Selbsthilfegruppe für Menschen mit Multipler Sklerose

Main-Sterne leuchten für MS-Kranke

Mit dem „Run for Help“ half die Ebert-Schule der DMSG, der Dachorganisation der Mainsterne. archiv
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Mit dem „Run for Help“ half die Ebert-Schule der DMSG, der Dachorganisation der Mainsterne. archiv

Ein träumerischer Name und eine tückische Krankheit – wie passt das zusammen? Vor 20 Jahren gründeten Betroffene, bei denen die chronische Erkrankung des Nervensystems diagnostiziert wurde, eine Selbsthilfegruppe. Sie tauften ihre Gemeinschaft Main-Sterne, und ihre Abkürzung ist auch die für Multiple Sklerose, MS.

Mühlheim – Weltweit sind etwa 2,5 Millionen Menschen betroffen, davon rund 200 000 in Deutschland. 70 Prozent von ihnen sind Frauen. Laut dem Internet-Lexikon Wikipedia werden bei MS „die Markscheiden, die elektrisch isolierende äußere Schicht der Nervenfasern im Zentralnervensystem, angegriffen“. Das könne ganz unterschiedliche Krankheitsverläufe verursachen, die in Schüben auftreten, von Sehstörungen bis hin zu Lähmungen. Darum wird MS auch „Krankheit der tausend Gesichter“ genannt, erläutert Regina Stadtler.

Durch die Corona-Politik leiden die Vereins-Mitglieder zusätzlich, schildert die Vorsitzende der Main-Sterne: Sie können sich nicht in größerer Runde begegnen, die gemeinsame Gymnastik in der Turnhalle läuft nur übers Internet, was einige Mitglieder nicht nutzen können. Momentan ist nur Krankengymnastik möglich, die verschreibt der Neurologe, damit die Muskulatur nicht schrumpft.

„Ich rufe jeden an“, berichtet Stadtler, „und sie können mich jederzeit anrufen. Aber für Menschen, die alleine leben, ist diese Situation ganz schlimm“. Die wöchentlichen Treffen werden erst wieder laufen, wenn das Stammlokal Endstation am Sportzentrum den Biergarten öffnet. Im vergangenen Sommer hatte Wirt Chris Nakev das Außengelände aus Hygienegründen für die „Sterne“ reserviert. Die Gaststätte erhielt eigens für die Rollstuhlfahrer eine neue, behindertengerechte Toilette. Dienstags kamen wechselweise bis zu sechs Mitglieder.

„Aber viele haben Angst davor, am Virus zu erkranken“, bemerkt die ausgebildete Beraterin. „MS ist eine Autoimmun-Erkrankung, und wir haben noch keine Erkenntnisse über den Verlauf von Covid-19 bei Multipler Sklerose.“ Die Deutsche MS-Gesellschaft (DMSG) empfehle, sich impfen zu lassen und fordert, dass diese Patienten eine höhere Priorität erhalten.

In diesen Tagen hätte die akademische Feier steigen sollen, Catering und Musik waren schon bestellt. „Alles ist abgesagt, wir werden dann das 25-jährige Bestehen feiern“, hat der Vorstand entschieden. Unternehmungen wie die für September geplante Fahrt in den Schwarzwald werden ersatzlos gestrichen, verkündet die Sprecherin. Schließlich gebe es auch kaum Spenden-Eingänge. Dankbar blickt sie zurück auf den „Run For Help“ der Friedrich-Ebert-Schule.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. „Neu-Betroffene haben gute Chancen, die Krankheit zu stoppen oder zu verlangsamen.“ Die Forschung sei gut vorangekommen und habe neue Medikamente entwickelt. Stadtler ist vor 31 Jahren erkrankt. „Bei uns ist schon zu viel geschädigt, die Myelin-Membran um die Nerven ist bereits an vielen Stellen zerstört und kann sich nicht mehr regenerieren“, erläutert die Sprecherin, „deswegen kommt es bei uns zu Ausfallerscheinungen“.

Die DMSG betreibt für junge Leute eine Seite, die anonym nutzbar ist. „Nach der Diagnose sollte man sich immer eine ärztliche Zweitmeinung einholen“, rät die Leiterin.

Infos unter Tel. 06104 744 61 und auf der Homepage von Main-Sterne. (Von Michael Prochnow)

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