Gesundheit

Atemwege besser durchbluten: Turngemeinde Lämmerspiel startet jetzt mit neuer Lungen-Reha-Gruppe

Brigitte Habermann und Ute Deuchert führen eine Übung für die Teilnehmer der Lungen-Reha vor.
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Brigitte Habermann und Ute Deuchert führen eine Übung für die Teilnehmer der Lungen-Reha vor.

Noch ist Brigitte Habermann die einzige Schülerin. Die Abteilungsleiterin der Turngemeinde Lämmerspiel (TGL) steht mit gespreizten Beinen auf dem Hallenparkett, presst einen blauen Gummiball mit den Handinnenflächen und atmet dabei bedächtig aus. So wird es Übungsleiterin Ute Deuchert vom 10. Juni an donnerstags um 12.30 Uhr den Teilnehmern in der neuen Lungen-Reha-Gruppe vermitteln.

Mühlheim – Sie ist hauptberufliche Trainerin für Reha-Sport, hat erst kürzlich eine fundierte Ausbildung absolviert. „Vorher habe ich als Bürokauffrau gearbeitet, aber das hat mich nicht ausgefüllt“, sagt die motivierte Frau aus Bieber. „Lungensport ist immer gefragt“, weiß sie, er ziele auf die steigende Zahl der Allergiker und Asthmatiker, deren Beschwerden sich zur „chronisch obstruktiven Lungenerkrankung“ entwickeln können, kurz COPD.

„Das ist eine dauerhafte Verengung der Atemwege, die insbesondere das Ausatmen erschwert“, erläutert die Expertin. Schuld für die Häufung der Diagnose seien „sehr große Umwelteinflüsse wie der Luftverkehr“. Viele Patienten haben ein Berufsleben lang schädliche Dämpfe in der Chemie-Industrie eingeatmet, „aber 80 Prozent sind Raucher“, betont sie.

Informationen

Kontakt zur Turngemeinde Lämmerspiel (TGL) kann man telefonisch aufnehmen unter 069 89994548 oder im Internet.

Hinzu kämen künftig Menschen mit Langzeitschäden von Covid 19, vermutet Ute Deuchert, „da weiß man noch nicht viel“. Ausgewählte Übungen sollen dazu beitragen, dass die Atemwege besser durchblutet und Muskeln gestärkt werden, denn „geatmet wird mit der Muskulatur“. Sinnvoll sei ein Sauerstoff-Messgerät, ein Fingerclip. „Fällt der Wert unter 96, ist’s lebengefährlich“, warnt die Leiterin, „dann werden Organe nicht mehr richtig durchblutet, mit Sauerstoff versorgt“.

Eine Gruppenstunde beginnt also mit dem Lockern der Muskulatur im Oberkörper, Arme, Schulter, Brust, „alles bis zum Bauchnabel“. Dann folgen Übungen, um Blockaden zu lösen. „Man lernt, in Bauch oder Brust rein zu atmen, sich auf ihre Atmung zu konzentrieren“, beschreibt sie. „Die Bewegungen sollen auch zu Hause praktiziert werden, in den Alltag übergehen!“

Die Betroffenen lernen, eine „Atem erleichternde Haltung“ einzunehmen, nach vorne gebeugt, um die Muskulatur zu entspannen, gibt die TGL-Mitarbeiterin ein weiteres Beispiel. „Nur was raus geht, kann rein“. Sie bereitet zehn bis 15 Übungen im Sitzen vor, „dann kommen die Beine dazu“, schlägt sie ein Lauftraining im Freien vor: „Manche haben Angst, sich zu bewegen, darum muss auch das Gehirn trainiert werden. Nicht nur rumsitzen“. Wichtig seien aber auch Spaß und Freude am Sport, zudem die Geselligkeit. Betroffene brauchen eine Verordnung vom Haus- oder Lungenfacharzt. Die TGL hat insgesamt elf Reha-Angebote im Programm. (Von Michael Prochnow)

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