Jugendarrest für zwei Dietesheimer

Handyvideo von Schlägen

+

Mühlheim - Zwei Dietesheimer Jugendliche müssen für jeweils vier Wochen in Jugendarrest. Von Marcus Reinsch

Sie haben, während ein Dritter alles mit dem Handy filmte, einem weiteren Jugendlichen aus dem Mühlheimer Stadtteil solche körperliche und vor allem seelische Gewalt angetan, dass während der Verhandlung in Offenbach das Wort Folter fiel.

Handyvideo sichergestellt

Das Unfassbare spielte sich an einem späten Sommerabend ab. Alle Beteiligten waren auf einer privaten Party, alle kannten sich mindestens vom Sehen. Drei von ihnen lockten den vierten auf einen Spielplatz. Das Handyvideo, das die Mühlheimer Polizei sichergestellt hat, bevor es auch noch im Internet landen konnte, zeigt etwa eine Viertelstunde des Martyriums, das das Opfer durchleiden musste.

Die zwei nun verurteilten Täter, einer Jahrgang 1993, einer 1996, waren offenbar eiskalt. Schläge, so fest und gezielt, dass noch nicht klar ist, ob ein Hörschaden zurückbleiben wird. Eine auf dem Kopf des Opfers ausgedrückte Zigarette. Immer wieder Beschimpfungen, Erniedrigungen, massive Drohungen gegen den Jugendlichen, auch gegen seine Familie.

Schutz von Opfern ebenso wie der von Tätern höchste Priorität

Fälle wie dieser tauchen in keiner offiziellen Verhandlungsliste auf. Bei Verfahren gegen Jugendliche und Heranwachsene hat der Schutz von Opfern ebenso wie der von Tätern höchste Priorität. Im Dietesheimer Fall führte das dazu, dass die Verhandlung für nicht öffentlich erklärt wurde, als sich erstes öffentliches Interesse zeigte. Manfred Beck, Richter und Amtsgerichtssprecher, konnte auf Anfrage also zwangsläufig „nur bedingt über Inhalte“ aus der Verhandlung seines Richter-Kollegen Waßmuth sprechen. Das Strafmaß, der Monat im Jugendarrest, sei zustande gekommen, weil die Verurteilten zuvor nicht auffällig gewesen seien.

Eltern des Opfers hoffen, dass Täter Strafe zum Nachdenken nutzen

Das gilt zumindest aus Perspektive der Justiz. Unter vielen Dietesheimer Jugendlichen soll vor allem der jüngere Täter als reizbarer und wenig zimperlicher Charakter bekannt sein, der auch auf einer Facebook-Seite im Internet mit einer Gang am Dietesheimer S-Bahnhof posiert. Bisher schien ihn allerdings eine auch von Opfern aufrecht erhaltene Mauer des Schweigens zu schützen.

Die Eltern des Opfers hoffen, dass die Täter ihre Strafe nicht einfach absitzen, sondern zum Nachdenken nutzen. Und dass sich Jugendliche nicht mehr einschüchtern lassen. Das Urteil werde hoffentlich als Signal verstanden, dass es keine Frage von Stolz sei, sich zu wehren und Hilfe zu suchen. Ihr Sohn habe sehr professionelle, zugleich persönliche und behutsame Unterstützung bei der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ gefunden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare