Manche Handgriffe verlernt

Jugendfeuerwehr nimmt die Übung vor Ort wieder auf

Wieder live dabei: Jugendfeuerwehrwart Patrick Roth (links) erklärt wichtige Handgriffe bei der Übung.
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Wieder live dabei: Jugendfeuerwehrwart Patrick Roth (links) erklärt wichtige Handgriffe bei der Übung.

Als wäre die Zeit stehen geblieben: Im Hintergrund jagen Kinder einem Fußball nach, aber auf den Betonwellen des Pflasters davor zielen junge Leute in schwarzen Schuhen, blauen Anzügen und orangefarbenen Helmen fast regungslos mit Metallspritzen ins Nichts. Leere Schlauchbänder verbinden die Uniformierten über den Verteiler wie ein Spinnennetz miteinander, und aus den Augen über den Masken sprüht doch Erwartung und Begeisterung: Die Jugendfeuerwehr übt wieder live.

Mühlheim – „Während der Lockdowns haben wir Online-Unterricht gemacht“, informiert Patrick Roth. „Wir haben ein Quiz und Rätsel ausgearbeitet und an die Gruppe verschickt“, fährt der Jugendfeuerwehrwart fort. Sogar Videos haben die Betreuer gedreht und ihren Schülern so Inhalte von Fahrzeugkunde und Feuerlöschern vermittelt.

Immerhin, zwischen Juli und September 2020 durften sie sich auch am Feuerwehrhaus an der Anton-Dey-Straße treffen. „Aber sie haben manche Handgriffe verlernt und Begriffe vergessen“, bemerkt Roth.

„Es ist ein bisschen ungewohnt“, formulieren zwei Jungs ihren Eindruck nach dem Neustart. Das habe auch damit zu tun, dass sie im Freien die Masken tragen und Abstand halten müssen.

„Bei der Feuerwehr ist alles ein bisschen strenger“, erinnert der Leiter mit einem Lächeln hinterm Mundschutz. „Die Einsatzkräfte müssen sicher sein“. Nicht auszudenken, wenn eine Corona-Infektion den Brandschutz lahmlege. Der Kreisbrandinspektor ordne in Absprache mit den Kommunen Schutzmaßnahmen an. Das letzte Wort vor Ort habe der Stadtbrandinspektor. Und das besage, dass ab der nächsten Übungsstunde auf dem Gelände keine Maske mehr getragen werden muss.

„Die Mädchen und Jungen werden zweimal in der Woche in der Schule getestet“, erläutert Roth diese Entscheidung. Die Betreuer lassen sich vor jeder Übungsstunde auf das Virus überprüfen. „So sicher wie möglich, so aufwendig wie nötig“, fasst der Sprecher zusammen. An Ausflüge und Zeltlager trauen sie sich noch nicht ran, aber „Events auf Abstand“ wie eine Schnitzeljagd sollen laufen.

Für die wöchentlichen Treffen haben die Jugendwarte Patrick Roth und Christian Spahn die 50 Mitglieder aus allen Stadtteilen auf vier Gruppen aufgeteilt. „Die Zahl ist während Corona gesunken“, informiert Ersterer, „aber nur, weil mehrere Teenager in die Einsatzabteilung übernommen worden sind“. Da es keine Schul- und Vereinsfeste mehr gibt, fehle den Helfern die Möglichkeit, Kinder für ihren Dienst zu gewinnen. „Aber die Jungfeuerwehrleute können natürlich immer Freunde mitbringen.“

Das zweite Team im Hof lernt gerade, eine Saugleitung aufzubauen, über die Wasser aus einem See oder dem Main gepumpt werden kann. Die anderen setzen ein Standrohr auf einen Hydranten und werfen Schläuche aus, wie bei einem klassischen Löschangriff eben. (Von Michael Prochnow)

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