Werke aus Holz

Mini-Welt hinterm Garagentor

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Hinter Sankt Markus wartet Pumuckl: Hans Wießmann und seine Frau hüten einen Schatz aus Holz in ihrer Garage.

Mühlheim - An Main und Rodau schlummert manch unentdecktes Talent. Hans Wießmann ist eines davon. Die einstige Sportskanone wird wohl kein Handball-Tor mehr werfen. Aber an der Laubsäge ist er unschlagbar. Von Michael Prochnow 

Wenn sich das Garagentor öffnet, blitzt dahinter eine buntes Universum. Eins, in dem Osterhasen mit Latzhosen und Überbiss um die Wette grinsen. In dem Küken mit wehendem Schal über den Boden flitzen. Daneben machen Terrier in Dreierreihe brav „sitz!“. Ein Pumuckl thront über dem Treiben, wacht mit schelmischem Gesicht. Hans Wießmanns braucht fürs Weltenerschaffen nur Sperrholz, Säge, Leim. In seiner Garage an der Louis-Raverat-Straße sitzt er in seinem elektrischen Rollstuhl. Unzählige Operationen an Hüfte und Knie zwingen Wießmann in das Gefährt, dazu der Parkinson. All das hindert den wackeren Handwerker aber nicht daran, mit Phantasie und Geschick Erstaunliches zu schaffen. Am Kopfende des Parkraums steht das Brandenburger Tor. Es liegt direkt neben der Frankfurter Alten Oper. Und dahinter: die Mühlheimer St. Markuskirche, maßstabsgetreu, nur ohne Glas.

In den Regalen türmt sich ein Zoo, eine Ritterburg und unzählige Gebäude – vom Bauernhof mit Fachwerk-Fassade bis zur Safari-Lodge mit wilden Tieren. Für die Verwandtschaft hat Wießmann acht individuelle Weihnachtskrippen konstruiert, für Hochzeitspaare festliche Kutschen. Für sich selbst baute der Senior das Fußballstadion „Main-Rodau-Arena“.

Wießmanns Bekanntheitsgrad im Franzosenviertel schoss mit einem Geschenk an die Initiative „Nachbarn schützen Nachbarn“ in die Höhe. Er hat ein aufwändiges Schild für den Stammtisch mit dem Namen der Gemeinschaft und einigen Häusern der Mühlheimer Altstadt drumherum gebaut. Waltraud Kaiser, Motor des Kreises, hat sich bei Wießmanns Daheim die Ausstellung des Künstlers angesehen – und ist „aus allen Wolken gefallen“, wie sie gesteht.

Hans Wießmann ist Jahrgang 1942, wuchs mit einer älteren Schwester auf. Seine Familie ist seit über drei Generation in der Mühlenstadt verwurzelt. Sein Elternhaus steht an der Mainstraße, der Vater war Bauschlosser, arbeitete bei Adam Opel in Rüsselsheim und nach dem Krieg in der Landwirtschaft. Dann ging er als Hausmeister zu Dienes, wo der Sohn eine Lehre als Werkzeugmacher absolvierte.

„Ich geh’ für mein Leben gern in den Baumarkt“

Hans Wießmanns Ehefrau Gudrun war in der elterlichen Bäckerei Weigand beschäftigt. Also schulte der Arbeiter um, legte die Meisterprüfung im Bäcker-Handwerk ab und führte mit seiner Frau bis 2001 Backstube und Ladengeschäft an der Offenbacher Straße. Erst vor einigen Jahren begann der Rentner mit einer Handsäge. Zuvor hat er aus Schmiedeeisen Kerzenständer, Blumenvasenhalter, Weinkanonen und Karren geschweißt.

Jetzt ist Wießmanns Welt aus Holz. Meist Fichte, das sei gut zu bearbeiten. „Ich geh’ für mein Leben gern in den Baumarkt“, schwärmt der Künstler. Oft bringen ihm Freunde Bretter mit. Erst sägte und schmirgelte er im Wintergarten, jetzt warten in der großen Garage eine elektrische Decupiersäge, eine Bohrmaschine, Leim und Feile. Anregungen holt sich Wießmann aus Bilderbüchern oder von Bauplänen aus dem Internet. Die druckt er aus, paust sie ab und vergrößert sie. Die fertigen Objekte werden von Renate Schreiber angemalt. Die Schulkameradin von Gudrun Wießmann ist Hobbykünstlerin, arbeitet sonst mit Acryl auf Leinwand.

„Die Ärzte haben mir empfohlen, mit Händen und Armen aktiv zu sein“, erklärt der einstige Fastnachtsprinz. Bis heute gehört er den Katholischen Karnevalisten an, bei denen er auch seine Frau kennen gelernt hat. Seit 60 Jahren ist er Mitglied bei den Handballern der DJK, zur Familie zählen auch Enkel. Für sie hat er bereits Wicki von den starken Männern gesägt, Tiere und ein Mobilee.

Alle anderen Werke sollen bei einem Hofbasar für einen guten Zweck verkauft werden. Der Markt läuft am Samstag, 19. März, zwischen 14 und 17 Uhr mit Kaffee und Kuchen, „damit die Besucher ins Gespräch kommen“, wünscht sich Gastgeber Wießmann.

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