„Vertrag ist Vertrag“

Einstige Lebensmittelmarkt-Betreiber und Wohnbau streiten um Miete  

Mühlheim - Ein juristisches Nachspiel um den seit Februar geschlossenen MESA-Markt an Markwalds Ulmenstraße: Die ehemaligen Betreiber streiten mit der städtischen Wohnbau um die laut Vertrag bis Ende September fällige Miete. Da geht es schon um mindestens 30.000 Euro. Von Marcus Reinsch 

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Insofern ernährt der Lebensmittler doch noch jemanden – einen Rechtsanwalt. Dass sich Eugen Movchovitch und Ingo Kison noch mal treffen, ist nicht zu erwarten. Höchstens vor Gericht oder zu einer sehr sachlichen Schlüsselübergabe. Einst von einem gemeinsamen Nenner verbunden – Movchovitch und sein Kompagnon Alexei Sypailov als Chefs des Mitte 2017 eröffneten MESA-Marktes, Wohnbau-Geschäftsführer Kison als Vermieter der Markträume an Markwalds Ulmenstraße – könnten ihre Interessen heute kaum gegensätzlicher sein.

Denn es gab viel zu wenig Umsatz, im Februar dieses Jahres schlossen sich die Türen des Lebensmittlers schon wieder. Mittlerweile redet ein weiterer Beteiligter im Wohnbau-Auftrag mit: ein Rechtsanwalt. Er hat bei Gericht einen Titel über rund 30.000 Euro Mietschulden gegen die russischstämmigen ehemaligen Marktbetreiber erwirkt, sprich: Sie müssen zahlen.

Das kann Movchovitch nicht gefallen. Seine Zeilen an unsere Zeitung erzählen davon, dass selbst im engen Korsett deutscher Gesetze noch unterschiedliche Rechtsauffassungen verlockend sind. Der Erklärung der Zahlungsunfähigkeit seiner Gesellschaft zum Trotz und auch nach „mehreren Versuchen, sich mit der Wohnbau auf eine Aufhebung des Mietvertrages auf Grund von Geschäftsaufgabe zu einigen“, wolle „die Wohnbau nicht auf uns hören“, schreibt Movchovitch. Der städtische Immobilienableger bestehe „auf Erfüllung des Vertrags bis Ende September 2018“, obwohl der Laden doch schon zu sei.

Von Kison kommt da gestern auf Anfrage kein Widerspruch. Höchstens Verwunderung. „Herr Movchovitch meint offenbar, dass seine Verpflichtungen enden, wenn er das Geschäft aufgibt“, sagt der Geschäftsführer Doch „Mietvertrag ist Mietvertrag“, und der gelte eben nicht nur bis Februar, sondern bis Ende September.

Insofern sei auch durchaus richtig, wenn Movchovitch berichte, dass die Wohnbau einen Anwalt eingeschaltet habe und über das Vermieterpfandrecht die Ladeneinrichtung pfänden könne, um einen Teil ihrer Forderungen einzutreiben. Die ehemaligen Betreiber dürften das Interieur also nicht verkaufen und damit ihre Schulden begleichen, so etwas könne „erhebliche Konsequenzen haben“. Kison: „Wir haben eine GmbH zu führen, und wenn jemand die Miete nicht bezahlt, müssen wir tätig werden.“

Nicht unwidersprochen lässt er Movchovitchs Darstellung, dass er und sein Partner „Interessenten geliefert haben, die bereit waren, zu marktgerechten Preisen 45.000 Euro für die Ausstattung zu zahlen und den Laden zu übernehmen“. Ja, betont Kison, „es gab damals eine Interessentin, und wir haben uns mit ihrem Konzept auch befasst“. Sie habe dann aber Abstand davon genommen.

Movchovitch seinerseits sagt, dass er mit dem Angebot der Wohnbau, die Ausstattung für deutlich weniger Geld zu verkaufen und den Erlös mit den Schulden zu verrechnen, nicht einverstanden sei.

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Kison wiederum spricht davon, dass bisherige „Vergleichsversuche nicht fruchteten, obwohl wir das natürlich in Anspruch genommen hätten, wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, sich anders zu einigen“. Mittlerweile habe die Wohnbau den ehemaligen Betreibern ausgerichtet, dass sie zumindest die Miete für September nicht zahlen müssten, falls sie rechtzeitig die Schlüssel zu den Räumen zurückgeben.

Aktuell sieht es also so aus, als ob etwas gut Gemeintes nicht für alle Beteiligten gut endet. Für die Lebensmittelversorgung in Markwald muss das nicht unbedingt gelten. Konkret werden will Kison da noch nicht. Doch er hege, sagt er gestern, „keinen Zweifel, dass das damals dafür vorgelegte Konzept richtig umgesetzt funktionieren kann“. Momentan liefen Gespräche mit Interessenten für die Markträume. Auch welche, die die Einrichtung übernehmen wollen.

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