Auf der Zielgeraden

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Auch nach fast vier Jahrzehnten im Schuldienst voll auf Ballhöhe: Rektorin Monika Bedel.

Mühlheim - Das ganze Leben in der Schule verbringen - was für viele Schüler wie ein Albtraum klingt, ist für Monika Bedel Realität. 39 Jahren ist die Mühlheimerin bereits im Schuldienst. Ende Januar geht die Rektorin der Markwaldschule nun in den Ruhestand. Von Sebastian Schwarz 

Eine Nachfolgerin gibt es indes noch nicht. Ihr Lehramtsstudium absolviert sie in den 1970ern in Frankfurt, in den Fächern Deutsch, Sport und Mathematik. Trotz Einstellungsstopp in Hessen zur damaligen Zeit will sie unbedingt Lehrerin werden. Denn das war schon immer ihr Traumberuf. „Das wolle ich schon von klein auf“, erzählt die 62-Jährige. Die Arbeit mit Kindern bereitet ihr sehr viel Freude. „Wenn ich sehe, wie sich die Kinder entwickeln und lernen, gibt mir das unheimlich viel“, sagt sie. An ihrer Schule kennt sie jeden der 155 Schülern mit Namen. Besonders freut sie sich, wenn ehemalige Schüler sie heute immer noch grüßen. „Und das obwohl ich als ziemlich streng gelte“, schmunzelt sie.

Ihre erste Anstellung findet sie an einer Gesamtschule in Nieder-Roden. Ein Jahr bleibt sie dort. Ihre nächste Station führt sie an die Grundschule Bieber. Insgesamt 13 Jahre unterrichtet sie dort in einer Außenstelle der Schule, bevor sie die Leitung der Mühlheimer Markwaldschule übernimmt. In ihren fast 40 Jahren im Schuldienst hat sich viel verändert. „Früher hat sich die Rolle der Eltern darauf beschränkt, mal beim Klassenausflug mitzugehen“, erinnert sie sich. Heute ist das ganz anders, die Eltern helfen in der Schule mit, zum Beispiel als Lesepaten. Einige überschätzten ihren Einfluss aber und wollten bei Unterrichtsgestaltung und Notengebung ein gewichtiges Wörtchen mitreden, merkt Bedel an.

Aber nicht nur bei den Elternabenden, bei der täglichen Arbeit im Klassenzimmer hat sich gleichfalls einiges verändert. „Die Schüler können sich heute nicht mehr so gut konzentrieren und sich Dinge merken wie früher.“ Den Grund dafür sieht sie in den zahlreichen außerschulischen Einflüssen, die heute auf die Kinder einstürzen. Zahlreiche Vereinsmitgliedschaften, Internet, Handy und Fernsehen sorgen beim Nachwuchs für Dauerberieselung. „Es ist sogar schon vorgekommen, dass Eltern mich fragten, ob wir eine Klassenarbeit verlegen können, weil sie mit ihrem Kind zu einem Spiel von Eintracht Frankfurt wollten“, erinnert sich Bedel. Aber von solchen Erlebnissen lässt sie sich die Freude an der Arbeit nicht nehmen. „Ich würde auf jeden Fall wieder Lehrer werden“, sagt sie ohne eine Sekunde zu zögern.

Schulanfänger 2013 in Obertshausen, Mühlheim und Heusenstamm

Schulanfänger 2013 in Obertshausen, Mühlheim und Heusenstamm

Für ihren Ruhestand hat die sympathische Pädagoginschon zahlreiche Pläne geschmiedet. Ganz oben stehen die Oma-Pflichten für ihre beiden Enkel. „Und mein Mann freut sich hoffentlich auch, wenn ich mehr Zeit für ihn habe“, lacht sie. Ihrem Lieblingshobby, dem Laufen will sie ebenfalls wieder mehr Zeit widmen. Früher ist die gebürtige Offenbacherin regelmäßig Marathon gelaufen. Ganz so ambitioniert will sie die Sache jetzt nicht mehr angehen, aber regelmäßig zehn bis 15 Kilometer auf der Dietesheimer Volkslaufstrecke oder am Main entlang sollen es schon sein. Und selbstverständlich wird sie auch im Ruhestand der Schule weiterhin treu bleiben. In ihrer ersten Rentnerwoche darf sie gleich eine ihrer ehemaligen Kolleginnen im Schwimmunterricht vertreten. Und im Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde Sankt Sebastian ist sie auch noch aktiv. Langweilen wird sich Monika Bedel so schnell also nicht.

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