Unterkunft soll auch Helferzentrale werden

„manroland“-Bürobau: Platz für 110 Flüchtlinge

Der leere „manroland“-Bürokomplex in Mühlheims Borsigstraße an der Stadtgrenze zu Offenbach wird Flüchtlingsdomizil.
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Der leere „manroland“-Bürokomplex in Mühlheims Borsigstraße an der Stadtgrenze zu Offenbach wird Flüchtlingsdomizil.

Mühlheim - Die Unterbringung von 110 Flüchtlingen in einem ehemaligen Bürokomplex an der Mühlheimer Borsigstraße ist so gut wie in trockenen Tüchern. Ab Mai will die Stadt das Gebäude für mindestens fünf Jahre von „manroland“ mieten. Auch als Ehrenamts-Zentrale. Von Marcus Reinsch

Der Umbau für rund eine Million Euro soll im Januar beginnen. Stunde der Entscheidung für die städtischen Pläne zur Umwandlung eines seit 2013 ausrangierten „manroland“-Bürogebäudes in Mühlheims Borsigstraße zur Flüchtlingsunterkunft: Die Politik stimmt am Donnerstag in ihrer ganz dem 2016er-Finanzplan gewidmeten Sitzung über die entsprechende Haushaltsvorlage ab. Sagen die Volksvertreter Ja, was als sicher gilt, werden die Umbauarbeiten in dem Komplex im Januar beginnen. Voraussichtlich ab Mai könnte die händeringend nach Wohnraum für Flüchtlinge suchende Stadt dort bis zu 110 Menschen unterbringen. Momentan leben mehr als 250 Asylsuchende in der Stadt, jeden Monat schickt der Kreis Offenbach 55 weitere.

Der mit dem Druckmaschinenhersteller ausgehandelte Mietvertrag sieht für den als Flüchtlingsunterkunft ausgeguckten, 1100 Quadratmeter umfassenden zweigeschossigen Teil des Komplexes bis Ende April keine Miete und dann fünf Euro pro Quadratmeter und Monat vor. Das sei, sagte Bürgermeister Daniel Tybussek gestern auf Anfrage, „allenfalls an der untersten Grenze für Gewerbeimmobilienpreise“. Zusätzlich sieht die Stadt im etwa 750 Quadratmeter großen eingeschossigen Teil des Baus eine Bildungs-, Kultur- und Begegnungsstätte. In ihr könnten sowohl die von der Stadt aus eigener personeller Kraft zu regelnde Verwaltung der Unterkunft als auch Angebote für Sprachkurse & Co. beispielsweise ehrenamtlicher Institutionen wie dem Freundeskreis Flüchtlinge einziehen. Dafür ruft „manroland“ ab dem zeitlich noch unbestimmten Startschuss für solche Integrationssarbeit eine eher symbolische denn echte Monatsmiete auf: einen Euro.

Insgesamt kommt die Stadt damit für den Gesamtkomplex auf knapp neun Euro pro Quadratmeter, insgesamt 16.500 Euro pro Monat. Denn eingerechnet werden muss noch die Investition in Umbau und übliche Ausstattung der Wohn- und Gemeinschaftsbereiche mit Zwischenwänden, Sanitäranlagen, Heizung, Tischen, Betten, Stühlen, Schränken. Alles in allem veranschlagt das beauftragte Planungsbüro für diese Ertüchtigung der 1987 als Büroimmobilie hochgezogenen Unterkunft rund eine Million Euro.

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Der Mietvertrag mit der „manroland sheetfed GmbH“ ist auf zehn Jahre ausgelegt. Die Stadt Mühlheim darf ihn im fünften der Laufzeit allerdings einseitig kündigen. So werde „das finanzielle Risiko der Stadt bei einem eventuellen Rückgang der Flüchtlingszahlen gemindert“, wirbt die Vorlage. Auf den Kosten sitzenbleiben dürfte die Stadt nicht. Für die Aufnahme von 110 Flüchtlingen überweist der Kreis Offenbach pro Monat 41.250 Euro. Was nach gutem Geschäft klingt, ist allerdings bestenfalls eine Verlustminimierung. Denn der überschüssige Betrag geht wie in den anderen Mühlheimer Flüchtlingsobjekten auch für Nebenkosten, Mobiliar und Ausstattung, Hausmeister, soziale Betreuung undsoweiter drauf. Die 12,50 Euro pro Tag und Flüchtling vom Kreis sind deshalb knapp bemessen.

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

Photographiert von Marc Strohfeldt - www.nachelf.de
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So oder so nicht gedeckt vom Kreiszuschuss sind die städtischen Personalkosten. Das ist eine nicht zu unterschätzende Größe. Quasi alle Fachbereiche sind mittlerweile über den sämtliche Verwaltungsbereiche berührenden Faktor Flüchtlinge miteinander vernetzt. Mehrere Mitarbeiter haben beispielsweise längst einiges Training als Quadratmeterjäger, studieren Immobilienanzeigen in allen Medien und werben im Wissen um viele leerstehende Häuser und Wohnungen ohne Unterlass um Mietverhandlungen.

Nicht werben musste „manroland“-Geschäftsführer Rafael Penuela bei seinen Mitarbeitern offenbar um Verständnis für die Vermietung eines Gebäudes als Flüchtlingsunterkunft. Er tat es trotzdem, startete eine Umfrage unter den rund 800 Beschäftigten. Die Zustimmung zur Aufnahme der Asylbewerber soll bei einer extrem hohen Beteiligungsquote bei 75 Prozent gelegen haben. Und einige Mitarbeiter sollen schon grübeln, wie die Nachbarschaft mit den Hilfesuchenden kein Nebeneinander, sondern ein selbstverständliches Miteinander werden kann. Die Rede ist unter anderem von der Öffnung der Betriebskantine für die Flüchtlinge und anderen Aktionen.

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