Mehr Saft für Autos

SPD und CDU wollen Zahl der E-Ladesäulen in Mühlheim „deutlich erhöhen“

Mehr Ladestationen braucht die Stadt: Das finden SPD und CDU, die die Zahl der „Zapfsäulen“ – wie aktuell am Brückenmühlparkplatz – erhöhen möchten.
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Mehr Ladestationen braucht die Stadt: Das finden SPD und CDU, die die Zahl der „Zapfsäulen“ – wie aktuell am Brückenmühlparkplatz – erhöhen möchten.

In der Stadt stehen bislang zwei Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die laut Informationen der Stadtwerke im Durchschnitt von bis zu fünf Kunden täglich genutzt werden. Geht es nach SPD und CDU soll sich die Zahl der Steckdosen in Mühlheim deutlich erhöhen – also mehr Saft für Autos. Das würden die Stadtwerke grundsätzlich auch befürworten. Doch die Ladestationen sind nicht gerade günstig.

Mühlheim –Für die kommende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 5. November, haben SPD und CDU einen gemeinsamen Antrag eingereicht, nachdem der Magistrat in Kooperation mit den Stadtwerken Standorte für zusätzliche Stromtankstellen prüfen und ein Konzept nebst Kostenschätzung vorlegen soll. SPD-Fraktionschefin Rosemarie Palm findet, gerade in der dicht besiedelten Region Rhein-Main seien Elektrofahrzeuge eine gute Alternative. „Viele Autofahrer zögern aber mangels ausreichender Infrastruktur und verhältnismäßig langer ,Betankungszeit’ mit der Anschaffung eines abgasfreien Autos“, meint Palm und plädiert dafür, „die Zahl der Steckdosen deutlich zu erhöhen“. Das Stromtanken müsse sich „unserem Alltag anpassen, gleich ob beim Einkaufen, während des Friseurbesuchs, beim Kirchgang oder beim Bummel über den Wochenmarkt“. Sie nennt aber auch die Parkplätze an den S-Bahn-Stationen oder Abstellflächen vor Supermärkten oder Arztpraxen als mögliche Standorte. „Wir können uns eine Kooperation zwischen den Stadtwerken und den Eigentümern vorstellen, auch um Fördergelder aus Bundes- und Landestöpfen zu akquirieren“, sagt die SPD-Fraktionsvorsitzende weiter. Bei Supermärkten etwa könne Umweltschutz als Marketingtool für Kunden genutzt werden. Die Stadtwerke könnten auch den Betreibern der Supermärkte Contracting Modelle anbieten oder über Fördermöglichkeiten aus Bundes- und Landesprogrammen beraten, schlägt Palm vor.

Und da Mühlheim eine Hauptroute für den Verkehr aus dem Frankfurter Osten sei, könnten E-Ladestationen ein Argument für den „Einkaufsstandort Mühlheim sein, „wenn Autofahrer hier das Kilowatt-Tanken mit Besorgungen verbinden“. Die Große Koalition möchte zudem an allen Stationen auch die Option schaffen, E-Bikes aufzuladen, „natürlich wenn möglich mit Öko-Strom“. Sozial- und Christdemokraten meinen: Je dichter das Netz an Stromtankstellen, desto größer die Bereitschaft umzusteigen.

Wolfgang Kressel, Geschäftsführer der Stadtwerke Mühlheim GmbH, die seit 2016 ausschließlich Ökostrom anbieten,meint grundsätzlich: Die Dichte an Ladestationen zu erhöhen, sei auf jeden Fall der richtige Weg. Er schränkt jedoch ein: „Man muss aber sehen, wer es bezahlt.“ Mit dem Betrieb von Ladesäulen verdiene man kein Geld, „das ist noch ein Zuschussgeschäft“. Die Stadtwerke setzten darauf, dass die Ladevorgänge hauptsächlich privat stattfinden. Dafür biete man auch Beratung und die entsprechende Technik, sagt Kressel. Auch gebe es aufgrund unterschiedlicher technischer Beschaffenheit der Stationen auch unterschiedliche Preisspannen. Eine Ladestation wie sie seit 2014 auf dem Brückenmühlparkplatz steht, koste in der Anschaffung rund 8000 Euro. Eine Schnellladestation wie an der Dietesheimer Straße aber koste etwa 50 000 Euro, informiert Kressel. „Das ist eine ganz andere Technik.“

Eine, die es in den Augen von SPD und CDU mindestens bräuchte. Derzeit benötige der Ladevorgang immer noch deutlich mehr Zeit als das Auffüllen des Tanks mit Diesel oder Benzin, So dauere es selbst an den sogenannten Schnellladestationen im Schnitt 30 Minuten, um 80 Prozent der Batteriekapazität aufzufüllen. „Gerade mit diesen Powerstationen ist Hessen unterversorgt“, meint die Groko und erinnert an den zwölften Platz Hessens im Länderranking. Hinsichtlich der hohen Investitionskosten bei Schnellladestationen verweist die Große Koalition auf Fachleute, die damit rechnen, dass aufgrund von Massenfertigung in den nächsten Jahren die Preise sinken. (Ronny Paul)

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