Mit Blick über den Tellerrand

Neu-Lämmerspieler nun Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands im Kreis Offenbach

Engagiert im DPhV: Lehrer Sebastian Krämer.
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Engagiert im DPhV: Lehrer Sebastian Krämer.

Ein Neu-Lämmerspieler führt den Deutschen Philologenverband (DPhV) im Kreis Offenbach. Sebastian Krämer, Lehrer am Friedrich-Ebert-Gymnasium, ist jüngst zum Vorsitzenden der Sprach- und Literaturwissenschaftler gewählt worden. Seine Aufgaben bestehen darin, so beschreibt er es, Sitzungen vorzubereiten, die Arbeit der Vertrauens- und Verbindungslehrer zu koordinieren und den „Blick über den Tellerrand“ zu organisieren.

Mühlheim – Angesichts von Hygienekonzepten, Video-Unterricht aus dem Klassenraum und versetzten Anfangszeiten seien in der Krise „kleine Lösungen effektiv“, lautet Kremers Erfahrung. Bei Konflikten an den Schulen wirke die Kommunikation unter Kollegen entlastend. Darüber hinaus bereite der Philologenverband sein Programm für die Wahlen zum Gesamt- und Hauptpersonalrat für Schulamt und Kultusministerium vor. Krämers Name steht auf beiden Listen. „Ich finde es wichtig, sich auf der Ebene von Stadt und Kreis für die Belange der Lehrkräfte einzusetzen“ und „konzeptionelle Arbeit interessiert mich sehr“. Gemeinsam mit dem Deutschen Lehrerverband (DLV) beackert der DPhV Themen wie Versetzung, Corona-Maßnahmen und Planungen des Schulamts. Krämer gehörte auch dem Landesvorstand des Germanistenverbands an.

Der gebürtige Frankfurter besuchte die Schumann- und die Bachgauschule in Babenhausen, war bereits als Schülervertreter im Kreis Darmstadt-Dieburg aktiv. Er studierte Deutsch und Darstellendes Spiel an der Gutenberg-Universität in Mainz, an der Uni in Kassel war er Sprecher der Fachschaft Musik. Nach dem Zweiten Staatsexamen arbeitete er in Waldau an einer Schule mit offenem Konzept, 2012 wechselte er nach Offenbach.

Sieben Jahre unterrichtete er an der Albert-Schweitzer-Schule, engagierte sich als Mitglied der Schulkonferenz. Als Förderkoordinator unterstützte der Pädagoge leistungsschwächere Schüler, speziell in der 5. und 6. Klasse in Deutsch, später auch in Englisch und Mathematik. „Ich glaube an das Gymnasium“, betont er konform mit dem Philologenverband, der für das dreigliedrige Schulsystem eintritt.

Berufsbegleitend beschäftigt sich Krämer mit Bildungsmanagement, reflektiert immer wieder das Thema Gymnasium und seine Historie. Nach Humboldt gebe es die Zugangsberechtigung nach dem Leistungsprinzip. Und auch in Zukunft soll das Gymnasium die Schule sein, die leistungsbereiten und -fähigen Schülern die Möglichkeit gibt, Bildungserfolge unabhängig vom Elternhaus zu erzielen. Der Vorsitzende sieht „primäre und sekundäre Herkunftseffekte“ in der Frage, wie viel Zeit Eltern bereit sind, in die Zukunft ihrer Sprösslinge zu investieren. „Starke Deutsch-Schüler kommen oft aus Migranten-Familien, die sehr viel Wert auf Bildung legen.“ Anstrengungen von deutschen Eltern hängen häufig von deren eigenen Bildungswegen ab. „Akademiker-Haushalte setzen vielfach alle Hebel in Bewegung“, beobachtet der Sprecher, der sich vorstellen kann, Verantwortung in einer Schulleitung zu übernehmen.

Eine Abkehr von Gymnasien würde Privatschulen fördern, denn „das Bürgertum findet immer seine Wege, zeigt die Geschichte“. Gesamtschulen seien „für bestimmte Biografien sinnvoll“, ist Krämer überzeugt. „Eltern dürfen nicht zu viel Druck aufbauen“, fordert er und kritisiert, „die Entwertung der Abschlüsse an Haupt- und Realschulen ist ein Fehler“.

(Von Michael Prochnow)

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