Nächsten Dienstag tagt der Runde Tisch des Kreises erstmals

Mainfähre: Zeitfresser Ausschreibung

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Mühlheim - Der Runde Tisch zum Dauerbrenner-Thema Fähre steht bereit. Vertreter der Städte Mühlheim und Maintal sowie der Kreise Offenbach und Main-Kinzig werden an ihm nächsten Dienstag über Möglichkeiten reden, dem seit Oktober ruhenden Pendelverkehr neues Leben einzuhauchen. Von Marcus Reinsch 

Wird das jetzt der Durchbruch? Nach all den Monaten, in denen die Fähre zwischen Mühlheim und Dörnigheim nicht mehr fährt, ist die Versuchung übermächtig, vom ersten Treffen der betroffenen Kommunen am vom Kreis Offenbach einberufenen Runden Tisch nicht weniger als ein Wunder zu erwarten. Oder zumindest Signale, die zur echten Hoffnung auf einen baldigen Neustart berechtigen. Platz nehmen werden am Dienstag nächster Woche Vertreter der Städte Mühlheim und Maintal sowie der Kreise Main-Kinzig und Offenbach. Letzterem gehört die Fähre. Er hatte der bisherigen Betreiberfamilie letzten Oktober aus Sicherheitsbedenken fristlos gekündigt und den Betrieb erst mal stillgelegt.

Parteipolitisch erwies sich der Pendelverkehr seither als umso beweglicher. Vor allem im Mühlheimer Stadtparlament und im Kreistag warfen sich die Oppositionsreihen mit Grünen und Freien Wählern und die Großen Koalitionen mit SPD und CDU in einer Art Endlosschleife Untätigkeit beziehungsweise Populismus vor. Zugleich erwies sich das Thema als 1a-Aufreger an privaten Frühstücks- und Stammtischen. Die Fähre ist zweifellos nicht nur Verkehrsverbindung, sondern schon aus Tradition eine Herzensangelegenheit sehr vieler Mühlheimer. Die vor einigen Monaten mit teils auch politisch engagierten Akteuren von beiden Seiten des Mains gegründete „Bürgerinitiative Fähre Mühlheim-Maintal“ jedenfalls hat wenig Mühe, ihre von den Verwaltungsspitzen mehr Tempo fordernden Postkarten unters Volk zu bringen.

Die gleichen Erwartungen formuliert der Dörnigheimer BI-Sprecher Jan Fiedler mit Blick auf den von Maintals Bürgermeisterin Monika Böttcher und ihrem Mühlheimer Amtskollegen Daniel Tybussek in den Stadtparlamenten angekündigten Runden Tisch des Kreises Offenbach. „Nach neun Monaten kommen nun endlich die Verantwortlichen an einen Tisch, wie es unsere Initiative schon von Anfang an vorgeschlagen hatte“, sagt er. Es sei „lange genug Zeit gewesen, um jetzt konkrete Ergebnisse vorlegen zu können. Wir erwarten, dass für die offenen Fragen konkrete Lösungen aufgezeigt werden.“

Dazu gehörten die technische Instandsetzung der Fähre, ein konkreter Zeitplan für die schnellstmögliche Wiederinbetriebnahme und ein „Zeitrahmen für eine Neuanschaffung eines umweltfreundlichen Gefährts“. Denn die jetzige Fähre habe mehr als 50 Jahre auf dem Buckel, sei extrem reparaturanfällig und auch nicht umweltfreundlich.

Nichts geht mehr: Mainfähre außer Betrieb

Allein: Eine Tagesordnung für den Runden Tisch, sagt auf Anfrage unserer Zeitung die Kreis-Offenbach-Sprecherin Kordula Egenolf, gebe es nicht. Und Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) verweist darauf, dass „bislang der Kreis Offenbach als Einlader Erklärungen abgegeben“ habe und er davon ausgehe, „dass wir uns im Termin verständigen, was wir wie bekannt geben“.

An der Situation, konkretisiert Tybussek gestern, habe sich ja nichts geändert: Ohne eine Ausschreibung des Fährbetriebs könne er nicht wieder starten. Schon wegen der Gesetzeslage, die Gebietskörperschaften die „wirtschaftliche Betätigung“ verbiete. Sprich: Kreis oder Stadt könnten die Fähre zwar vielleicht auch unter eigener Regie fahren lassen. Aber auf keinen Fall, ohne es vorher privaten Betreibern in einer Ausschreibung angeboten zu haben. Denn die könnten sonst klagen.

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Dabei spielt es auch keine Rolle, dass besagte Geschäftsleute bisher alles andere als Schlange stehen, um die Mühlheimer Fähre unter ihre Fittiche zu nehmen. Schon im sogenannten Markterkundungsverfahren – Vorstufe der nun nach Kreis-Ansage trotzdem folgenden und entscheidenden Ausschreibung – gab von anfangs sechs Interessenten kein einziger ein ernsthaftes Angebot ab. Tybussek verbindet mit dem Runden Tisch auch eine ganz eigene Hoffnung: „Vielleicht wirkt man damit mal dem Vorwurf entgegen, dass wir nicht miteinander reden.“

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