Mit Suppe gegen Einsamkeit

„Mahlzeit – Begegnungszeit“ holt Bedürftige an einen Tisch

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Zur Premiere von „Mahlzeit – Begegnungszeit“ teilten die Ehrenamtlichen Helfer der Awo Gemüsesuppe und Wiener Würstchen aus. Das Essen hat ein Mühlheimer Gastronom gespendet.

Mühlheim - „Mahlzeit – Begegnungszeit“ heißt das jüngste Angebot der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Fährenstraße. Zum ersten Essen, das ein Gastronom gestiftet hat, kamen nicht nur Menschen, die etwas Warmes für den Magen brauchen. Von Michael Prochnow 

„Sehr schön“, sagt die ältere Dame, als sei sie froh, dass sie ihr Lob loswerden kann. „Ich bin nicht bedürftig, aber allein. Seit mein Mann gestorben ist, fühle ich mich irgendwie fehl am Platz.“ Die Witwen neben ihr bestätigen den Eindruck. „In der ersten Zeit war ich viel zu Hause, jetzt mache ich Ausflüge mit einem Reiseunternehmen, fahre mit einer Gruppe zum Schwimmen und gehe zum Kaffeetrinken in der Kirchengemeinde“, ermuntert sie ihre Nachbarin...

Der Kaffee-Termin sei wegen Krankheit weggefallen, umso besser also, dass die Awo eingeladen hat. „In Mühlheim findet man immer was“, plädiert die Dritte am Tisch, sich einer Gemeinschaft anzuschließen und nicht abzukapseln. So sieht die Awo-Dienststellenleiterin Ulrike Huf das „niederschwellige Hilfsangebot“, das noch ausgebaut werden soll. Zum Auftakt hat ein Wirt aus der Nähe Gemüsesuppe und Wiener Würstchen gestiftet, dazu Limo und Wasser. Im neuen Jahr soll die Mahl- und Begegnungszeit zunächst an einem Freitag im Monat laufen. Finden sich genügend Sponsoren, kann der Tisch auch alle zwei Wochen gedeckt werden, erklärt Huf.

An Helfern mangelt es jedenfalls nicht. Acht Mitglieder und Freunde der Awo geben Suppe aus, verteilen Getränke, räumen die Tische wieder ab, setzen sich aber auch zu den 18 Premiere-Gästen und erkundigen sich über deren Lebenssituation. Im Erker schildern einige Mühlheimerinnen Bürgermeister und Schirmherr Daniel Tybussek die Schicksalsschläge, die sie in die Räume an der Fährenstraße geführt haben. Sie seien schwer erkrankt, depressiv, nicht mehr in der Lage zu arbeiten.

Eine Betroffene berichtet, sie dürfe nur drei Stunden tätig sein, dabei aber nicht nur sitzen, laute die Vorgabe vom Amt. „Wo soll ich da eine Stelle finden“, schildert sie. Die Mutter gegenüber lebe mit Ehemann und zweijährigem Kind auf 48 Quadratmetern, neben ihr habe auch der Partner gesundheitsbedingt seinen Job verloren. „Ich war 34 Jahre angestellt, jetzt lebe ich von Hartz IV.“

Mehr Menschen sind dauerhaft arm - oder reich

„So gut schmeckt’s im Restaurant nicht“, lobt die Gefährtin. „Und Geld für einen Besuch im Café haben wir nicht“, fügt sie hinzu. „Sie haben uns zur Begrüßung sogar den einen Euro erlassen, den wir zahlen müssten.“ In höchsten Tönen dankt sie den Organisatoren, „die sind super nett, so herzlich, haben uns gefragt, was sie uns bringen können“. Gerne würde sie sich ehrenamtlich einbringen, bietet die Mutter an. Beim Gang in den Lebensladen müsse man seine Scheu überwinden – „hier überhaupt nicht, das ist sehr angenehm“.

Am liebsten würden die Damen jede Woche kommen. Der Sozialverband ist aber auch durch gesetzliche Vorgaben eingeschränkt. „Wir zählen nicht als ambulanter Pflegedienst, somit können wir viele Leistungen nicht mit den Pflege- und Krankenkassen abrechnen“, erläutert Ulrike Huf. Doch die Awo habe sich um eine Zulassung beworben, Gespräche mit dem Kreis Offenbach liefen. Auf Ergebnisse werden die eifrigen Helfer aber nicht warten. Für Freitag, 14. Dezember, laden sie ab 14 Uhr zu Kaffee und Kuchen ein.

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