Nicht länger schweigen!

Kommentar zu Missständen in Mühlheimer Pflegeheim

Die Berichte über die haarsträubenden Zustände im DRK-Senioren-Zentrum in Mühlheim sind ein Horrorvor allem für jeden, der selbst in ein Pflegeheim muss oder seine Lieben dort unterbringt. Und viele werden sich jetzt fragen: Warum wurde offenbar so lange geschwiegen? Ist es nicht naheliegend, dass es wahrscheinlich schon vor der Veröffentlichung im entlarvenden TV-Bericht Hinweise gab? Von Peter Schulte-Holtey

Wussten sie wirklich nicht Bescheid – Pflegekräfte, Ärzte, Angehörige, die umliegenden Krankenhäuser, Behörden, Leitungen der umliegenden Pflegeheime? Claus Fussek, profilierter Kritiker der Pflegesituation in Deutschland, nährt ja den schrecklichen Verdacht, wenn er in Interviews regelmäßig aus seinen Erfahrungen berichtet und sagt: „In sehr vielen Heimen gibt es ein weitverbreitetes Klima der Angst und eine Allianz des Schweigens.“

Was besonders beachtet werden sollte: Viele Bewohner sind selbst gar nicht mehr in der Lage, sich zu beschweren. Sie sind auf Angehörige und engagierte Mitarbeiter in den Einrichtungen angewiesen, die sich kümmern, die Missstände rechtzeitig erkennen und den Mut haben, Probleme zu melden – und eben nicht nur darauf setzen, dass ein anonymer Prüfer irgendwann einmal entdeckt, wo hilflose Alte vernachlässigt oder gar misshandelt werden.

Der Mühlheimer Fall bringt zudem nicht nur die schon oft geschilderten Qualitätsmängel – unter anderem durch den Personalnotstand – in erstaunlich vielen Heimen eindringlich in Erinnerung. Er unterstreicht auch, wie wichtig die Reform des sogenannten Pflege-TÜVs ist. Die Betroffenen brauchen dringend glaubwürdige Informationen und Beratung bei der Suche nach einem Pflegeheim. Derzeit werden sie allein gelassen. Denn das bisherige Bewertungssystem von Pflegeeinrichtungen wurde 2015 ausgesetzt, weil es nur Top-Noten vergab und damit wenig aussagekräftig war. Die so wichtige Neuregelung wird immer wieder auf die lange Bank geschoben; inzwischen ist von 2019 die Rede. Ein Armutszeugnis für die Regierenden in Berlin!

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