Situation außer Kontrolle

Anwohner in Mühlheim wütend: „Sie spucken an Scheiben, pinkeln in Eingänge“

Ferienfraktion der SPD: Anwohner der Bahnhofstraße klagen unter anderem über nächtliche Ruhestörung.
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Ferienfraktion der SPD: Anwohner der Bahnhofstraße klagen unter anderem über nächtliche Ruhestörung.

Über Müll und Lärm ärgern sich die Anwohner der Bahnhofsstraße in Mühlheim. Es kommt regelmäßig zu nächtlicher Ruhestörung und Gewalt.

  • Lärm und Müll stören die Anwohner in der Bahnhofsstraße in Mühlheim
  • Am Wochenende ist es besonders schlimm
  • Vandalismus und Ruhestörung nehmen zu

Mühlheim – Die zwei Gesichter der Mühlheimer Flaniermeile: Lockt in der unteren Hälfte der Bahnhofstraße der Wochenmarkt in Cafés, Bistros und Restaurants, schwören Stammkunden auf frisches Obst und Gemüse, auf unverpackte Qualität und unkomplizierte Beratung, so leiden Geschäftsleute und Anwohner im südlichen Abschnitt unter Müll und Lärm die ganze Nacht hindurch. Rund 50 Einzelhändler und Nachbarn schilderten jetzt einem Dutzend Sozialdemokraten der „Ferienfraktion“ die Situation.

Mühlheim: Gewalt und Lärm in der Nacht

„Erstmals sah ich mich in diesem Jahr zweimal veranlasst, gegen 3 Uhr morgens die Polizei wegen nächtlicher Ruhestörung anzurufen.“ Dieter Höhn ist kein Kind von Traurigkeit. Doch die Vorkommnisse rund um sein Elternhaus, einem Hotel-Restaurant an der Ecke Heinestraße, ließen den ehemaligen Sportredakteur auf die Straße gehen. Dort verlas er bei dem Treffen einen Appell.

Der 70-Jährige hat viele Wirte in jenen Räumen kommen und gehen gesehen, nie gab es Probleme. Doch das aktuelle Internetcafé habe rund um die Uhr geöffnet. Nachts um 2 Uhr gebe es noch Bier und „bei der engen Straße und den hohen Häusern hört man jedes Wort bis in die dritte Etage“, schilderte der Mühlheimer. „Dieser Krach ist für den Hotelbetrieb extrem geschäftsschädigend, von Dreck und zerschlagenen Flaschen auf den Straßen ganz zu schweigen.“

Mühlheim: Einzelhändler sorgen sich um ihr Geschäft

Und es blieb nicht bei diesen Störungen. „Vor zwei Wochen wurde die Heckscheibe meines Autos eingeschlagen. Schaden: 1400 Euro.“ Auf der Motorhaube des Autos seines Restaurant-Pächters seien Jugendliche herumgetrampelt. Dazu präsentierte der Mühlheimer mit einer Handy-Aufnahme die Geräuschkulisse alkoholisierter Gäste aus dem erwähnten Laden – Samstagfrüh um 4.15 Uhr. „Der Betreiber schreitet nicht ein, er ist weder telefonisch noch per Mail zu erreichen.“

Höhn registrierte eine „leere Speisekarte“, Schüler an Spielautomaten, Luxuskarrossen mit laufenden Motoren und quietschenden Reifen vor dem Haus. „Vielleicht haben sie nur einen Espresso getrunken. Eher könnte man aber Drogen- oder Geldwäsche-Geschäfte vermuten. Fakt ist, dass die Bahnhofstraße immer öfter als nächtliche Rennstrecke genutzt wird.“

„Sie spucken an die Scheiben, pinkeln in die Eingänge“, ergänzte Anne Coy die Beobachtungen. „Meine Mitarbeiterin räumt Getränkedosen, Kaugummis und Hamburger-Verpackungen weg“, klagte die Inhaberin des gleichnamigen Schuh-Fachgeschäfts. Margarete Rykarski betreibt seit 19 Jahren nebenan ein Kosmetikstudio und berichtete von jungen Leuten, die während Behandlungen ans Fenster klopfen. „Die Verschmutzung hat seit dem Wechsel des Inhabers des Handy-Ladens vor drei Jahren extrem zugenommen“, bemerkte sie, „das läuft aus dem Ruder“.

Bahnhofsstraße in Mühlheim: Am Wochenende ist „die Hölle los“

Eine Dame aus der Runde vermutete, dass die Jugendlichen keine Möglichkeiten hätten, sich zu treffen, „nach dem JUZ kommt nichts mehr“. Donnerstags, freitags und samstags sei in der Straße „die Hölle los“. Bürgermeister Daniel Tybussek (SPD) erläuterte: Die Innenstadt sei als „Kernbereich“ ausgewiesen, damit sich eine breite Vielfalt von Geschäften ansiedelt und bleibt. Darunter könnten sich aber auch „schwarze Schafe“ befinden. Der Rathauschef riet den Anwohnern, nicht zu resignieren und auch nachts die Polizei zu alarmieren. Die geschilderten Zustände seien nicht tragbar, „wir werden noch einen langen Atem brauchen“, erklärte Tybussek offen. Die Polizei werde ihre Präsenz erhöhen, weitere Maßnahmen seien erarbeitet.

Die „SPD-Ferienfraktion“ hat auch das Areal rund um den Bahnhof in Augenschein genommen, den Bürgerpark und das Projekt der einspurigen Offenbacher Straße. Fast 20 Teilnehmer begutachteten zuvor den Bahnhof, in dem ein Privatinvestor erfolgreich ein Café betreibe. Auf der Fläche des früheren Bahnübergangs könne nun der Bau eines mehrgeschossigen Wohngebäudes beginnen. Gebaut werden solle ab Herbst auch im Bürgerpark. Durch den Spielplatz mit Hügelland solle dann kein Weg mehr führen, am Jugendzentrum könnten Besucher sich entspannen, daneben „kicken und gucken“, auf dem westlichen Areal sich „natürlich erholen“, hieß es. (Von Michael Prochnow)

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