Bangen um Spenden in der Corona-Zeit

Verein „Rettet Kinder – Rettet Leben“ ist auf Unterstützer angewiesen

Rainer Kraft ist aktuell der kommissarische Vorsitzende des Vereins „Rettet Kinder – Rettet Leben“.
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Rainer Kraft ist aktuell der kommissarische Vorsitzende des Vereins „Rettet Kinder – Rettet Leben“.

Monopoly und Plastikautos, Katerfrühstück und Kinderbücher, Puzzles und Plüschtiere. Die Artikel, die sonst Kinderherzen höherschlagen lassen, fristen schon lange ein verlorenes Dasein in Kisten, Regal und Glasvitrine.

Mühlheim – In dem Büro gleich am Hauseingang rechts hat auch lange kein Kind mehr gespielt, ist keine Mutter, kein Vater mehr beraten worden. Und das liegt keineswegs am Vorstand des Vereins „Rettet Kinder – Rettet Leben“, sondern allein an der Pandemie. „Wir wollten gerade durchstarten, da kam Corona“, erläutert Rainer Kraft. Geplant war eine Werbeaktion mit Faltblättern, konkretisiert der kommissarische Vorsitzende, „jetzt wird es vielleicht 2021“. „Momentan tut sich wenig“, bedauert er. „In diesem Jahr hat wohl kaum einer etwas übrig“, fürchtet Kraft einen Einbruch bei den Spenden für die schwerkranken Kinder. Zum Jahresende hofft er aber noch auf Zuwendungen von Firmen.

Die Kuratoriumssitzung war für März vorgesehen, die Mitgliederversammlung mit Neuwahl für den 1. April. Beide Organe müssen zu einem späteren Zeitpunkt tagen. Im geschlossenen Hallenbad kann aktuell freilich keine Wassertherapie stattfinden, die Musiktherapeutin gehört der Hochrisikogruppe an und unterrichtet vorerst ebenfalls nicht. Allein das Reiten beim Verein Zugpferd am alten Forsthaus konnte fast durchgehend angeboten werden, da es im Freien stattfindet.

Manche der jungen Patienten kamen jedoch nicht, ihre Eltern fürchteten das Virus. „Unser Schwergewicht lag auf den Schwimmkursen, da haben wir die meisten Nachfragen“, sagt Kraft. Sie liefen samstags und sonntags vormittags und eröffneten Kontakte mit den anderen Bad-Besuchern. „Das war auch ein Stück Öffentlichkeitsarbeit“, schildert Kraft. Das sei für den Verein sehr wichtig.

Hans-Dieter Seydel gründete die Hilfe 1996 als „Ritter“ des Karnevalsvereins Sonnau. Er verzichtete auf Geschenke zu seinem Amtsantritt und bat stattdessen um Geldspenden für Kinder mit Behinderungen. Mit dem damaligen Bürgermeister Karl-Christian Schelzke hat Seydel die Hilfe aus der Taufe gehoben. Der Rathauschef hat für Räume an der Ulmenstraße gesorgt, bekleidete lange das Amt des Kuratoriumsvorsitzenden, das heute sein Nach-Nachfolger Daniel Tybussek innehat. Seydel verstarb vor vier Jahren.

Bei „Rettet Kinder – Rettet Leben“ sind fast alle Mitstreiter fördernde Mitglieder, die durch ihren Beitrag die Arbeit finanzieren. Der Verein zählt etwa 90 Mitglieder, „viele zahlen deutlich mehr als den Jahresbeitrag in Höhe von 30 Euro“, informiert der Vorsitzende. Manche Firmen geben regelmäßig oder zu Jubiläen. Auch zu Weihnachten werde der Verein schon mal großzügig bedacht. „Aber das sind große Überraschungen“, verdeutlicht der Mann an der Spitze, „wir stehen auf wackligen Beinen“. Zu 80 Prozent seien sie auf Spenden angewiesen. Hans-Dieter Seydel war als großer Spendensammler bekannt. In Abstimmung mit dem Finanzamt haben sie Rücklagen gebildet, sodass langfristige Therapien bezahlt werden können.

Der Vorstand möchte den Fokus darauf legen, neue Mitglieder zu gewinnen, Firmen im Kreisgebiet ansprechen, um eine solidere Basis zu erlangen. Eine weitere Idee lautet, Patenschaften für Kinder anzubieten. „Pro Patient müssen wir mit 1000 Euro im Jahr rechnen“, aktuell hilft man 22 Kindern bei Kosten in Höhe von 16000 Euro. Von Michael Prochnow

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