Unfall in Mühlheim

Betrunken am Steuer: Mann überfährt Ehepaar - Gericht fällt mildes Urteil

Der Mann überfuhr unter Alkoholeinfluss ein Ehepaar in Mühlheim. (Symbolbild)
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Der Mann überfuhr unter Alkoholeinfluss ein Ehepaar in Mühlheim. (Symbolbild)

Ein Mann aus Mühlheim hatte 2017 unter Einfluss von Alkohol ein Ehepaar überfahren, die Frau starb. Nun sprach das Gericht ein mildes Urteil aus.

Mühlheim – Das Schöffengericht in Offenbach verurteilte den alkoholisierten Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu 21 Monaten Gefängnis auf Bewährung.

Hinterher ließ sich feststellen, dass der 55-jährige zur Unfallzeit einen Pegel zwischen 1,28 und 1,71 Promille hatte. Der Mühlheimer erzählt, wie er damals seine Lebensgefährtin in Neu-Isenburg von einer Feier abholen wollte. Richter Manfred Beck fragt den Mann, wie viel er dort getrunken habe. Die drei Bier, von denen er erzählt, korrespondieren nicht mit der Promillezahl.

Der Angeklagte erklärt, auf der Feier habe man eine ihm unbekannte alkoholische Essenz gereicht. Er habe sich fit genug gefühlt, sich ans Steuer zu setzen.

Mühlheim: Mann erzählt: „Als es knallte, dachte ich, es sei ein Stein“

Von dem Paar, das auf der Höhe der Tilsiter Straße nachts die Friedensstraße überquerte, habe er nichts gesehen, „als es knallte, dachte ich, es sei ein Stein“. In der polizeilichen Aussagen einer Zeugin, die kurz danach zum Unfallort kam, heißt es, sie habe den Fahrer gesehen, wie er neben dem männlichen Unfallopfer kniete und dessen Hand hielt. Der Fahrer sei nicht ansprechbar gewesen.

Der Angeklagte erklärt, es könne sein, dass er sich kurz nach hinten gedreht habe, zur Lebensgefährtin und der zweijährigen Tochter. Die Lebensgefährtin erzählt, seitdem habe sich ihr Freund verändert. Wenn sie ihn frage, was los sei, „dann weint er“. Von der Entstehung des Unfalls habe sie nichts mitbekommen. Ein Polizist sagt hingegen, damals habe die Frau erzählt, sie hätte geschrien, bevor es knallte. Das wird später Rechtsanwalt Lars Kindermann in seinem Plädoyer zitieren: „Spontanaussagen geben meist gut wieder, was wirklich passierte“. Kindermann vertritt den Gatten und zwei erwachsene Kinder in der Nebenklage.

Nach Unfall in Mühlheim unter Einfluss von Alkohol: Zeugen wundern sich

Der Ehemann, der fast sechs Wochen mit Gehirnerschütterung, gebrochenem Lendenwirbel und anderen Brüchen zeitweise im künstlichen Koma im Krankenhaus lag, kann sich nicht erinnern. Rechtsmedizinerin Dr. Miriam Saulich erklärt, die Frau sei mit dem Kopf auf die Windschutzscheibe geprallt, ihr Mann lag auf ihr. 

Zeugen, die Richtung Offenbach fuhren, wunderten sich, dass die Geschädigten ohne zu gucken einfach über die Straße gegangen waren. Der Fahrer hatte gehupt, als er das Unglück auf der Gegenfahrbahn kommen sah. Das Paar habe nicht reagiert. Ebenfalls von einer Feier kommend, hatte der Mann zwischen 1,5 und 2,1 Promille, die Frau zwischen 2,6 und 3,4.

Mühlheim: Auch nüchtern wäre es zum Unfall gekommen

Der Sachverständige Thomas Ziegenhain sagt, der Angeklagte sei zwischen 45 und 60 Stundenkilometer schnell gefahren. Das Paar sei dunkel gekleidet gewesen, die Lichtverhältnisse schlecht. Auch bei 41 Stundenkilometer wäre es zum Unfall gekommen. Das nimmt Verteidiger Peter Koch zum Anlass, nur auf eine Verurteilung wegen der Trunkenheitsfahrt zu gehen. Auch nüchtern wäre es zum Unfall gekommen, „so schlimm das für die Angehörigen ist“. Staatsanwalt Alexander Betz hält entgegen, durch den Alkohol habe er die problematische Gemengelage nicht erkennen können. 

Mann überfährt in Mühlheim Ehepaar: Die Geschädigten trifft eine Mitschuld

Die Geschädigten träfe eine Mitschuld. Betz fordert für den polizeilich zuvor nicht aufgefallenen Mann eine Haftstrafe von 21 Monaten Gefängnis auf Bewährung plus 5000 Euro Geldbuße. Dem folgen Kindermann ebenso wie Richter Manfred Beck und die Schöffen. Der Angeklagte hätte über seine Trunkenheit Bescheid gewusst. Er habe seine Geschwindigkeit weder den Lichtverhältnissen, noch seinem Zustand angepasst.

In seinem Schlusswort erklärt der Angeklagte: „Es vergeht kein Tag, ohne dass ich an die beiden denke“.

Ebenfalls in der Friedensstraße in Mühlheim kam es in der vergangenen Woche zu einer Schlägerei unter Nachbarn

VON STEFAN MANGOLD

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