Die Zukunft der Vergangenheit

Mühlentag des Heimat- und Geschichtsvereins

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Für Herbert Schneider, Karl-Heinz-Stier und Albert Dewald (von links) vom Heimat- und Geschichtsverein ist der Mühlentag kein Fest wie jedes andere.

Mühlheim - Zum 22. Mal und im 24. Jahr – zweimal musste er ausfallen – lädt der Geschichtsverein für Pfingstmontag zum Mühlentag. Geboten werden Führungen, eine Neuerung, die an alte Zeiten erinnern soll und vieles mehr. Von Christian Wachter 

Aus dem Rathaus gibt es indes Informationen, wie es um die künftige Nutzung des städtischen Wahrzeichens bestellt ist. Weit über 1000 Standorte beteiligen sich am Deutschen Mühlentag, der traditionell auf den Pfingstmontag fällt. Im Kreis Offenbach ist die Zahl der teilnehmenden Mühlen überschaubar. Neben Mühlheim, jener Stadt mit der einzigen noch funktionierenden Mühle in diesem Gebiet, ist nur noch Seligenstadt dabei. Der Geschichtsverein startet sein Angebot an der Brückenmühle (Brückenstraße 4) am 21. Mai um 10 Uhr. Bis 18 Uhr dauert das Programm, bei dem jede Dreiviertelstunde eine neue Führung – bei freiem Eintritt und gerne gesehenen Spenden – durch die Mühle beginnt.

Außerdem, informiert der Vorsitzende Karl-Heinz Stier, bringt sich das THW wieder mit einer Brücke vom Parkplatz über die Rodau ein, der ADFC bietet einen Infostand samt Fahrradwache. Kaffee, Kuchen und Grillgut kommen von der Metzgerei Schmidt, außerdem gibt es einen Sekt- und Weinstand und auch ein Honigmann schaut vorbei. Als Veranstalter kann der Geschichtsverein aber auch auf weitere Unterstützer zählen: Kerbverein und Sängerkranz helfen, die Gartenwelt liefert in aller Früh Pflanzen, die Sparkasse Langen-Seligenstadt greift den Machern finanziell unter die Arme.

Damit den Besuchern die Reise in die Vergangenheit nicht all zu schwer fällt, hat man sich beim Geschichtsverein außerdem noch etwas Besonderes einfallen lassen. Mit Hühnern von Mühlheims Kleintierzüchtern und Hasen von den Züchtern aus Dietesheim werden auf der Insel Tiere zu Gast sein, die dort ihr festes Zuhause hatten, als es innerstädtisch noch landwirtschaftlicher zuging. „Im Hof gab es früher noch einen riesigen Misthaufen“, sagt Stier schmunzelnd.

Das organisatorische Zepter hält als Leiter des Mühlentages Herbert Schneider vom Geschichtsverein in den Händen. Vor sechs Monaten hat er mit der Planung begonnen. Wie immer damit, die Beteiligten aus dem vergangenen Jahr als Erste anzuschreiben. Gerade von denen solle niemand außen vor gelassen werden, „schließlich verdient man damit kein Königreich“. Das Fest, sagt er, habe seinen ganz eigenen Charakter. Und Vereinskollege Albert Dewald ergänzt, dass dafür die Gäste schon auch mal von weiter her kämen. Man begrüße es sehr, dass sich die Stadt für die Sauberkeit der Mühle einsetze, so der Konsens. Allerdings tauche auch immer wieder die Frage auf, was nun, da das Gebäude der Stadt gehöre, damit passiere. Und was aus Ideen wie einem Standesamt und einer dauerhaften Brücke geworden sei.

„Jeder Fenstergriff wird abgestimmt“

Bei der Stadt hat man für die Mühle schon ordentlich Geld bereitgestellt. 2016 waren es 35.000 Euro, 2017 einmalig 335.000 Euro und 2018 sind es wieder 35.000 Euro – „um alles, was dem Substanzerhalt dient, unbedingt machen zu können“, wie es Bürgermeister Daniel Tybussek formuliert. Nach der Eigentumsübertragung Ende 2014 (wir berichteten) sei es gar nicht so einfach gewesen, überhaupt ein geeignetes Architekturbüro zu finden. Seit 2015 sei man mit Bestandserhalt und Sicherheitsmaßnahmen beschäftigt – immer in enger Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden.

„Die Frage ist, wie wir die Mühle funktional erhalten und erlebbar machen können“, meint Tybussek. Zwar wäre man gerne schneller, „wir können die Prozesse aber nicht beschleunigen“. Die Frage, wann man so weit sei und die zukünftige Nutzung geklärt ist, ließe sich also derzeit nicht beantworten. Exemplarisch führt er an, dass man den Raum oben nur mit einem zweiten Rettungsweg nutzen könne, so will es der Brandschutz. Wolle man nun eine Außentreppe anbringen, sehe allerdings der Denkmalschutz darin eine Verschandelung des Gebäudes. „Da wird jeder Fenstergriff abgestimmt.“ Auch die Barrierefreiheit sei ein Thema, ist doch das Wohnhaus nur über einige Stufen zu erreichen.

Bilder: Mühlentag in Mühlheim

Den auch schon vom Geschichtsverein adressierten Wunsch, aus dem vom THW beim Mühlentag noch als Provisorium errichteten Übergang einen dauerhaften zu machen, hat man bei der Stadt noch nicht abgeschrieben. Keine einfache Angelegenheit allerdings, dafür, sagt Tybussek, bedürfe es unter anderem der Abstimmung mit den Wasserbehörden.

Ebenfalls nicht aus dem Strauß möglicher Nutzungsmöglichkeiten gefallen ist die Idee, in der Mühle ein Standesamt unterzubringen. Auch dafür bedürfe es natürlich der entsprechenden Genehmigungen. Sobald man ein Stück weiter ist, fügt Tybussek an, „werden den ergebnisoffenen Möglichkeiten die Kosten gegenübergestellt“. Mit einem Schnellschuss allerdings werden man „dem Jahrhunderte alten Wahrzeichen der Stadt nicht gerecht“.

Ohnehin werde man sich auch abseits davon weiter um die Mühle kümmern, zum Beispiel das Rad morgens an- und abends wieder abstellen, die Insel pflegen und für Sauberkeit sorgen, sagt Klaus Schäfer, Mühlheims Fachbereichsleiter für Sport und Kultur. Dem Wunsch des Geschichtsvereins, informiert zu werden und sich in die Planungen einzubringen, wolle man entsprechen. „Wir haben mehrfach zugesagt, dass der Geschichtsverein unser erster Ansprechpartner ist, es werden keine Pläne im Hinterzimmer geschmiedet“, schließt Tybussek. (wac)

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