Interview

Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey zieht Bilanz nach ersten Monaten: „Noch keinen einzigen Tag bereut“

116 Tage im Amt: Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey (CDU). 
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116 Tage im Amt: Erster Stadtrat Dr. Alexander Krey (CDU). 

Dr. Alexander Krey hat das Amt des Ersten Stadtrats als Nachfolger von Gudrun Monat angetreten. Nach fast vier Monaten spricht der Christdemokrat über seine Zeit im Amt und zieht ein erstes Mal Bilanz. 

Mühlheim – Zum 1. Januar hat Dr. Alexander Krey das Amt des Ersten Stadtrats als Nachfolger von Gudrun Monat angetreten. Nach 116 Tagen spricht der Christdemokrat über die unerwartet herausfordernde Anfangszeit und seine bisherigen Aufgaben.

Zudem blickt der 37-Jährige mit Hoffnung auf die Zeit nach Corona.

Herr Dr. Krey, die „Prüfungen“ könnten für Sie als Dezernent für die Abteilungen „Jugend und Soziales“ sowie „Sicherheit, Ordnung und Verkehr“ aktuell nicht härter sein. Wie oft haben Sie in den vergangenen Wochen Ihren Amtsantritt bereut?

Ich habe noch keinen einzigen Tag bereut. Ich bin sehr herzlich im Kollegenkreis aufgenommen worden und erfahre jede Unterstützung, die ich benötige, gerade auch durch Bürgermeister Daniel Tybussek. Im Januar hätte niemand für möglich gehalten, dass wenige Wochen später in einer der schwersten Krisen der Nachkriegszeit für uns selbstverständliche Freiheiten in nie gekannten Maße zu unserem eigenen Wohl eingeschränkt werden müssen.

Und Sie müssen das nun umsetzen  ...

Ja, zum Beispiel wurde unsere Ordnungspolizei mit völlig neuen Aufgaben konfrontiert, es mussten in den Kitas Notbetreuungen organisiert werden und vieles mehr. Als hier aufgewachsener Mühlheimer ist es für mich eine aufrichtige Ehre und zugleich aber auch eine Selbstverständlichkeit, meine Heimatstadt in dieser schweren Zeit unterstützen zu dürfen.

Wie kontrastreich war der Alltag im Amt vor und nach Corona?

Vor der Corona-Pandemie besuchte ich viele Vereine, gerade in der Fastnachtszeit. Auch der Besuch der Feuerwehren sowie aller städtischen Betreuungseinrichtungen mit teils sehr intensiven Gesprächen standen auf meiner Agenda. Als hauptamtliches Magistratsmitglied sind selbstverständlich öffentliche Termine ein wichtiger Teil des Amtes. All dies fällt zurzeit weg. Stattdessen verbringe ich viel mehr Zeit im Büro, insbesondere in Telefonkonferenzen. Die Verordnungen der Landesregierung, die ständig der Lage angepasst werden, verlangen gerade von den Städten, sich in kürzester Zeit auf neue Rechtslagen einzustellen und zu handeln. Dies betrifft etwa den Kreis der Menschen, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen können, aber auch die Fragen, was im Gewerbebereich erlaubt ist und wo gegebenenfalls unsere Ordnungspolizei einschreiten muss. Wenn die Kollegen der Ordnungspolizei gerade nicht im Dienst sind, fahre ich auch schon mal persönlich zu Bürgern, um für das Gesundheitsamt Kontaktpersonen aufzusuchen und Telefonnummern in Erfahrung zu bringen.

Wie gehen Sie mit der aktuell noch unklaren Kita-Situation um? Könnte der Hebel von heute auf morgen von Not- auf Normalbetreuung umgeschaltet werden?

Wir können derzeit nicht langfristig planen. Wir stehen im sehr engen Austausch mit allen Einrichtungen – den städtischen wie auch den freien und konfessionellen Trägern. Wir haben unser gesamtes Personal im Dienst, weshalb wir auf Veränderungen immer unmittelbar reagieren konnten. Als Beispiel sei hierfür genannt, dass, wie bereits geschehen, eine Anpassung des Kreises der Berechtigten, die die Notbetreuung nutzen dürfen, erlassen wurde. Aufgrund unserer Organisationsstruktur war es überhaupt kein Problem, einen kurzfristigen Mehrbedarf aufzufangen und die Kinder in den Einrichtungen zu betreuen. Die Kollegen und Kolleginnen sind hochengagiert und geben alles. Wir könnten sehr schnell wieder in den Normalbetrieb wechseln, wenn das Land den Startschuss gibt.

