„Man sieht seine Hörer ja nicht“

+
Die Mühlheimer Journalistin Ariane Focke sitzt bei hr1 am Mikrofon.

Mühlheim ‐ Anfangs hat sie ernst gewirkt, fast ein wenig scheu. Aber dann muss sie doch lachen, ziemlich laut sogar - wohl etwa so wie damals, als sie am hr1-Mikrofon saß und den Autofahrern mitteilen sollte, dass auf irgendeiner Straße im Hessenland auch drei Wildschweine unterwegs seien. Von Heiko Wiegand

Der Kollege vom Wetter, der im Studio neben mit saß, hatte kurz vor meiner Durchsage ein imaginäres Lenkrad in der Hand und hoppelte auf seinem Bürostuhl hin und her, dreimal das Ganze. Ich konnte nichts mehr sagen vor Lachen. Und das hat dann jeder gehört.“

Die Arbeitsergebnisse der Mühlheimerin Ariane Focke werden regelmäßig in hr1 übertragen. Rund 146.000 Menschen sind im Schnitt pro Stunde dabei, wenn sie die Autofahrer zwischen Kassel und Darmstadt über Staus, Sperrungen und Wildschweine auf den Fahrstreifen informiert - pardon: Spuren. „Wir sagen Spur und nicht Fahrstreifen. Und wir sagen Hann.  Münden statt Hannoversch Münden. Das war die alte Form.“

Karrierestart bei unserer Zeitung

Die studierte Germanistin hat ihre journalistische Karriere bei unserer Zeitung gestartet. Zwischen 1997 und 2001 hat sie unter anderem über Mühlheim berichtet. Kurz darauf heuert die 29-Jährige als Kabelhilfe beim hr an, arbeitet als Assistentin in der Redaktion und seit einiger Zeit als Verkehrspräsentatorin. Drei Kollegen teilen sich vier Wochen aktuelle Verkehrshinweise. In Zukunft möchte sie auch Reportagen machen - „wieder ein bisschen mehr Kontakt zu den Hörern pflegen.“

Die in Dietesheim wohnende Journalistin kommt - ganz im Gegensatz zum ein oder anderen Kollegen von den elektronischen Medien - angenehm uneitel daher. „Nein, ich habe nicht das Gefühl, in der Öffentlichkeit zu stehen. Nur manchmal sprechen mich Freunde an, die mich im Radio gehört haben.“ Anfangs, da war sie allerdings aufgeregter als heute, wenn sie ans Mikrofon ging. „Jetzt ist das Lampenfieber weg. Man sieht seine Hörer ja schließlich nicht...“

Besucher drücken sich die Nase platt

Nur wenn Besuchergruppen beim Hessischen Rundfunk vorbei schauen und ihre Nasen an den Studioscheiben platt drücken, kommt die Aufregung der ersten Tage seltsamerweise zurück. „Das geht aber nicht nur mir so.“

Und was passiert im Studio, wenn Billy Joel zu hören ist - und die lauschende Öffentlichkeit gewissermaßen für drei Minuten dreißig aus dem Studiogeschehen ausgesperrt wird? „Klar, wenn wir morgens ins Studio kommen, wird schon mal was Privates erzählt. Aber zwischendurch sitzen wir an unseren Arbeitsplätzen, recherchieren, sprechen ab - und schauen in meinem Fall, wie sich die aktuelle Verkehrslage in Hessen entwickelt.“ Eine Menge Spaß macht ihr der Beruf, „die Kollegen hier sind sehr nett. Es ist eine gute Atmosphäre im Sender.“

Kein Anflug von Rhein-Main-Akzent

Ariane Focke spricht mit tiefer, weiblicher Stimme, die sich im Original ganz anders anhört als im Radio - da wirkt sie robuster, mehr auf Abstand bedacht. Kein Anflug von Rhein-Main-Akzent. Der Vater kam aus dem Sudentenland, die Mutter aus Marburg nach Mühlheim. Dort war Ariane Focke übrigens lange Zeit beim Radsportverein RC Adler als Einradfahrerin aktiv. Und manchmal sieht man sie mit ihrem Yorkshire-Terrier am Mainufer entlang laufen.

Die Mühlheimer jedenfalls werden jetzt die Verkehrsnachrichten in hr1 sicher mit etwas mehr Aufmerksamkeit verfolgen als in der Vergangenheit.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare