„Momente wie diesen“

Kirchweih bei St. Markus wartet mit vielfältigem Programm auf

Zur Blutspende begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Oberbeck auch Ex-Eintracht-Trainer Dragolsav Stepanovic.
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Zur Blutspende begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Claudia Oberbeck auch Ex-Eintracht-Trainer Dragolsav Stepanovic.

„Lebbe geht weider“, das glauben Christen, die am Wochenende in der Pfarrkirche und im Gemeindezentrum die Kirchweih von St. Markus feierten. „Aus der Vergangenheit schöpfen, sich von Wichtigem trennen und Neues zulassen“, beschrieb Gemeindereferentin Birgit Wenzel, „das Leben beginnt ganz klein“. Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich überlegte, „was braucht es, damit das Leben gut für mich weitergehen kann?“

Mühlheim – Eine Antwort erhielt er auch vom ehemaligen Eintracht-Trainer Dragoslav Stepanovic. In einem Interview mit dem Seelsorger stellte der Fußballlehrer Gesundheit und Helfen in den Vordergrund. Der Gast zeigte sich beeindruckt, wie spontan und umfangreich Fernsehzuschauer hierzulande spenden, um nach Katastrophen oder für Hilfsorganisationen Menschen in Not zu helfen. Stepi berichtete von einem siebenjährigen Mädchen, mit dem er über ein Spenden-Telefon verbunden war, das fünf Euro gab, die Hälfte seines Taschengelds.

Für Gemeindemitglied Kirsten Klotz ist es wichtig, sich persönlich zu begegnen, Anteil zu nehmen und eine „eigene Christus-Beziehung“ zu schaffen, miteinander und füreinander zu beten. Dr. Frank Wempe von der Hospizgemeinschaft erzählte von einer Krebs-Patientin, die durch ihre Erkrankung und Ängste sowohl Einschränkungen als auch Wertschätzung erfuhr. Die Jugendliche Jana Rieth schilderte ihre Zeit „allein daheim“ während der Lockdowns. „Durch das Homeschooling habe ich mehr Zeit für mich gefunden“, sagte sie.

„Momente wie diesen“ schätzt Fastnachter und Feuerwehrmann Christian Spahn jetzt noch mehr. Er fiebert dem Zusammensein entgegen, denn „Lebbe geht weiter“. Annika Theophil, die neue Pfarrerin der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, überlegt, welche drei Dinge Leute auf eine einsame Insel mitnehmen würden. Sie erinnerte zum Reformationstag an Martin Luther, der den Glauben mit neuem Leben füllen wollte. „Eine Spaltung der Kirche hatte er nicht geplant.“

Die Theologin machte „Mut nach vorne zu schauen“ und empfahl den „Blick auf das Positive: Gott hilft, er will, dass es gut weitergeht, und öffnet den Eingang zum Leben in Fülle“. Auf die Insel würde sie Glaube, Liebe und Hoffnung mitnehmen, um mit Jesus in Verbindung zu bleiben, schloss sie ihre Predigt in der ökumenischen Andacht unter Pavillons im Hof des Vereinshauses.

Die Kirchengemeinde sorgte aber auch ganz pragmatisch dafür, dass „Lebbe“ weitergeht. Sie engagierten den Blutspendedienst Frankfurt und Sanitäter des DRK-Ortsvereins Mühlheim, damit rund 80 Erwachsene im Saal von ihrem Lebenssaft geben konnten. Viele Erstspender nutzten die Gelegenheit, in dieser Form Menschen in lebensbedrohlichen Situationen zu unterstützen. Am Abend spielte die Band Moon auf den Stufen des Gemeindehauses. Das Quintett unterhielt mit Jazz, Soul, Pop und Rap, mit Oldies und aktuellen Hits und ließ die feuchte Witterung vergessen. Zur gleichen Zeit schlichen Kinder mit Taschenlampen durch das Gotteshaus, warfen die Lichtkegel auf Bilder, Figuren und die Orgel. Mit brennenden Kerzen markierten sie Punkte, die ihnen besonders gefielen, wie die Maria mit Goldkranz und Krone auf dem Kopf. (Von Michael Prochnow)

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