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Modellbauclub Stellwerk öffnet Türen für Besucher

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In neuen Räumen: Mitglieder des Modellbauclubs Stellwerk habeneine Eisenbahnwelt geschaffen.
In neuen Räumen: Mitglieder des Modellbauclubs Stellwerk haben eine Eisenbahnwelt geschaffen. © m

Der Modellbauclub arbeitet fleißig an seinem aktuellen Projekt. Am Tag der offenen Tür bekommen Besucher aber nicht nur eine Baustelle zu sehen. Es warten ebenso eine Besonderheit aus den Siebzigerjahren auf sie.

Mühlheim – Zwölf Züge rollen gleichzeitig über die Gleisanlage. Die Techniker im Team unternehmen ausgiebige Testfahrten, um Weichen und Signale zu programmieren, Fahrtstrecken und -zeiten einzurichten. Da unterbricht ein kurzes Krachen von Metall die Vorstellung: Der Güter Regio und der IC sind sich auf denselben Schienen begegnet. Jetzt müssen die Männer vom Modellbauclub Stellwerk herausfinden, was da falsch gelaufen ist.

Lange müssen der Technische Leiter Matthias Rein und Gruppenleiter Stefan Uhlig nicht suchen. Einer der langen Weichenarme wird nicht ausreichend an den Schienenstrang gedrückt, der Güterzug hat darum nicht das Gleis gewechselt. Sonst funktioniert der Betrieb auf der L-förmigen Fläche schon, die meisten Schienenwege im unterirdischen Schattenbahnhof und am Mühlheimer sind verlegt.

Das erste Gebäude, das einsam auf der aufwendig gezimmerten Holzkonstruktion steht, gleicht der historischen Station tatsächlich bis aufs Fensterbrett. Es stammt aus dem 3-D-Drucker, der mittlerweile zur Werkzeugauswahl des Clubs gehört. Das alte Stellwerk Offenbach Ost, das dem Verein den Namen leiht, existiert als Pappmodell. Dazu haben die Landschaftsbauer Modellbäume verteilt, um zu vergleichen, welche Größe am besten zu Häusern, Autos, Figuren und natürlich zum H0-Maßstab der Züge passt.

Sichtbare 250 Meter Gleiskörper haben sie testweise mit verschiedenen Materialien und Farbtönen eingeschottert. Einige Versuche entsprechen den Körnungen und Abdunklungsgraden der „echten Bahn“, kommen dem Vorbild sehr nahe: „Zwischen den Gleisen müssen die Steine dunkler sein als an den Seiten, verdeutlicht Pressewart Martin Söhngen. Irgendwann soll eine Fläche von 55 Quadratmeter an sanfte Spessart-Hügel erinnern, laut Computer-Programm sind 700 Meter Gleise geplant.

Bislang haben die Experten viele „unsichtbare“ Arbeiten erledigt, weitere Gleise gelegt, den Bahnhof mit Weichenantrieben versehen, Drähte verlegt, neue Löcher gebohrt – „minimalinvasiv“, verweist Söhngen auf Einsätze mit artistischen Verrenkungen im hölzernen Gestänge. Etwa 25 Jahre haben sich die Männer für die Fertigstellung vorgenommen, und das sei nach aller Erfahrung von anderen Anlagen durchaus realistisch.

Die Szenerie soll die 1990er Jahre repräsentieren, mit vielen Gleisanschlüssen für die Industrie, auch die Post erhält ein eigenes Gleis, an dem abgeliefert und beladen wird. Dann sind selbstfahrende Autos vorgesehen, geführt von einem Draht in der Straße und Magneten auf den Vorderachsen, greift Söhngen weit in die Zukunft. Auch bewegte Figuren wollen sie kaufen oder selbst bauen, Störche, die über einen Schornstein kreisen. „Viele Landschaften entwickeln sich mit dem Blick auf die Topografie“, sagt Söhngen.

Der Personenzug verlässt den Tunnel mit dem original Geräusch, Lautsprecher verbreiten es und schaffen das wahre Eisenbahngefühl. Gerade befestigt Hartmut Bönnen Dummies, Signale aus Pappe aufgestellt, das Trio präsentiert einen frisch gestrichenen Untergrund und Teile erster Bahnsteige und -Kanten aus Gips. „Das funktioniert nicht auf Anhieb, du musst die Mischung anpassen, damit keine Luftblasen entstehen, und aufpassen, damit die Teile nicht brechen, wenn du sie aus der Form holst“, lautet die Erfahrung des Trios.

Für ihre „Tage der offenen Tür“ am Wochenende gibt’s aber mehr zu sehen als eine riesige Baustelle. Zum Internationalen Tag der Modellbahn, den Verbände auf den 2. Dezember gelegt haben, hat der Aktive Matthias Mühlhause einen Schatz aus seinen Kindheitstagen in den 70er Jahren hervorgekramt und aufgebaut: Eine riesige, knallbunte Lego-Eisenbahn, eingebettet in eine komplette Kleinstadt!

Infos

Die Ausstellung des Vereins Stellwerk ist im Keller der ehemaligen Schreinerei in der Friedenstraße 12 zu sehen, am heutigen Samstag von 13 bis 17 Uhr und am morgigen Sonntag ab 10 Uhr. Informationen unter mibaclub.de.

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