Wie könnte das funktionieren?

Ich rechne fest damit, dass es nur eine schrittweise Öffnung analog zu dem Vorgehen an den Schulen geben wird. Wir werden aller Voraussicht nach noch längere Zeit mit dem Virus leben müssen. Ich bitte deshalb alle Eltern weiterhin um Verständnis. Und bin mir der schwierigen Lage, vor der sich viele Eltern mit dem Wegfall der Betreuung sehen, bewusst. Wir müssen jedoch darauf achten, dass nicht zu viele Kinder in den Einrichtungen betreut werden und so neue Infektionswege entstehen können.

Welche Aufgaben liegen abgesehen von den Corona-bedingten auf Ihrem Schreibtisch?

Mir ist wichtig, dass wir trotz aller Einschränkungen weiterhin umfassend für alle Bürger da sind. Deshalb läuft das Tagesgeschäft auch unvermindert weiter. An großen Themen habe ich mich seit meinem Amtsantritt mit der Vergabe der Kita- und Hortplätze aber auch Themen wie etwa dem Hundekot im Stadtgebiet befasst. Kurz vor der Corona-Krise haben wir hier noch Schwerpunktkontrollen durchgeführt, bald werden weitere Kotbeutel-Spender installiert, der Flyer wurde überarbeitet und neu gedruckt. Mir ist Aufklärung in diesem Bereich wichtig, aber auch Kontrolle.

Was liegt noch auf dem Tisch?

Ein weiteres großes Thema ist der Ausbau der Kinderbetreuung. Die Baustelle der neuen Kita Wilhelm-Busch-Straße ist glücklicherweise im Zeitplan, die Planungen für die Umbaumaßnahmen im Bornweg, im Müllerweg sowie in der Raabestraße kommen gut voran. Ich plane eine Revision der Satzungen, um zum Beispiel mit Härtefällen besser umgehen zu können. Auch die Verkehrssituation in Lämmerspiel ist ein fortlaufender und dynamischer Prozess. Dort haben wir nach zähem Ringen mit den übergeordneten Behörden eine teilweise neue Beschilderung mit „Be- und Entlader Lämmerspiel frei“ erreichen können, die bald aufgestellt werden wird, und wir werden an der Steinheimer Straße in eigener Regie deutlich größere Schilder mit dem Hinweis auf die Tonnagebeschränkung für LKW aufstellen können. Eine weitläufige Tempo-30-Strecke auf der Mühlheimer Straße haben wir als Maßnahme im Lärmaktionsplan platziert. Auch das Thema Videoüberwachung an den Bahnhöfen behalten wir dezernatsübergreifend im Blick, um auch da voran zu kommen. Allerdings müssen wir auch da noch beträchtliche Widerstände anderer Behörden überwinden. Ich halte die Maßnahme aber nach wie vor für sehr sinnvoll.

Wenn Sie sich für die ersten 100 Tage ein Zeugnis ausstellen müssten, was würde als Fazit darunter stehen?

In unserer Demokratie steht es allen Bürgerinnen und Bürgern zu, Zeugnisse auszustellen und ganz im Sinne unseres Grundgesetzes ihre Meinung zu sagen. Daher bin ich auf das Feedback der Bürger sehr gespannt, auch zeigt meine Erfahrung, dass sich Menschen selbst oftmals ganz anders beurteilen, als sie von ihrem Umfeld beurteilt werden.

Mit Blick in die Glaskugel: Wie wird die Zeit in Mühlheim nach der Corona-Pandemie sein?

Gerade in dieser Zeit der Krise erlebe ich die Mühlheimer sehr verständnisvoll und außergewöhnlich hilfsbereit. Wenn wir nach der Krise diesen Zusammenhalt bewahren können, kann die Gemeinschaft nur gewinnen. Ich denke besonders an die vielen Vereine, die derzeit keine Veranstaltungen durchführen dürfen, sich nicht treffen können und denen wichtige Einnahmen für ihre wertvolle Arbeit wegbrechen. Ich hoffe sehr, dass bei allen Personenkreisen, wie etwa Gastronomen, Einzelhändlern, Bürgerinnen und Bürgern mit Kurzarbeit, also bei allen Menschen, die Einkommenseinbußen erfahren mussten, denen die Krise in besonderem Maße zusetzt, die zahlreichen Hilfs- und Unterstützungsprogramme wirken. Denn dann können wir nach der Krise wieder alle gemeinsam durchstarten.

Von Ronny Paul

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