannt, wann die Einbrecher erscheinen. Einige Kollegen hätten sich auf die Lauer gelegt. „Leider vergeblich“, bedauert Reifland.

Er rät, was naheliegt: In der Hütte nichts stehen lassen, was von Wert sein kann. Und auch sonst nicht unbedingt dokumentieren, was man hat - „sowas zieht magisch an“. Einbrecher aller Sparten baldowerten ihre Ziele vorher generell aus. Wenn sich Leute, die nirgendwo hingehören, auffällig umschauten, dann solle also bitte niemand Hemmungen haben, die Polizei zu rufen, „wir sind dann ganz schnell da“. Und die Kennzeichen von Verdächtigen aufzuschreiben, sei sowieso kein Fehler.

Es gibt aber natürlich auch legale Erscheinungen, die den Kleingärtern nicht gefallen. Als Ulrich Pröger bei der der Jahreshauptversammlung vorträgt, welche Kosten in diesem Jahr auf die Gemeinschaft zukommen, spielt auch die Müllabfuhr eine Rolle. Die steht mit 741 Euro im Ausgabenplan. Nicht nur einer der rund 50 Teilnehmer wundert sich - Müll werde auf der Anlage doch so gut wie gar nicht produziert, weil viele einen eigenen Komposthaufen haben. Pröger verweist auf die Abfallsatzung der Stadt, die seit vergangenem Jahr auf eine Biotonne besteht, „wir kommen da nicht raus“.

Später übernimmt Ulrich Degen das Mikrofon. Der gerade im Amt bestätigte Vorsitzende hält seine Ansprache zwar um einiges moderater als weiland der italienische Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni auf der legendären Pressekonferenz. etwas angefressen wirkt Degen aber auf jeden Fall. Ihm gehen Kommentare von Mitgliedern gegen den Strich, „die alles besser wissen, selbst aber nichts machen und nie kommen.“ Auch heute schaue er sich vergeblich nach ihnen um.

Überhaupt sei vielen da draußen gar nicht klar, mit was für Themen sich der Vorstand eines Kleingartenvereins das Jahr über herumschlägt. Zum Beispiel das Vereinsheim, das seit geraumer Zeit nach einem Pächter sucht. Dem Vorstand wurde bisher nicht gerade die Bude von Bewerbern eingerannt, erklärt Degen, als jemand anmerkt, die Verpachtung müsste doch nach der Dämmung des Hauses jetzt eher möglich sein. Ein Interessent wollte eine Döner-Bude eröffnen, der andere eine Pizza-Stube mit Bringdienst. „Das Hin und Her der Lieferfahrer würde die Atmosphäre hier stören“, entschied sich der Vorstand dagegen.

Es geht auch noch um die Feste. Die seien in letzter Zeit nicht mehr der Brüller gewesen, weshalb sie jetzt bis auf Erntedank gestrichen sind. „Würstchen gibt es überall“, gibt einer zu bedenken. „Die Russen könnten doch alle eine Soljanka zum Fest kochen“, nennt er als Beispiel, die anderen Nationen kulinarisch mit einzubinden.

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