Die Mama muss es richten

Mühlheim (hov) - Der Jahreswechsel hat den Mühlheimer Stadtwerken einen Aufwärtstrend beschert. Klingt gut, ist es aus Kundensicht aber überhaupt nicht.

Alleine für seinen in der Regel von den noch etwa 200 Mühlheimern mit Nachtspeicherheizung genutzten Stromtarif „m.power Nacht“ hat ein empörter Stadtwerke-Kunde eine 29-prozentige Preiserhöhung errechnet. Und auch die anderen, deutlich häufiger gebuchten Stromtarife sind um im Schnitt 8 bis 10 Prozent gestiegen, wie in rund 17.000 Benachrichtigungs-Briefen steht. Mehrbelastung für einen Vier-Personen-Haushalt mit 4000 Kilowattstunden Verbrauch im Grundtarif „m. power“: rund 64 Euro pro Jahr.

Stromtarife sind deutlich gestiegen

„Unangenehm. Auch für uns“, hat Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Kressel dem Beschwerdeführer zurückgeschrieben und rechtfertigend vorgerechnet, was dem kommunalen Versorger vom Strompreis nach Abzug aller Kosten für Einkauf, Konzessionen, Steuern, Nutzungsentgelt und Umlagen noch bleibe, um Mitarbeiter und Material zu bezahlen: 0,788 Cent pro Kilowattstunde. Vor allem die 2010 von gut 2 auf gut 3,5 Cent pro Kilowattstunde gesteigerte Umlage, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt ist, schrumpfe die Marge. Die Kosten für diese Abgabe seien bisher nicht vollständig an die Kunden durchgereicht worden, „damit die Preissprünge nicht zu abrupt ausfallen“. Das sei nun nachzuholen.

Kein gutes neues Jahr also für Stadtwerke-Kunden. Und erstmal auch kein besonders gutes Jahr für die Stadtwerke selbst. Sie brauchen Hilfe. Im Dezember beschloss das Stadtparlament, die städtische Ausfallbürgschaft für die vom Energie-Ableger benötigte Kontokorrentkredite bis Ende Juni von 5 auf 6 Millionen Euro zu erhöhen, um einen drohenden Liquiditätsengpass abzuwenden. Eigentlich ist das eine Formalität und landauf, landab üblich, weil ein Versorger Energie einkaufen muss, die Einnahmen von den Kunden aber erst später im Jahr fließen.

Den Kosten stehen wenig Einnahmen gegenüber

Doch dass der bisherige Verfügungsrahmen - der nur dank der Ausfallbürgschaft der Stadtwerke-Mutter Stadt und eines schon bemerkenswert lange niedrigen Zinsniveaus für Kommunalkredite zu extrem günstigen Konditionen zu haben ist - nun nicht mehr zwangsläufig für diese Vorfinanzierung reicht, macht deutlich, unter welchem Kosten- und Erwartungsdruck der Versorger steht. Denn die Politik hat - ähnlich wie der große Nachbar Offenbach, wenn auch lange nicht so exzessiv - einige elementare Aufgaben zu den Stadtwerken verlagert, die mit dem einträglichen Verkauf von Strom, Gas und Wasser nichts zu tun haben: die Finanzierung des hochdefizitären, aber als Wohltat für die Bürger unumstrittenen Stadtbussystems beispielsweise und den ebenfalls weit von der Kostendeckung entfernten Betrieb des Hallen- und des Freibads. Kostenposten, denen keine ernstzunehmenden Einnahmen gegenüberstehen. Das ist so gewollt und das ist kein Grund für die Stadt, ihrem Mini-Stadtkonzern in der Begründung zur vorübergehenden Ausdehnung der Kreditbürgschaft eine „in ihren Kernbereichen erfolgreiche und grundsolide Aufstellung“ abzusprechen.

Biogasanlage hat die Finanzen stark belastet

Und dann ist da natürlich noch der für Bau und ursprünglich auch Betrieb der quasi-fertigen, im schier unendlichen Glaubenskrieg um ihre Wirtschaftlichkeit aber auf Eis liegenden Biogasanlage gegründete Stadtwerke-Spross Energie-Service Mühlheim (ESM). Der habe, heißt es mit Verweis auf eine halbe Million Euro Gesellschaftereinlage, einen 510 .000 Euro dicken Verlustausgleich und Darlehen „im siebenstelligen Bereich“, die Stadtwerke-Liquidität stark belastet. Alles in allem seien mehr als 2 Millionen Euro aus dem Kontokorrentkreditrahmen der Stadtwerke für die ESM bereitgestellt worden.

Ohne Biogas-Tochter, das ist der Umkehrschluss, bräuchte die Mutter jetzt nicht mehr Kredit. Dass die Anlage nicht in Betrieb gegangen ist, sei allerdings gut. Denn sonst hätte sich die Situation „aufgrund der hohen Anlauf- und weiterer Kosten noch weiter verschlechtert“.

Rubriklistenbild: © dpa

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