Ein X, ein U, ein Y

Monika Schloz’ Clown-Studio

„...gänzlich weißes Blatt“: Monika Schloz.
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„...gänzlich weißes Blatt“: Monika Schloz.

Mühlheim - Mit „Väter der Klamotte“ fing es an. Die Sendereihe mit Ausschnitten aus Kurzfilmkomödien der Stummfilmzeit lief in den siebziger und achtziger Jahren freitags im Vorabendprogramm. Von Stefan Mangold

Die surreal anmutenden Szenen beeindruckten Monika Schloz: Matronen setzen spiddelige Gatten auf Schränke, wenn die nicht spuren, Männer warten stoisch ab, bis der Nachbar seine Sachbeschädigung beendet, um sich postwendend destruktiv an dessen Eigentum zu vergehen. Die Gefühlslage des Gegenübers spiegelt sich derweil in dessen Gesichtszügen wider.

Der nuancierte Einsatz von Gestik und Minenspiel macht einen Großteil des Handwerks eines Clowns aus. Als eine der ersten Übungen setzen sich Kursteilnehmer von Monika Schloz eine Maske auf. „Die selbe macht mit jedem etwas anderes, die Leute sehen gänzlich unterschiedlich aus“, beobachtet die Clownin und Theaterpädagogin. Mancher, von dem sich das so nicht erwarten lasse, wirke plötzlich ungemein feinfühlig. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lassen sich von Schloz trainieren. Auch Profis, die an Details arbeiten. Im Mai eröffnete sie im Hinterhof der Bahnhofstraße 17-19 ihr Clown-Studio. Ständig anzutreffen ist sie dort dennoch nicht. Schloz gibt auch an der Brüder-Grimm-Schule und im Kindergarten in Lämmerspiel Mal- und Theaterunterricht. Zwei Disziplinen, die eine Schnittmenge bilden. Denn die Masken, mit denen die 45-Jährige arbeitet, stellt sie selbst her, „am Anfang steht die Skizze“.

Nach dem Abitur studierte die gebürtige Bonnerin Germanistik und Spanisch. Ähnliche Fächerkombination münden mitunter in erfolgreiche Taxischein-Prüfungen. Nicht bei Schloz, die als Uni-Dozentin arbeitete und für den renommierten Insel-Verlag Bücher herausgab. Mit dreißig entschied sich die Frau, die während Kindheit und Jugend auf hohem Niveau Ballett tanzte, gegen eine wissenschaftliche Karriere. Schloz zog für ein Jahr nach Paris und nahm beim prominenten Clown Jacques Lecoq Unterricht. Aus dem Nichts kam der Entschluss jedoch nicht. Schon vorher trat sie als Clownin auf. Schloz erinnert sich etwa an eine Performance vor dem Kölner Dom. Kinder und Alte reagierten am meisten.

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Einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringt sie in Pflegeheimen für Demenzkranke. Es sind vor allem die winzigen Veränderungen, die für Erfolgserlebnisse sorgen. Wenn jemand, der sonst nur unbeweglich vor sich hinstarrt, beim Anblick einer Puppe leicht den Kopf hebt. Erzählt die Clownin davon, ähnelt das der Therapie von Autisten mit Delfinen. Die Tiere spüren den Grad an Körperspannung und variieren ihre Distanz. Der Clown müsse fühlen, wie nah er kommen darf. Mit manchen Dementen tanze sie im Flur, die tanzten mit Pflegekräften weiter. Eine Szene, die an ein Altenheim in Mailand erinnert, in dem Opernsänger leben. Mit einfachen Angestellten singen die einstigen Bühnenhelden Arien von Verdi und Puccini.

Was charakterisiert den Clown an sich? „Sein Herz ist rein.“ Ironie und Zynismus liegen ihm fern. Den intellektuellen Umschlag will er nicht leisten. „Naiv ist er aber keineswegs“, analysiert Schloz. Versuche jemand, ihm ein X für ein U vorzumachen, „dann bringt er ein Y ins Spiel“. Er lässt sich spontan begeistern. Trauer empfindet er, Depression ist ihm fremd. „Der Clown reflektiert seine Wirkung nicht.“ Ein Punkt, an dem Schloz in ihren Kursen ansetzt. Es falle auf, wenn sich jemand vor einer Improvisation Gedanken mache, was er vorführen will. Das widerspreche dem Wesen des Clowns, der jetzt noch nicht weiß, was ihn gleich beeindrucken wird. Ein Ziel liegt darin, „als gänzlich weißes Blatt zu beginnen“.

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