Nie mehr wieder im Sitzen

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Die Tüftler Hans-Peter Pforr (links) und Udo Wagner in ihrem Bastelkeller. Das Patent ist mittlerweile angemeldet.

Mühlheim - Die halbe Welt kennt das: Die Blase drückt, Mann eilt zum Klo und schon während ungeduldig und umständlich am Hosenschlitz herumgefummelt wird, fällt der Blick auf das kleine Schild überhalb der Toilette: „Bitte im Sitzen pinkeln!“. Von Katharina Skalli

Ein bekanntes und notwendiges Übel, denn wer im Stehen Wasser lässt, hinterlässt nun mal üble Spuren, weit über das eigentlich Ziel hinaus und neben dran.

Drei Männer (wie sollte es anders sein) setzen nun dagegen und präsentieren den MBF - „Männers bester Freund“ oder auch „men´s best friend“, wie er auf Englisch heißt. Dabei handelt es sich um ein Zusatzurinal, mit Spülung, das sich schnell und einfach an die übliche Toilette montieren lässt.

Vor zwei Monaten haben Udo Wagner, Hans-Peter Pforr und Kurt Nitschke ihre Erfindung zum Patent angemeldet. Jetzt ist das erfindungsreiche Trio auf der Suche nach einem Lizenznehmer und einem Hersteller, der aus den Prototypen eine Serie macht.

Nachträglich an jeder Toilette montiert: das Zusatzurinal

Im Wohnzimmer von Udo Wagner steht zwischen Esstisch und gemütlicher Sitzecke das Klo. Weißes Porzellan neben schwarzem Leder und lasiertem Holz. Es ist kein übliches Klo, denn neben dem Toilettensitz führt ein langes, schmales Rohr etwa 50 Zentimeter hinauf und mündet in einem kleinen Urinal, das man öffnen und schließen kann. Schnell wird klar, wie es zu benutzen ist und warum es Männerherzen höher schlagen lässt. Vergessen ist das lästige Sitzen, endlich kann der Stehpinkler das tun, wofür er so gut ausgestattet wurde: Im Stehen pinkeln. „Es geht um mehr“, versichert Erfinder Udo Wagner. „Es geht um Hygiene. Keime, Viren und Bakterien gelangen beim Urinieren im Stehen auf den Toilettensitz und auf den Boden. Schnell können so Krankheiten übertragen werden.“ Eine Toilette zu reinigen, die von Stehpinklern benutzt werde, sei sehr unangenehm, wissen auch die drei Mühlheimer, die aus einer Laune heraus eine Lösung gesucht und schließlich auch gefunden haben. Drei Jahre haben sie an dem MBF gearbeitet. Auch jetzt wird das Produkt immer weiterentwickelt. Im Keller von Udo Wagner wird gerade ein neues Urinal gegossen. Ein aufwendiger Prozess, denn die Bastler haben einen hohen Anspruch an ihr Werk und prüfen jedes Detail. So kann die Spülung beispielsweise auf zwei Arten betätigt werden.

„Irgendwo sitzt ein Firmenchef und wartet auf unsere Idee“

Der Einsatzbereich des besten Freundes aus Kunstharz ist groß. „Vom Kind, das lieber im Stehen pinkelt bis zum Senior, der nicht mehr so leicht zurück in den Stand findet - jede männliche Person kann das Urinal benutzen“, sagt Udo Wagner. Auch bei ihm zuhause hängt das berühmte Schild über der Toilette. Während der dreimonatigen Testphase durfte er aber stehen bleiben. „Der Mann profitiert, weil er stehen bleiben kann und die Frau, weil sie nicht mehr so viel putzen muss“, fasst es der 51-Jährige zusammen. Jede Woche haben er und seine Freunde am MBF gearbeitet. Nun ist es soweit fertig, dass es der Öffentlichkeit präsentiert werden kann.

Wer Interesse an der Arbeit von Udo Wagner, Hans-Peter Pforr und Kurt Nitschke hat, meldet sich unter: mbf@ish.de.

Die Mühlheimer haben eine Firma beauftragt, Kontakte zu Herstellern zu knüpfen. Als Privatperson sei das schwierig, sagen Wagner und Pforr. „Irgendwo sitzt ein Firmenchef und wartet auf unsere Idee“, meint der Mühlheimer. Der MBF ist nicht seine erste Erfindung. Einmal wollte er einen Dachgepäckträger in ein Boot umwandeln, ein anderes Mal hatte er die Idee für ein Notrufhandy, das er aus finanziellen Gründen nicht patentieren ließ und das mittlerweile von anderen erfolgreich produziert wurde. „Für jedes Problem gibt es eine Lösung“, sagt Hans-Peter Pforr. Ihre Ideen nehmen die Kreativen aus dem Alltag. Das handwerkliche Geschick bringen sie ohnehin mit. Udo Wagner ist Koordinator, Hans-Peter Pforr Schreiner und Kurt Nitschke Konstrukteur. „Nur der Verkaufsmanager fehlt uns“, sagen sie.

In Gedanken sehen sie ihr Produkt bereits in den Bädern der deutschen Haushalte. „In 40 Millionen deutschen Haushalten leben Männer. Das ist ein riesiger Markt, den wir uns nicht wegnehmen lassen wollen.“ Bis ein Lizenznehmer gefunden ist, arbeitet das Team an einer Internetseite und tüftelt weiter an seinem neuen besten Freund aus weißem Kunststoff.

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