Zeit für die Kapsel

Markwald: Schulkinderhaus wächst

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Das Luftbild zeigt, wie die Dimensionen des Schulkinderhauses an die benachbarte Markwaldschule heranreichen – und der Eifer beim gestrigen Einmauern der Zeitkapsel, wie sehr sich auch die Schüler auf den Bau freuen.

Mühlheim - Mit der Zeitkapsel ist das Schulkinderhaus an der Markwaldschule gestern zwar nicht um ein tragendes Bauteil gewachsen. Aber um ein sehr wichtiges. Das Domizil soll ab Ende des Jahres Platz für die lange ersehnte Betreuung von bis zu 170 Kindern bieten. Eine 2,3-Millionen-Euro-Investition. Von Marcus Reinsch

Dass er bei feierlichen Fixpunkten im Werdegang von Gebäuden nach dem Fertigstellungstermin gefragt wird, kennt Professor Thomas Zimmermann natürlich. Und gerade hier, bei der offiziellen Grundsteinlegung für das Domizil der Schulkindbetreuung neben der Markwaldschule, ist solcher Wissensdrang mehr als verständlich. Eltern im Wohnquartier haben immerhin sehr lange und zuletzt auch angebracht ungeduldig drauf warten müssen.

Dass Schüler von ihm wissen wollen, wann das noch nicht mal fertige Haus wieder abgerissen wird, ist allerdings auch für den Chef des vor anderthalb Jahren als Sieger des aus mehr als einem Dutzend Entwürfen wählenden Architektenwettbewerbs hervorgegangenen Planungsbüros „raum-z-architekten“ neu. Die Erklärung – charmant: In die gestern eingemauerte Zeitkapsel haben Markwaldschüler der Gegenwart einen Brief an die Schüler der Zukunft geschrieben. Da ist es einfach interessant, wann er wieder ans Tageslicht kommen wird. Falls alles gut geht, werden die heutigen Schüler dann schon längst selbst Kinder oder sogar Enkel haben.

Professor Thomas Zimmermann (Männer von links) und Dennis Nikolaisen von dem „raum z architekten“, Kreisbeigeordneter Carsten Müller und Bürgermeister Daniel Tybussek mussten schon fast betteln, die Maurerkelle auch mal haben zu dürfen.

Der Bau ist keins der Provisorien, mit denen von den Rechtsansprüchen auf Kindergarten- und Krabbelstubenplätze kalt erwischte Städte landauf landab in den letzten Jahren versucht haben, Löcher in ihrem Betreuungssystem zu stopfen. Die Schulkindbetreuung selbst ist bisher zwar noch nicht einklagbar. Doch das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Und dass auch Grundschüler über Mittag und darüber hinaus betreut werden und Eltern ihre fürs Häuschen-Abzahlen elementaren Jobs behalten können, gilt sowieso jetzt schon als Muss für Städte, in denen nicht bald nur noch Rentner wohnen sollen. In Wahlprogrammen läuft das immer als Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Gut für die aktuellen Mamas und Papas, noch besser für künftige.

Das Schulkindhaus wird ein eingeschossiger Neubau mit Platz für 170 Betreuungsplätzen für Sechs- bis Zehnjährige auf 720 Quadratmetern. Mit drin sind unter anderem eine „Cook & Chill“-Küche und ein als Multifunktionsraum nutzbarer Speisesaal. Der rechteckige, lichtdurchflutete Korpus schwört mit viel Holzinterieur und seiner um Terrassen verlängerten Öffnung gen Rodau aller ambitionslosen Architektur ab. Die Gesamtkosten sind mit rund 2,3 Millionen Euro veranschlagt, wovon 1,3 Millionen reine Baukosten sind. Mittlerweile, sagt Zimmermann, sind 80 Prozent aller Bauleistungen vergeben, „genau im Zeit- und Kostenrahmen“. Die Fertigstellung ist für Ende dieses Jahres angepeilt. Neu gestaltet, versichert Tybussek, werde in enger Abstimmung mit dem Kreis, der als Schulträger einen Teil seines Geländes in Erbpacht zur Verfügung gestellt hat, werde auch das Außengelände, sodass die Schüler hier künftig keine Einbußen in Kauf nehmen müssen.

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Tybussek kann das Gelände aus zwei Perspektiven betrachten. Als Bürgermeister und Ex-Schüler. Die ersten Jahre seiner Bildungslaufbahn verbrachte er an der Markwaldschule. Und direkt davor, fast jede freie Minute sei fürs Fußballspielen draufgegangen.

Wichtig ist das Schulinderhaus übrigens auch für Eltern von Kindergartenkindern. Denn wenn es fertig ist, kann die bisher mit in die Markwald-Kita gequetschte Schülerbetreuung an den neuen Standort übersiedeln. Damit wird in der Kita Raum für 25 zusätzliche Kindergartenplätze. Die sind bekanntlich mindestens ebenso wichtig.

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