Mühlentag

Oberwasser von jeder Sorte

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....mit einer rostigen Rasselkette: Tauchgang in der Vergangenheit in der Brückenmühle.

Mühlheim - Wasser und Mühle, das passt! Allerdings nutzt das Wahrzeichen der Stadt an Main und Rodau das kühle Nass erdnah - nicht jenes von oben! Der anhaltende Regen sorgte einerseits dafür, dass sich das Mühlrad nicht drehte.

„Grenzwertig!“, so kommentierte Harald Thomas Wasserstand und Fließgeschwindigkeit der Rodau, die den anfänglichen Stillstand des Antriebs erklärten. Die Flusstiefe war von harmlosen 60 Zentimetern auf 1,40 Meter angestiegen. Die feuchte Witterung führte außerdem dazu, dass sich vor den Mühlen- und Feuerrädchen der heimischen Metzgerei nicht die langen Warteschlangen bildeten: Das Fest an der Brückenmühle anlässlich des Deutschen Mühlentages war nicht so gut besucht wie seine Vorgänger.

Davon spürten Thomas und sein Kollege Hans-Jürgen Mloschin wenig. Sie führten alle halbe Stunde eine Gruppe in die niedrigen Räume, in denen allein ein bisschen Fensterglas Licht auf die hölzernen Zähne der mächtigen Räder und Spinnweben an historischen Maschinen lenkt. Immerhin, die lärmende und staubige Enge war Lebensraum für bis zu 14 Personen, verraten die Dokumente. Kein Wunder, dass Angehörige einer Müllersfamilie ein eher tristes Dasein fristeten und nicht sehr alt wurden, entführten die Hobbyhistoriker ihre Zuhörer in die Vergangenheit.

Kammradzähne aus Weißbuche

Die Gäste lernten, dass die Brückenmühle die letzte existierende von einst zehn Gewerken dieser Art zwischen Lämmerspiel und der Rodaumündung ist. Die meisten befanden sich im Besitz des Erzbischofs von Mainz. Der Bach habe auf dieser Strecke ein Gefälle von acht Metern, und wer „Oberwasser“ hatte, bekam mehr Kraft auf die Schaufeln. Die sind gebogen, was den Druck erhöhe, schilderte Mloschin. „Etwa drei PS erzeugte die Anlage.“

Die Kammradzähne waren aus Weißbuche gedrechselt. „Holz auf Holz läuft ruhiger“, unterrichtete Mloschin weiter. Außerdem: Kam es zu einer Störung, beispielsweise durch Treibgut in der Rodau, konnten einzelne, zerstörte Zähne recht einfach ersetzt werden. Die Herzstücke einer Mühle, die Mahlsteine, präsentierten die beiden Experten per Modell. Sie mussten sehr präzise justiert werden, damit sie sich nicht gegenseitig zerrieben. Was natürlich vorkam: Sandstein gelangte ins Mehl und zerstörte manchem Brotesser das Gebiss!

Die Müller selbst zählten jedoch zum niederen Stand. Viele Bürger glaubten, dass sie mehr als die ihnen zustehenden 15 Prozent Mehl einbehielten. Doch die Fehlbeträge resultierten aus dem Verlust von Feuchtigkeit im Mahlprozess, klärte Thomas auf. Der Mahlboden als bischöflicher Besitz bot außerdem eine Art Kirchenasyl. Und er galt als „amoröser Treffpunkt“ und „Kommunikationszentrum“.

Impressionen vom Mühlentag

Impressionen vom Mühlentag

Letzteres war der Besitz der Antonie Krebs auch am Pfingstmontag, trotz einiger Regenschauer. Angelika Loewenheim vom Vorstand des Geschichtsvereins ließ die Besucher einen Sirup aus Spitzwegerich und Tannenspitzen kosten, Apfelwein- und Löwenzahngelee, Grüne Soße und Schafskäse mit Bärlauch. Helga Ottenbacher, Malerin aus dem Schwäbischen mit familiärer Bande zur Mühle, hätte gerne noch mehr ihrer „verliebten Streichhölzer“, den handbemalten Schachteln, und „Nischenprodukte“ - Acrylbilder auf Holzstelen - angeboten. Doch die Kunst reagiere empfindlich auf die Feuchtigkeit.

Das gilt für die 25 Bienenvölker des Bernd Müller in ähnlicher Weise. Der Dietesheimer produziert Honig mit Vanille und Walnüssen, aber auch als Wein, Schnaps und Handcreme. Die Altstaedter-Karnevalisten betreuten einmal mehr die Theken, das Technische Hilfswerk aus Offenbach hatte zum dritten Mal eine Brücke über die Rodau geschlagen. Und das wegen des Regens unter erschwerten Bedingungen, lobte Karl-Heinz-Stier, der Vorsitzende des Geschichtsvereins.

M.

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