Mühlheim

„Auch Lästerliches gemalt“: Pfarrer stellt seine Zeichnungen aus

Seine Gefühle und Gedanken während der Coronazeit hat Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich in Zeichnungen verwandelt. Diese sind nun in einer Ausstellung zu sehen.
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Seine Gefühle und Gedanken während der Coronazeit hat Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich in Zeichnungen verwandelt. Diese sind nun in einer Ausstellung zu sehen.

Eine Ausstellung in Mühlheim präsentiert Zeichnungen von Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich. Er kommentiert unter anderem die Verordnungswut in den kirchlichen Amtsstuben.

Mühlheim – „Eisschleckverordnungsmaschineriemani“ ist typisch deutsch. Findet zumindest Pfarrer Johannes Schmitt-Helfferich. Das Wort hat 37 Buchstaben und steht für die unzähligen, immer neuen Regeln und Erlasse: In Nordrhein-Westfalen ist an Eisdielen „ein erstes, zügiges Schlecken“ erlaubt, dann erst wieder in mindestens 50 Meter Entfernung zum Eiscafé. Auf dem Bild aus der Feder des Seelsorgers steht neben einem Eis leckenden Jungen ein Weihbischof, der einen Schwall Paragrafen-Blätter ausspuckt, die Jesus Christus am Boden fast verdecken.

Damit hat der Seelsorger von St. Markus die Verordnungswut in den kirchlichen Amtsstuben mit Pinsel und Wasserfarben kommentiert. In der Zeit der Ausgangsbeschränkungen griff er die Anregung des Kapuzinerbruders Paulus aus der Frankfurter Liebfrauenkirche auf, ein Tagebuch zu führen. Das geht freilich auch mit einem „täglichen Bild, das sie fast mit geschlossenen Augen aufs Papier werfen können“, schrieb der Mönch in einer Zeitung.

Der Mühlheimer Pfarrer folgte dem Tipp und seinem Talent, versuchte, „den schlechten Bildern gute entgegenzustellen“. Nach 50 Werken hat er aufgehört, was zu Pfingsten passt, dem 50. Tag der Osterzeit. „Auf Drängen meiner W-Damen habe ich einer Ausstellung in der Kirche zugestimmt“, erzählt Schmitt-Helfferich schmunzelnd. Gemeindereferentin Birgit Wenzel und Pfarrsekretärin Elke Winter haben ein Faltblatt mit dem Entstehungsdatum und dem Titel jedes Werks gestaltet, die Bilder auf Karton gezogen und aufgehängt.

Paragrafen reitende Bischöfe in der Arena, von außen schauen Maria, Josef und einige Heilige zu und amüsieren sich, die Emmaus-Jünger als zwei Hasen, die durch die Natur hoppeln, und lachende Nonnen? Nein, es sind Lazarus und viel Publikum.

„Manchmal habe ich auch Lästerliches gemalt“, gesteht der Theologe. Zum Beispiel zur Hysterie um den Maskenschutz und den einsamen Papst vorm leeren Petersplatz, aber auch die letzte Rose der Saison vom Blumenladen oder farbenprächtige Blüten vom Kindergarten.

Oder „Birgits Traum“, da erschien der Gemeindereferentin offenbar ein blauer Elefant ... „Am Weißen Sonntag haben mich die Kommunionkinder beschäftigt“ – sie sollen nun nach den Sommerferien in fünf Gruppen und „ohne viel Brimborium, aber festlich“ das Sakrament empfangen.

„Ich habe Freude am Zeichnen“, gibt der Hobbykünstler preis. Bei Sitzungen hält er regelmäßig Eindrücke auf der Rückseite der Tagesordnung fest, auch in seiner Freizeit setzt er Geistesblitze und Bewegendes um. „Was gibt mir Hoffnung?“, fragt seine vielseitige Sammlung, die Zeichnungen sollen „hoffnungsvolle Freude geben“, heißt es auf den Faltblättern.

Ostern fällt auf den Rahmen, da hat der Maler das „leere Grab“ zum Aufklappen gefaltet. „Der Zeichenblock war leer und sonntags sind die Geschäfte geschlossen. Also habe ich auf der Rückseite des Rundschreibens vom Bischof gearbeitet.“ „Der Herrgott kann kontrollieren, ist aber nicht beleidigt“, fürchtet der Priester keine Strafe.

Bis zum 21. Juni ist die Ausstellung in St. Markus zu sehen. Dann verschenkt der Zeichner seine Werke. Spenden für eine moderne Krippe in der Pfarrkirche nimmt er gerne entgegen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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