Mainfähre

Das letzte Gefecht ist entschieden

Wird wohl nicht mehr zwischen Mühlheim und Maintal verkehren: Die Mainfähre MS Dörnigheim liegt zur Zeit im Frankfurter Osthafen, ihre Zukunft ist ungewiss. 
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Wird wohl nicht mehr zwischen Mühlheim und Maintal verkehren: Die Mainfähre MS Dörnigheim liegt zur Zeit im Frankfurter Osthafen, ihre Zukunft ist ungewiss.

Knapp drei Jahre nach Einstellung des Betriebs ist die Mainfähre zwischen Mühlheim und Maintal nun endgültig Geschichte. Nach einer mehr als einstündigen hitzigen Debatte im Kreistag beschließt eine Mehrheit das Aus für den Fährbetrieb.

Dietzenbach – Die Abgeordneten im Kreistag des Kreises Offenbach liefern sich noch ein letztes verbales Gefecht, bevor die Koalition aus CDU und SPD die Beendigung des Fährbetriebs beschließt. Die FDP scheitert mit einem eigenen Antrag zur Fähre ebenso wie die Fraktionen von Grünen, Linken und Freien Wählern mit ihrem gemeinsamen Vorschlag.

„Es ist uns sehr schwergefallen, heute diesen Antrag zu unterbreiten“, sagt die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU). Der Kreis habe „alles unternommen, um die Verbindung aufrecht zu erhalten“, beteuert sie. Letztendlich seien die Unwirtschaftlichkeit und das fehlende Fachpersonal ausschlaggebend gewesen: „Es gibt keinen Markt für Fährleute mit Patent.“ Den Berechnungen des Kreises zufolge kostet der Weiterbetrieb mehr als 180 000 Euro pro Jahr, eine Summe, die Grünen-Abgeordnete Maria-Elisabeth Schefer anzweifelt: „Diese Kalkulation ist nicht fundiert, man sieht nicht, wie die Zahlen zustande kommen.“ Ihren Berechnungen zufolge kostet die Fähre den Kreis 75 000 Euro.

Mainfähren-Aus: FDP für Fährbetrieb in Eigenregie der Städte

Der Mühlheimer Kreistagsabgeordnete Dr. Jürgen Ries von den Freien Wählern (FW) bekräftigt indes den schon in früheren Debatten geäußerten Vorwurf, dass das Aus für die Fähre schon „von Vornherein“ beschlossen gewesen sei. „Sie schneiden eine Kreisstadt von ihrer Nachbarstadt ab“, wirft er der Koalition vor. In einem gemeinsamen Antrag mit den Linken beziehen sich Grüne und Freie Wähler auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in Maintal: Demnach fordern sie weitere Prüfungen und die Erarbeitung eines Personalkonzepts „zur Gewinnung von qualifizierten und berechtigten Personen für einen zukünftigen Fährbetrieb“.

Die FDP plädiert zwar dafür, dass der Kreis sich als Fährbetreiber zurückzieht, allerdings will sie den beteiligten Städten die Möglichkeit geben, den Fährbetrieb in Eigenregie aufrecht zu erhalten: Die Freidemokraten fordern in ihrem Änderungsantrag, den beiden Kommunen Mühlheim und Maintal die Fähre für einen symbolischen Preis zum Kauf anzubieten. Ein Vorschlag, den der AfD-Mann Robert Rankl als „fair“ bezeichnet. Er kündigt an, seine Fraktion werde dem zustimmen. Der FDP-Abgeordnete Michael Schüßler kritisiert, dass die Maintaler Stadtverordneten zwar für den Erhalt der Fährverbindung plädierten, aber vom Kreis Offenbach erwarteten, die Kosten zu tragen.

Kreistagsabgeordnete von CDU und SPD aus Mühlheim betonen in der etwa 80-minütigen Debatte, wie schwer ihnen die Entscheidung gegen die Fähre falle. Es sei eine „emotionale Diskussion“, an der die Presse ihre Freude habe, übt sich SPD-Frau Ingeborg Fischer in Medienschelte. Sie wirft der Opposition vor, Fakten zu verdrehen und Unwahrheiten zu verbreiten.

Aus für Mainfähre: Bürgerinitiative enttäuscht

„Die Fähre hat lediglich lokalen, aber nicht regionalen Charakter“, argumentiert der Obertshausener Christdemokrat Hubert Gerhards für den Rückzug des Kreises aus dem Fährbetrieb. Er äußert „völliges Unverständnis“ für den Beschluss der Stadt Maintal, der es unbenommen sei, die Fährverbindung – die ohnehin mehr von Maintalern genutzt werde – weiterhin sicherzustellen.

Um kurz nach 11 Uhr ist die Fähre dann Vergangenheit: Die Änderungsanträge der Opposition finden keine Mehrheit, während die große Koalition im Kreistag die Beendigung des Fährbetriebs beschließt, FDP und FL-NEV enthalten sich, der Rest der Opposition stimmt gegen den Beschluss.

Für Petra Schneider von der Bürgerinitiative „Fähre Mühlheim Maintal“ war das Ergebnis vorherzusehen. „Wir sind dennoch enttäuscht, dass sich über den Bürgerwillen hinweggesetzt wurde“, räumt sie ein. Die Coronakrise sei genutzt worden, „um das unangenehme Thema Fähre so schnell wie möglich abzuhandeln“, glaubt sie.

VON NIELS BRITSCH

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