Mitreißende Sonnau-Tanzschau

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Die „Sonnau All Stars“, zwölffache Europameister im Schautanz, gingen auf eine „Reise“ rund um den Globus.

Mühlheim ‐ Der Zauber der Illusion und Talente aller Generationen, ein Schlagersänger an der Spitze der Narretei und Fans, die im Takt mit Leuchtstäben winken, ein begnadeter Bauchredner aus den eigenen Reihen und Schautanz auf höchstem Niveau – das ist das Erfolgsrezept für eine der stärksten Fastnachtssitzungen der Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft (TKG) Sonnau. Von Michael Prochnow

Die Stimmung im Saal der Sport-Union Mühlheim steigerte sich bis zu einem besonders reizvollen Höhepunkt: Die Sonnau-All-Stars, die zwölfmaligen Europameister im Schautanz der 80er und 90er Jahre, wiederholten in passenden Kostümen und zu bekannten Melodien ihre Reisen rund um den Globus. Josef Dussmann präsentierte fein gereimt eine aufwändige und mitreißende Show mit zwei Dutzend jungen Damen, die wie beim ersten Titelgewinn die Beine schwangen und dabei noch herzerfrischend lächelten.

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Närrische Darbietungen  im Saal der Sport-Union

Zuvor tanzten „Purzel“ und Sonnau-Kids, akrobatisch-anmutig schlängelten sich Svenja Schäfer und Leonie Wörner in orientalisch-weißem Tuch übers Parkett, paarweise gesellte sich die Gruppe Quadros in gleichen Schleiern hinzu, eine Augenweide mit harmonischen Bewegungen zum Ohrwurm „Geboren um zu leben“ und eine meisterhafte Leistung.

„Auf geht's“ und Beifall von der Galerie galten auch Vanessa Baro und Alicia Euler. Wieder war der Saal aus dem Häuschen, als dieses Duo elegant und exakt zum Rhythmus der Techno-Klänge umschlungen eine sportliche Choreographie vorstellten. Auch die „Unlimited Teens“ brachten Gymnastik mit Tempo und Disziplin ins Rampenlicht. Fabiene Dussmann schmiegte sich zu rockigen Takten gar auf Mini-Motorrad und Leiter.

Protokoller findet die wunden Stellen der Republik

Wer hätte treffsicherer ein Protokoll verfassen können als Sonnau-Chef Karl-Christian Schelzke. Er fand die wunden Stellen in der Republik wie vor Ort, nur konnte er sich „keinen Reim drauf machen“. Über Rücktritte, steigende Preise, Stuttgart 21 und verlängerte Atomlaufzeiten, über Merkel, Guttenberg, Sarrazin und Berlusconi sowie Biogasanlage und Bürgermeisterwahl vor der Haustür schüttelte er den Kopf.

Ohne Elferrat, am Stehtisch oder Pult begrüßte Frieder Gruber weitere Solisten und Duos. Der Mann, der nur in Reimen spricht, verabschiedete sich als Präsident, will sein Amt in jüngere Hände legen. Erstmals als Vortragende dabei stellte „Ehrenjungfrau“ Sarah Rothmann strahlend ihren Job vor: „Treudoof gucke' und Glas austrinke'“. Beim Blick auf die Männerwelt im Saal urteilte sie, „bei so Kerle ist es eine Ehre, Jungfrau zu bleibe'“.

„Erstmol en Schnaps“

Mit Gießkanne und Trockenblumen, schwarzen Gewändern, versteinerten Blicken und „strengem Geruch“, aber sonst „noch gut erhalte`“ stimmten die „Trauerschnalle“ mit Litaneien an. Knochentrockener, bissiger Humor brachte viel Applaus. Dann brauchten Claudia Mühlbacher, Conny Reuter, Christina Plaumann und Ingelore Gruber „erstmol en Schnaps“. Früher bekamen sie Liebesbriefe in vier Sprachen und Alimente in sechs Währungen. Heute bestellten sie einen Hochzeitstisch in der Apotheke mit Stützstrümpfen, Gehhilfen, Potenzmittel.

Das Publikum ließ sich vom Programm der Sitzung mitreißen.

Mit viel Selbstmitleid lästerte Maike „Agathe“ Kuckenburg im Matrosenanzug über ihren „Eeeschon“, mit dem sie nach London gereist war. Die „dolle Olle“, Karl Feser und Hans-Dieter Seydel, warfen sich mit viel Schminke auf Rentner getrimmt treffsichere Anekdoten um die Ohren, rissen das Publikum mit Gassenhauern mit.

Lebensfroh zeigte sich Senior Konrad an der Hand von Andy Franz. Der Bauchredner bewegte seine Puppe lebensecht, gewann das Publikum mit Klamauk. „Einmal Ritter zu sein“, textete Sänger Andy Sommer stolz. Der Job bei der Sonnau bereite ihm einen „Riesenspaß“. Und die Alt staedter überzeugten singend mit beliebten Melodien.

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