DLRG sucht noch einen Bufdi

Retter suchen Augen

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Bei besonderen Aktionen wie dem Mitternachtsschwimmen der Stadtwerke am Wochenende im Lämmerspieler Freibad sind natürlich besonders viele Wächter nötig. Aber auch und gerade für die ganz alltäglichen Einsätze der DLRG sind die sogenannten Bundesfreiwilligen wichtig.

Mühlheim - Die Mühlheimer DLRG sucht einen Bufdi. Zwei Bundesfreiwillige waren zwar schon gefunden. Doch einer ist in letzter Minute wieder abgesprungen. Von Marcus Reinsch 

Das reißt vor allem eine Lücke, weil die Lebensretter seit Jahren den Schwimmunterricht mehrerer Schulen mit Wachdiensten stützen, nun aber personell ins Schwimmen kommen. Die gute Botschaft zuerst: Lucas hat vergangene Woche seinen Bundesfreiwilligendienst beim Mühlheimer Ableger der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) angetreten. Nicht mehr lange und er wird auch seinen Rettungsschwimmerschein in der Tasche haben und damit voll einsetzbar sein.

Die schlechte: Eigentlich sollte Lucas an der Freiwilligen-Front nicht alleine sein. Die Ortsgruppe hat zwei Plätze für sogenannte Bufdis, nach der kurzfristigen Absage eines Interessenten aber nur einen besetzt.

Vereinfacht gesagt, sind Bundesfreiwillige die Nachfolger von Zivildienstleistenden. Denn die gibt es seit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht vor sieben Jahren nicht mehr. Das brachte vor allem halbkommerzielle Sozialverbände und deren Dienste wie „Essen auf Rädern“, die vorher von der schier unendlichen Zivi-Verfügbarkeit profitierten, in personelle Bredoullien.

Für andere Institutionen zeigte sich der Umschwung vom verpflichtenden zum freiwilligen Ehrenamt als Gewinn. Die Mühlheimer DLRG zum Beispiel hat nun schon im vierten Jahr Bufdis und würde sich den Plural gerne erhalten. Auch wenn aus dem ursprünglich angepeilten Dienstantritt im August nichts mehr und aus dem im September nur für sehr Spontane etwas werden kann. „Theoretisch dürfen Bundesfreiwillige jederzeit anfangen“, sagt die zweite Vorsitzende Johanna Ricker. „Wir hatten auch schon jemanden, der im Februar begann und für ein halbes Jahr blieb.“

Wichtig sei, dass sich Bewerber für mindestens sechs bis maximal 18 Monate verpflichten. Und dass die Möglichkeit nicht für junge Leute zwischen Schule und Beruf alleine existiert, sondern beispielsweise auch für Rentner.

Ein Interesse, dass die DLRG noch jemanden findet, haben auch fünf Mühlheimer Schulen. Denn die DLRG-Bufdis übernehmen im Schwimmunterricht des Friedrich-Ebert-Gymnasiums und der Friedrich-Ebert-Schule, der Rote-Warte, der Markwald- und der Geschwister-Scholl-Schule die Betreuung.

Die eigentliche Aufsicht, erklärt Ricker, sei zwar nach wie vor Aufgabe der Lehrkräfte. Doch das nur für bis zu 20 Kinder, was mit Blick auf in der Regel deutlich größere Klassen eigentlich schon zwei Begleitlehrer nötig machen würde. Zumal Statistiken davon berichten, dass heute viele Schüler höchstens auf der Computerspiel-Konsole beherrschen, was für Kinder aus Generationen davor eine Selbstverständlichkeit war: Schwimmen. Wenn ein DLRG-Retter dabei ist, reicht auch ein Betreuer, so sei das mit dem Staatlichen Schulamt vereinbart.

Die passenden Qualifikationen müssen Bundesfreiwillige nicht schon mitbringen. Nötig sind zwar der Erste-Hilfe- und der Rettungsschwimmerschein. Doch beide können Bufdis zu Beginn ihrer Zeit bei der DLRG machen.

An Argumenten für die Selbstverpflichtung bei den Rettern mangelt es auch sonst nicht. Das Bufdi-Dasein bei der DLRG, einem der größten Vereine in der Stadt, erschöpft sich nicht mit der Wachsamkeit an Beckenrändern.

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Festgeschrieben ist das Recht auf 25 Tage Ausbildung. In welche Richtung sie läuft, dürfen sich die Freiwilligen selbst aussuchen. Es gibt die Kinder- und Jugendabteilung, etwa mit dem Schwimmtraining und dem Zeltlager. Und die Einsatzabteilung mit Bootfahren, Regattabetreuung und Ernstfall-Einsätzen. Denn die DLRG unterstützt zum Beispiel auch die Mühlheimer Feuerwehren bei größeren Einsätzen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Wachdienste an einer Küste zu übernehmen und kostenlos die Jugendleiterkarte, den Bootsführerschein und die Erste-Hilfe-Ausbilderqualifikation zu erstehen.

Geld gibt’s auch – im Monat 200 Euro, damit man ohne Probleme zur Einsatzstelle kommt, und eine RMV-Monatskarte. Alles in allem, wirbt Johanna Ricker, helfe der Bundesfreiwilligendienst „Jugendlichen bei der Entscheidungsphase über das Berufsleben“. Er erleichtere die Orientierung und diene bei vielen Arbeitgebern als Türöffner. „Wir konnten beobachten, dass Unternehmen sehr stark auf solch ein Engagement angesprungen sind.“ Im sozialen Bereich sei eine Bufdi-Phase oft sogar ein Einstellungskriterium.

Wer Interesse an einer Stelle oder erst mal weitere Fragen zum Dienst hat, kann sich an Johanna Ricker wenden: 0151/61326776, Mail oeka@muehlheim.dlrg.de, Internet: muehlheim.dlrg.de.

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