Ausschreibung läuft

Mainfähre: Im Januar soll sie wieder fahren

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Seit Oktober liegt die Mühlheimer Fähre am Dörnigheimer Ufer. Findet sich bei der Ausschreibung ein Betreiber, ändert sich das im Januar.

Mühlheim - Entscheidender Schritt für die Wiederbelebung der Fähre zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim: Auf der Suche nach einem neuen Betreiber des seit zehn Monaten ruhenden Pendelverkehrs hat der Kreis Offenbach gestern die Ausschreibung veröffentlicht. Von Marcus Reinsch

Er bestimmt darin, dass die Fähre ab Januar täglich zwischen 6 und 21 Uhr fahren soll. Für die Preise gibt es keine Vorgabe. Die Rettung ist das noch nicht. Der Knoten ist geplatzt. Gestern veröffentlichte der Kreis Offenbach die Ausschreibung, mit der er einen neuen Betreiber für die Mühlheimer Fähre finden will.

Stillgelegt hatte er den Pendelverkehr nach Maintal-Dörnigheim vergangenen Oktober aus Sicherheitsgründen. Die bisherige Betreiberfamilie bekam die fristlose Kündigung, womit ein Bruch im zuvor relativ nahtlosen Pendeln unvermeidbar wurde. Seitdem mangelte es an politischen Verwerfungen zwischen den Großen Koalitionen und den Oppositionslagern im Kreistag und vor allem in Mühlheims Stadtverordnetenversammlung nicht.

Alles zur Mainfähre in Mühlheim

Sollten nach der Ausschreibung – obwohl die vorgeschaltete Markterkundung im Mai dieses Jahres ergebnislos verlaufen war – ernsthaft interessierte Bewerber auf der Matte stehen, müssen sie sich an die vom Kreis vorgegebenen Betriebszeiten halten. Denn gemessen an den bisher kaum existenten Vorgaben lehnt er sich diesmal relativ weit aus dem Fenster. Gegenstand der Ausschreibung, heißt es aus dem Kreishaus, „sind neben einer ausführlichen Beschreibung der Fähre und der lokalen Gegebenheiten die Betriebszeiten von montags bis sonntags zwischen 6 und 21 Uhr“.

Das werden viele gerne hören. Die Betriebszeiten gelten als ein entscheidendes Kriterium, weil die Fähre zwar durchaus von entspannten Ausflüglern, auch und vor allem aber von Berufspendlern genutzt wird. Und gerade die brauchen eine verlässliche Verbindung über den Main.

Zur Erinnerung: In den letzten Jahren ihres Betriebs war die Fähre sonntags gar nicht mehr gefahren. Deshalb und wegen der teils technischen Unzulänglichkeiten bei Hochwasser und teils regulären Landrevisionen geschuldeten Ausfallzeiten hatten nicht wenige einst treue Kunden lieber die Umwege über die stauträchtige Steinheimer Mainbrücke oder zur Rumpenheimer Fähre in Kauf genommen.

Keine Vorgaben bei Fahrpreisen

Für die Fahrpreise allerdings macht der Kreis keine Vorgaben. Die soll ein neuer Betreiber selbst gestalten können. Ein Zugeständnis an den Umstand, dass eine möglichst billige Flussquerung zwar begehrt ist, ein Betreiber aber eben nicht aus Nächstenliebe handeln kann, sondern weil er Geld verdienen muss.

Das Ausschreibungsverfahren wird in diesem Fall zweistufig sein. Im ersten Teil der Vergabe werden Interessenten durch einen öffentlichen Aufruf zur Teilnahme bis zum 13. September aufgefordert. Daran, erklärt der Kreis, schließe sich eine etwa einwöchige Eignungsprüfung der eingegangenen Anträge an. Die drei am besten geeigneten Teilnehmer werden zur Abgabe eines sogenannten indikativen Angebotes aufgefordert, worauf sich eine Verhandlungsphase anschließt. Nach der können die Teilnehmer ihre finalen Angebote abgeben, die dann „einer inhaltlichen Bewertung unterzogen werden, um ein zuschlagsfähiges Angebot zu ermitteln“. Das klingt nach Jahren, soll aber „vor-aussichtlich bis Ende Oktober abgeschlossen werden“.

Welche Rolle dabei die Städte Mühlheim und Maintal einnehmen, sprich: ob sie etwas zum laufenden Betrieb aus den eigenen Kassen beisteuern müssen, lässt der Kreis nach wie vor im Ungewissen. Die beiden Anrainer-Kommunen hatten vor einigen Wochen mit am Runden Tisch gesessen, an dem die Kreise Offenbach als Eigentümer der Fähre und Main-Kinzig als finanziell bislang unbeteiligter Nutznießer verabredeten, sich die einmaligen Kosten für die technische Instandsetzung des mehr als 50 Jahre alten Gefährts zu teilen und notfalls auch für eine Anschubfinanzierung des Fährbetriebs zu sorgen. Die Städte selbst waren mit dem Versprechen, „mehr Verantwortung übernehmen“ zu wollen, im Ungefähren geblieben. Ernst wird es für sie wohl dann, wenn ein Betreiberkonzept auf dem Tisch liegt, das ohne Zuschüsse nicht funktionieren würde.

Nichts geht mehr: Mainfähre außer Betrieb

Die ursprünglich kursierende Summe von rund 30.000 Euro für die Reparatur konkretisierte der Kreis Offenbach gestern nach oben. Der Kreisausschuss habe sich am Montag „dafür ausgesprochen, die Fähre mit 20.000 Euro wieder fahrbereit zu machen“. Die andere Hälfte der Investitionskosten von insgesamt 40.000 Euro übernehme der Main-Kinzig-Kreis. Das Geld stehe im Haushalt bereit.

„Mit dem Beschluss des Gremiums“, sagt Landrat Oliver Quilling (CDU), „gibt es im Kreis Offenbach grünes Licht, um den Fährbetrieb so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu können.“ So schnell wie möglich heißt: Der Vertrag mit einem neuen Betreiber soll zum 1. Januar 2019 beginnen und erst einmal bis zum Ende des Jahres 2021 laufen. Dann könne die Vereinbarung optional um jeweils zwölf Monate verlängert werden. „Wir gehen davon aus, dass es uns gelingt“, versichert Quilling, „einen kompetenten Betreiber für die Fähre zu finden.“

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