„Ein bisschen gemordet?“

Die Autorin Angela Ochel alias Hanna Simon arbeitet aktuell an zwei Werken

Liebes- und Corona-Roman in Arbeit: Angela Ochel alias Hanna Simon hat das coronabedingte Inspirationsloch überwunden und schreibt parallel an zwei Werken.
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Liebes- und Corona-Roman in Arbeit: Angela Ochel alias Hanna Simon hat das coronabedingte Inspirationsloch überwunden und schreibt parallel an zwei Werken.

Was macht Corona mit der schreibenden Zunft, wie kommt Hanna Simon durch die Pandemie, erscheinen neue Bücher? – Eigentlich würde die Mühlheimer Autorin, die Nachbarn und Freunde als Angela Ochel kennen, jetzt auf Lesereisen durchs Land tingeln. Jeden Morgen in einem anderen Hotel aufwachen, nachmittags oder abends in schmucken Stadthäusern Passagen ihrer heiteren Verquickungen moderner Frauen vortragen und anschließend über Straßenfestivals schlendern.

Mühlheim – „Seit März vergangenen Jahres sind alle Lesungen abgesagt“, skizziert die Schriftstellerin ihre Situation, „es ist wirklich deprimierend“. Doch sie möchte nicht jammern: „Es gibt immer jemanden, der mehr verloren hat“. So sei ein Veranstalter von Lesereisen schon pleite gegangen, die Druckereien in Rumänien und Ungarn kämen mit der Produktion nicht nach, weil sie wegen Corona lange Zeit nicht arbeiten durften. „E-Book geht, aber ein Buch nur online? Das ist nicht Fisch, nicht Fleisch“, bricht Ochel eine Lanze für Papier und Bindung.

Und trotzdem: Der 6. Band von Hanna Simon ist derzeit nur übers Internet abrufbar. Für die digitale Version sei die Werbung mau, „ich konnte mich damit aber über Wasser halten, als die Buchläden geschlossen waren“, sagt sie. „Dann les’ ich sie nicht mehr, dann sind sie keine richtige Autorin mehr“, schimpfte ein treuer Simon-Fan. „Aber die Arbeit für ein E-Book ist für mich die gleiche wie für ein gedrucktes“, erklärt Ochel.

„Der Verlag strauchelt, ist momentan hermetisch abgeriegelt“, berichtet die Mühlheimerin. Nur über ihren Agent und dank ihrer gut laufenden Bücher finde sie weiterhin Zugang zur Verbreitung ihrer Werke. „In der Corona-Ära haben die Leute nicht mehr die Geduld zu lesen“, beobachtet die Verfasserin. Sie selbst hat sich jetzt die „schweren Sachen“ vorgeknöpft, Schopenhauer und Hemingway, „zwischendurch was Leichtes, sonst mindestens Brecht“.

Vor der Pandemie genoss sie gerne ihren Lieblings-Riesling von einem schönen Weingut in der Pfalz. „Heute schmeckt mir kein Wein mehr, es gibt einfach keinen Grund zu feiern.“ Das Schreiben fiel ihr zwischenzeitlich auch schwer. „Ich helfe guten Bekannten, gestalte Internetseiten für ihre Friseursalons, Nagelstudios und Deko-Läden, „sympathische kleine Unternehmen, die gerade anfangen“, konkretisiert sie. Und das kostenlos. „Warum muss immer alles was kosten, nur weil ich weiß, wie’s geht“, lautet ihre Philosophie.

„Der Überlebensdrang ist an manchen Stellen knallhart“, bemerkt sie und hat vor allem Künstler im Blick. Ihre eigene Kunst sind Frauenromane, „leichte Belletristik zum Wegträumen“, wie der Verlag formuliert. „Jetzt fehlt mir einfach die Inspiration, ich kann mich nicht wegträumen.“ Ihr Agent sagte schon im Januar 2020: „Sie können nicht ohne.“ Doch Hanna Simon wollte keinen vierten Teil schreiben, „die Hauptperson hat ihren Liebeskummer überwunden, mehr kann man aus einer Figur nicht rausholen“.

Kann man doch. Schon im April saß sie wieder am Laptop – Corona war Auslöser – und ist Inhalt. „Es ist wieder eine Liebesgeschichte“, gesteht die Schreibsüchtige, kündigt Zitate von Robert-Koch-Institut, bekannten Virologen und Bouffier-Äußerungen an. „Ich musste nichts erfinden, es war so skurril, und ich dachte, im Sommer sei die Pandemie vorbei ...

In fünf Jahren vielleicht ... Das Werk soll als Zeitdokument rauskommen, bestimmt der Agent. Mittlerweile hat sie schon 500 Seiten zusammen. „Schreiben können sie, aber kein Mensch möchte derzeit über Corona lesen, bitte jetzt etwas Leichtes“, reagierte der Vermittler.

Den Corona-Roman setzt Ochel intervallmäßig fort, hat schon die ersten 300 Seiten eines neuen Liebesromans im Kasten. „Er spielt in Frankfurt, Klavierlehrerin trifft auf alleinerziehenden Vater“, verrät sie, Arbeitstitel, „Liebling, hast du ein bisschen gemordet?“ Der Veröffentlichungstermin sei völlig offen, „die Pandemie zerschlägt alles“, meint Ochel. Aber auch: „Wir versuchen das, dann klappt das auch!“ (Von Michael Prochnow)

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