Markwald ohne Lebensmittler

Markt weg, Mieter noch nicht

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In Markwald leben rund 5500 Menschen. Zu viele, um sich in Sachen Lebensmittelversorgung nur auf die großen Konzernfilialen außerhalb zu verlassen, aber offenbar zu wenige, um einen eigenen Markt am Leben zu erhalten.

Mühlheim - Seit Ende Februar der Mesa-Markt in Markwald seine Pforten dicht gemacht hat, steht das stadtteilgroße Wohnquartier wieder ohne Lebensmittler da. Wann – und ob überhaupt – diesmal ein Nachfolger kommt, ist unklar. Von Marcus Reinsch 

Zumal der Mietvertrag mit den bisherigen Betreibern noch ein halbes Jahr laufe, heißt es von der Wohnbau als Eigentümerin. Ein Nachfolger für den Mesa-Markt in Markwald ist nicht in Sicht. Das Interesse möglicher Betreiber halte sich bisher leider in Grenzen, sagte Ingo Kison gestern. Dem Geschäftsführer der städtischen Immobilientochter Wohnbau GmbH fällt gemeinsam mit Akteuren der Stadt die eher undankbare Aufgabe zu, dem kleinen Einkaufszentrum zwischen zwei Wohnbau-Blocks an der Ulmenstraße eine stabile Zukunftsperspektive zu verschaffen.

Im Gegensatz zu den kleineren Mietern wie dem Bäckerei-Café und dem Kiosk erweist sich das für die üppigste Ladenfläche nicht zum ersten Mal als Problem. Denn die etwa 500 Quadratmeter Verkaufsfläche sprengen zwar die Dimensionen eines Tante-Emma-Ladens bei Weitem. Doch bei viel raumgreifenderen Platzhirschkonzernen wie Rewe, Edeka, Lidl und Aldi löst selbst das bestenfalls ein müdes Lächeln aus. Da leidet der Standort unter dem Fluch seiner Zwischengröße.

Mit dem Mesa-Markt hat der letzte Lebensmittler dort Ende Februar nach nur etwas mehr als einem Jahr zugemacht. Die mit der Einführung beispielsweise von Frischetheken verbundene Ansiedlung selbst war mit Spannung, das teils osteuropäische Sortiment allerdings mit Zweifeln seitens der Kundschaft erwartet worden.

Letztlich behielten wohl die Zweifel die Oberhand, entsprechend kommentiert Eugen Movchovitch als einer der beiden Mesa-Geschäftsführer auf Anfrage unserer Zeitung die Gründe für die Aufgabe: Markwald an sich sei „ein sehr schwieriges Pflaster, wo die Akzeptanz von etwas Neuem sich sehr in Grenzen hält. Am Ende hat der erwirtschaftete Umsatz nicht ausgereicht, um alle Ausgaben und Nebenkosten zu decken.“ Der Schlussstrich sei nicht leicht gefallen, werde sich aber als die richtige Entscheidung erweisen. Sollte sich ein neuer Betreiber finden, fügt Movchovitch an, „hoffe ich, dass es zu einer besseren Einigung mit der Wohnbau kommt als wir sie hatten“.

Welche Konditionen im Vertrag mit der Wohnbau ausgehandelt waren, ist nicht im Detail bekannt. Geschäftsführer Kison spricht aber von einem Sonderkündigungsrecht zum 30. September des laufenden Jahres. Diese Option hat der Mesa-Markt gezogen. Das war so nicht erwartet worden. Über die Kündigung und die relativ kurzfristige Schließung sei er „sehr überrascht“ gewesen, sagt Kison. Er sei eigentlich von einer Vertragsverlängerung ausgegangen. Denn noch zum Jahresende 2017 habe die Wohnbau das Gespräch gesucht, sich mit den Marktbetreibern zusammengesetzt und als Ergebnis festgehalten, dass es mit Mesa in Markwald weitergehen soll. „Aber wenige Wochen später kam doch die Kündigung.“ Der Mietvertrag laufe so oder so noch bis Ende September, und die Wohnbau habe auch „noch keinen Schlüssel, noch keine Gewalt über die Mietsache“.

Aktuell strecke die Wohnbau ihre Fühler nach möglichen künftigen Betreibern aus. Und auch gemeinsam mit der städtischen Wirtschaftsförderung und den eigenen Gremien werde geguckt, welche Optionen sich für die Fläche anbieten. Parallel „sind wir natürlich mit den ansässigen Gewerbetreibenden in engen Gesprächen, um die Bereitschaft abklären, bei ihnen auch andere Dinge des täglichen Bedarfs anzubieten, falls kein weiterer Interessent bereit ist, einen Markt aufzumachen“.

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Er könne verstehen, dass die Anwohner einen Markt wollen, sagt Kison. „Aber es muss auch jemanden geben, der das Ganze sinnvoll betreibt, für den es sich rechnet. Es ist ja keinem geholfen, wenn das wieder nach einem Jahr schließt.“ Gebraucht würden Kunden, die im Markt ihren Haupteinkauf vollziehen und nicht nur Küchenrollen oder Toastbrot nachkaufen. Kontakt aufgenommen mit der Wohnbau habe bisher im Übrigen kein nach einem neuen Markt rufender Markwald-Bürger.

Aber es gibt sie natürlich. Klaus Frankenthal aus der Blumenstraße hat unserer Zeitung sein Bedauern mitgeteilt, dass der Mesa-Markt schon wieder zu hat. Er lebt seit 30 Jahren in Markwald, ist heute über 80 Jahre alt und ,,muss bis zum nächsten Großmarkt etwa zwei Kilometer laufen“. Als „Bürger und Wähler dieser Stadt“ müsse er „feststellen, dass dieser Bereich der Nahversorgung stiefmütterlich behandelt wird“. Natürlich könne niemand zaubern. „Aber es sollte dringend versucht werden, „im Markwald die Versorgung im Lebensmittelbereich abzudecken. Der Mensch lebt nicht nur vom Brot (Bäcker) allein.“ Für die Fähre gebe es eine Lobby, aber nicht für die alten Menschen in diesem Stadtgebiet“.

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