Manfred hat es schwer

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Manfred Lotz war Sternsinger der ersten Stunde in Lämmerspiel. Was er damals zu schleppen hatte, dokumentieren Fotos.

Mühlheim - Was wiegt eigentlich so ein Stern? Also der Lämmerspieler brachte gut zehn Kilogramm auf die Waage! Und sie haben ihn nicht vom Himmel geholt, sondern aus der Werkstatt. Lauscht man Werner Fey, glaubt man an eine schwere Geburt. Von Michael Prochnow

Der langjährige Pfarrer von St. Lucia verriet bei einem festlichem Empfang im Pfarrheim, das Sternsingen in der Pfarrgemeinde könnte eigentlich schon sein 41-jähriges Bestehen feiern.

Im Winter 1971/ ‘72 hatte er bei der örtlichen Firma Metallbau König angeklopft, auf dass sie ihm auf die Schnelle noch einen Stern für den Brauch schmieden. Aber der Betrieb hatte über Weihnachten geschlossen, der Gottesmann musste seinen Plan auf Eis legen. 1973 aber ging ein neuer Stern auf, mit einem Birnchen im Leichtmetall-Rahmen und Butterbrotpapier drumrum.

Manfred Lotz fiel die Ehre zu, das trotzdem gewichtige Gerät durch die Straßen seines Heimatortes zu schleppen. Er war damals schon 14 und der Kräftigste im von Mädchen dominierten Kreis. Auf den ausgestellten Bildern im Pfarrheim war der einstige Schulbub eindeutig zu erkennen: Er thront da mit dem Prunkstück über den übrigen zwei Dutzend Sängerinnen und Sängern. Die meisten stammten aus der Kinderschola. Einige Jahre später fertigte Gemeindemitglied Thomas Überreiter einen leichteren Stern aus Holz, der bis heute benutzt wird.

Den Nachfolgern, die sich in Gewändern und mit Kronen vor der Stellwand bücken, als wollten sie in die Vergangenheit eintauchen, wunderten sich nicht allein über Rollkragenpullis, halbhohe Stiefel, kurze Mäntel und füllige Frisuren. Auch die Kirche schien eine andere zu sein. Klar, der Altar wurde später von der Apsis an die Westwand des Gotteshauses verlegt!

Der wesentliche Unterschied bei der Lämmerspieler Variante der Dreikönigsaktion aber lag in der Organisation. Die fast 30 Schüler waren nur komplett zu haben, und dazu gehörte der Pfarrer, der an jeder Tür den Segen vornahm.

Erst der Blick zum Himmel - ein Rauchmelder?

Die „Könige“ der ersten Stunde waren Christoph Schäfer, Michael Sendlbeck, der als „Melchior“ sein Gesicht schwarz schminken ließ, und Dieter Weikert, der später auf einer Fahrt zum Zeltlager tödlich verunglückte. Dazu ließ Pfarrer Fey alljährlich ein eigenes Dankesbildchen drucken. Erst Mitte der 80er Jahre übernahm er die kostenlosen Karten mit dem jeweiligen Jahresmotiv vom Kindermissionswerk. Bei der Feier am Sonntag erinnerte der Ruheständler an eine Begebenheit, als die Sänger Weihrauch in offenen Kugeln aus dem heiligen Land mit sich trugen. Gewohnheitsmäßig schwenkten die Messdiener die Gaben wie ein Weihrauchfass, so landeten die glühenden Körner auf dem neuen Wohnzimmer-Teppich der Familie Back.

Der Gesellschaft blieb nur zuzusehen, wie der königliche Duftstoff ein Loch in die Auslegware fraß. Die Backs sahen’s gelassen, legten einen orientalischen Läufer über die Lücke, erzählte Richard Meinel, der bereits auf dem Arm seiner Mutter die Sternsinger begleitet hatte. Auf den Besuch der Familie Schäfer, Heimat des „Weisen Balthasar“ alias Christoph, freute sich die Runde stets besonders. Die Adresse gehörte zu den wenigen, an denen die Kinder ins Haus gebeten und mit Kakao oder heißem Orangensaft aufgewärmt wurden.

Ein solcher Aufenthalt konnte sich schon mal in die Länge ziehen, wenn der Pfarrer eben kurz die Werktagsmesse halten musste. „Und die Süßigkeiten, die wir geschenkt bekamen, wurden ganz gerecht verteilt“, erinnern sich die Schwestern Monika Beheim und Birgit Rehm, geborene Schreier.

Heute führe der Blick bei einem Hausbesuch erst einmal nach oben, beobachtete Gemeindereferent Dirk Stoll. Könnte ein Rauchmelder auf den Weihrauch reagieren wie einst im Verteidigungsministerium in Berlin, dass beim Besuch der Sternsinger evakuiert werden musste? Die Töchter und Söhne der einstigen „Könige“ sind auch in Lämmerspiel längst in kleineren Teams und mit Gruppenleitern unterwegs. Geblieben ist der Feuereifer, mit denen die „besten Botschafter“, so Pfarrer Willi Gerd Kost, losziehen. Gleichzeitig helfen sie Gleichaltrigen rund um den Globus hilft, lobte Günther Beheim vom Pfarrgemeinderat.

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