Einblicke ins Wahrzeichen

24. Mühlenfest lockt zahlreiche Besucher ans Rodauufer

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Die Fegemühle trennt die sprichwörtliche Spreu vom Weizen, Kinder durften sich daran beim Mühlenfest ausprobieren.

Mühlheim - Die Mühlheimer sind stolz auf ihr Wahrzeichen. Davon zeugt die hohe Besucherzahl des 24. Mühlenfestes im Hof der alten Brückenmühle. Von Lisa Schmedemann 

Die meisten Gäste haben sich bereits schattige Plätzchen gesucht, denn das Wetter zum Pfingstwochenende hat sich von seiner besten Seite gezeigt. Die jüngsten Besucher waten durch das kühle Wasser der Rodau, das einige Meter weiter das Mühlrad antreibt.
Auf der Insel inmitten des Baches stehen Gehege mit verschiedenen Kaninchenarten vom Kaninchenzuchtverein. Manche schwarz, manche weiß, andere gescheckt. Weitere Käfige mit stattlichen Hähnen und Hühnern fallen spätestens dann auf, wenn der Gockel zum typischen Kikeriki ansetzt.

„Zu Lebzeiten der letzten Mühlheimer Müllerin, Antonie Krebs, gab es im Hof noch einen Misthaufen“, sagt der Vorsitzende des Geschichtsvereins Karl-Heinz Stier. Das Müllerhandwerk gehörte zur Landwirtschaft – da bleibt Mist nicht aus. „Die Hühner und Kaninchen sollen an diese Zeit erinnern“, so Stier.

Voll war’s beim 24. Mühlenfest am Pfingstmontag.

Auf eine Führung durch die alte Mühle laden Hans-Jürgen Mloschin und Peter Maier ein. Abwechselnd leiten sie eine kleine Gruppe durch das Gebäude, das sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. „Hier unten gab es früher nicht viel, nur eine Küche“, erzählt Maier. Wegen der Hochwassergefahr habe man im ersten Stockwerk, dem „Bied“, gewohnt und gearbeitet. Im Erdgeschoss hat die Gruppe einen guten Blick auf die großen Zahnräder, die die Wasserkraft auf den Mahlstein im Bied übertragen. „Hier drehen sie sich langsam, aber der Mahlstein oben drehte sich deutlich schneller“, sagt Maier weiter. Die Gruppe geht nun eine steile, knarzende Holztreppe hinauf. Die Kinder sind von der Größe der Mahlsteine und dem vielen Werkzeug überrascht. Die 15-köpfige Gruppe verteilt sich und Maier merkt an: „Früher haben hier bis zu zehn Personen auf engem Raum gelebt.“ Es sei immerzu laut und staubig gewesen. Außerdem habe man den Müllern Unehrlichkeit nachgesagt. Das Müllerhandwerk war nicht so romantisch, wie man sich es heute vorstellt. „Dafür ist die Mühle die älteste Maschine der Menschheit und dementsprechend bedeutend“, sagt Maier.

Bürgermeister Daniel Tybussek freut sich über Besucherzahl: „Es ist schön zu sehen, dass den Mühlheimern ihr Wahrzeichen wichtig ist.“ Man setze alles daran, dass die Mühle, nun am städtischem Grund, eine ehrwürdige Funktion erhalte. „Ein Mühlenmuseum wäre natürlich das Beste“, sagt Stier schmunzelnd. Eine ständige Brücke sei zwar auch wünschenswert, doch geben sich die Besucher zunächst auch mit der Variante des Technischen Hilfswerks Offenbach zufrieden. Im Gänsemarsch wechseln die Menschen die Uferseite. Viele haben zuvor ihr Fahrrad beim ADFC abgestellt, der einen kostenlosen und bewachten Parkplatz für Drahtesel anbietet. Daneben stellt der Club allerlei Informationen rund ums Thema Radfahren in der Region bereit.

Mühlheim feiert den Mühlentag: Bilder

Für das leibliche Wohl ist auf dem Fest ebenfalls gesorgt. Wie schon im vergangnen Jahr werden Kaffee und Kuchen vom Sängerkranz angeboten. „Diesmal haben wir genug Kuchen parat“, versichert ein Sänger. Neben dem Kuchenstand bietet der Imker Bernd Müller seinen Honig aus eigener Herstellung und sonstige Imkerwaren an. Der Kerbverein ist die Getränke verantwortlich und bringt Bestelltes direkt an den Tisch. Das ist auch nötig, denn die Bänke füllen sich seit der Mittagszeit mehr und mehr. Irene Rupp vom Kerbverein sagt: „Wir helfen natürlich gerne.“ Wenn es um das Wahrzeichen gehe, hielten die Mühl-heimer zusammen. Für Wein und Sekt ist die Weinstube Chalet wieder mit von der Partie. Neben Bratwurst bietet das Lokal eine Besonderheit an: das Mühlrädchen.

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