Hochwasser

90 .000 Sandsäcke auf Vorrat: So bereiten sich Stadt, Feuerwehr und DLRG auf ein Hochwasser vor

Der Main ist bei Hochwasser eine Bedrohung in Mühlheim. Am linken oberen Rand ist zudem die Rodau und deren Mündung zu sehen.
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Der Main ist bei Hochwasser eine Bedrohung in Mühlheim. Am linken oberen Rand ist zudem die Rodau und deren Mündung zu sehen.

Nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz wächst die Sorge vor ähnlichen Hochwassern. Stadt, Feuerwehr und DLRG in Mühlheim (Kreis Offenbach) sind vorbereitet.

Mühlheim – Als die Fluten durch den Starkregen im Westen Deutschlands vor wenigen Wochen ganze Städte und Dörfer verwüsteten, war der Schock, aber auch die Hilfsbereitschaft im Land groß. Und es warf schnell Fragen nach genügend Hochwasserschutz auf. Mühlheim ist davon potenziell doppelt bedroht: Auf der einen Seite der Stadt bahnt sich der Main seinen Weg, auf der anderen Seite mündet die Bieber in die Rodau.

Diese wiederum fließt mitten durch Mühlheim und mündet in den Main. Wir haben bei der Stadt, Feuerwehr und DLRG nachgefragt, wie bei einem Hochwasser vorgegangen wird.

Generell geht die Stadt von einer Hochwassergefahr von Bieber, Rodau und Main aus. Allerdings sei durch die Renaturierung der Bieber und der Rodau das Risiko gesunken, da mit sogenannten Retentionsräumen, also Flächen, die es dem Fluss oder Bach ermöglichen sich auszubreiten, der Pegel einer Hochwasserflut und deren Fließgeschwindigkeit gesenkt werden kann.

Mühlheim (Kreis Offenbach): Feuerwehr ist im Ernstfall vorbereitet

Sollte es zu einem Hochwasser vonseiten des Mains kommen, dienen vor allem die Deiche als Schutz vor Überflutungen im Stadtgebiet. Diese werden jährlich, in Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Darmstadt begutachtet, um die Stabilität zu gewährleisten, so Marcus Ruhr, Pressesprecher der Stadt. Bei Hochwassser werde die Wasserwehr der Stadt alarmiert. Die Wasserwehr besteht aus Freiwilligen, die bei einer Gefahrensituation die Deiche überwachen und dann im Notfall auch das Regierungspräsidium und die Deichmeisterei Biebesheim alarmieren.

Tritt der Ernstfall ein, ist auch die Feuerwehr Mühlheim vorbereitet: „Dafür steht im Feuerwehrhaus eine Sandsackfüllmaschine bereit und auch eine sehr große Anzahl von 90 000 Sandsäcken ist vorrätig. Weiterhin werden im Feuerwehrhaus sogenannte Frankfurter Tonnen, ein mobiles Schutzsystem, vorgehalten, mit denen im Hochwasserfall ein künstlicher Damm aufgebaut werden kann“, heißt es in einer gemeinsamen Antwort von Feuerwehr und Stadt.

Mühlheim im Kreis Offenbach: Sirenenanlage befindet sich zurzeit im Umbau

Mit den sogenannten Frankfurter Tonnen kann beispielsweise eine Stelle, an der der Deich unterspült wird, gesichert werden. Dabei können wenige dieser Tonnen, die schnell mit Wasser gefüllt und mit einer Plane abgedichtet werden, mehrere Hundert Sandsäcke ersetzen.

Die Feuerwehr möchte sich darüber hinaus noch in Zukunft einen zusätzlichen Abrollbehälter beschaffen. Dabei handelt es sich um mobile Container, die mit für den Hochwasserschutz wichtigen Geräten wie Pumpen oder Leuchten ausgestattet sind. Doch wie sieht es mit dem Alarmieren der Bürgerinnen und Bürger aus, wenn der Ernstfall eintritt? „Unsere Stadt hatte bisher eine analoge Sirenenanlage. Diese befindet sich aktuell im Umbau zu einer digitalen Sirenenanlage inklusive Rückfallebene“, so Ruhr, „Der Austausch aller Sirenenanlagen soll nach den Sommerferien starten.“

Diese Sirenen könnten dann im Fall eines Falles auch „sprechen“ und dadurch spezifischere Warnungen geben. „Außerdem können Kommunen mittlerweile über Hessenwarn eigene Warnungen absetzen lassen.“

Katastrophenschutz in Mühlheim (Kreis Offenbach): Jeder Hauseigentümer kann etwas beitragen

Auch die DLRG ist im Katastrophenfall im Einsatz. Das komme aber auch darauf an, wie die Helfer vom Krisenstab eingesetzt werden, so Max Sievers von der DLRG Mühlheim. Sie könnten beispielsweise auch bei der Deichstabilisierung eingesetzt werden. Die Wasserretter haben zwar kein spezielles Hochwasserboot, allerdings sei ein solches Rettungsgefährt in Mainflingen stationiert. „Die normalen Einsatzboote kommen nicht gegen die hohe Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser an“, sagt Sievers. Mit regelmäßigen Übungen bereite man sich aber bei der DLRG auf ein solches Ereignis vor.

Trotz der Vorkehrungen der Stadt kann auch jeder Einwohner, falls er Hauseigentümer ist, zum Hochwasserschutz beitragen. So können die Kellerräume gegen Rückstau des Wassers aus dem Kanalnetz beispielsweise mit einer Rückstauklappe gesichert werden. Außerdem tragen alle Flächen, die Regenwasser in die Kanalisation ableiten, dazu bei, dass diese bei Starkregenereignissen nicht ausreicht. Hier kann durch flache begrünte Dächer, Sammeln von Regenwasser und nicht versiegelten Gärten ein eigener Beitrag geleistet werden. (Lukas Reus)

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