Sportangebot Mühlheim

Bauch, Beine, Po im Grünen

Auf einem Bein stehen und die Hände unter dem anderen falten: Barbara Dewor macht’s vor, „ihre“ Männer im Freiluft-Sportkurs folgen ihr. 
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Auf einem Bein stehen und die Hände unter dem anderen falten: Barbara Dewor macht’s vor, „ihre“ Männer im Freiluft-Sportkurs folgen ihr. 

Während der Corona-Krise bietet die Sportvereinigung Dietesheim in Mühlheim Freiluftkurse an.

Mühlheim – Barbara Dewor macht ihren Job seit mehr als 30 Jahren, arbeitet mit kleineren und größeren Gruppen, Jungen und Alten, Narren und Sportskanonen. „Aber am liebsten mit Männern“, erklärt die Dame wie aus der Pistole geschossen. Barbara Dewor ist Trainerin und allein in der Sportvereinigung Dietesheim schon seit den 1980er-Jahren in der Turnabteilung aktiv. Nun übernahm sie als eine der ersten den Neustart und hielt „ihre“ Männer in Bewegung.

Etwa die Hälfte der Truppe kam zur Übungsstunde im Freien. Eigentlich wollte die Leiterin zwischen den Bäumen im Biergarten dehnen und strecken lassen. Dort vollbringt aber gerade ein Rasensprenger sein Werk, nässt das Gras ein, sodass die Runde die Wiese neben den Umkleideräumen bevorzugt. Die Teilnehmer sind im Alter zwischen 60 und 80 Jahren, fahren mit Drahteseln und Mopeds vor, tragen bevorzugt graue T-Shirts und schwarze, kurze Turnhosen oder bedecken die Beine mit Jogging-Modellen.

Die Sportvereinigung hat nun, da Hallen noch nicht genutzt werden dürfen, ein „abgespecktes“ Freiluft-Sportprogramm auf die Beine gestellt. Trafen sich vor der Corona-Pandemie 15 Aktive in der Halle der Geschwister-Scholl-Schule zu Dewors Kurs, sind es aktuell acht. Norbert Trost ist einer von ihnen, er markiert mit flachen, signalfarbenen Plastikhütchen Felder, auf denen sich die Sportler aufstellen sollen, im Einklang mit den gültigen Abstandsregeln. Jeder bringt sein eigenes Handtuch oder eine Matte mit, dazu müssen sich alle mit Namen und Adresse in eine vorbereitete Liste eintragen.

„Richtige Bewegung liegt mir mehr“, stellt die einzige Frau auf dem Areal klar. Barbara Dewor führt zwar auch zwei Mannschaften in der Disziplin Männerballett bei einem Frankfurter Karnevalsverein, „aber die wollen nur ihre Choreografie beherrschen“. Früher hatte sie auch in Dietesheim eine Tanzgruppe, jetzt pflegt sie Bauch, Beine, Po ihrer Schüler, bringt zu flotten Rhythmen Frauen und Mädchen Aerobic-Figuren bei.

Ohne Musik geht’s auch bei den Senioren im Grünen nicht, auf Hanteln, Bänder und Bälle müssen sie aber verzichten, ebenso auf Umkleiden und Duschen. Die Dozentin hat ihr Mobiltelefon an einen kleinen Lautsprecher angeschlossen, der Disco-Hits der 1970er-Jahre in Zimmerlautstärke und Endlosschleife bis in die zweite Reihe verbreitet. „Wir bleiben offen“, lautet eine Anweisung, „Beine breit und wippen“. Dann fordert sie, „nur mit dem rechten Fuß auf den Rasen tippen“, Wechsel, dann mit beiden, schneller, nur mit der Ferse, die Knie nach außen“. Sieht ganz locker aus – zumindest bei der Trainerin.

„Feel Like Dancing“, lautet die Gemütslage der Bee Gees. Schwierig, wenn man schon wieder in den Knien federn und dabei immer einen Arm über den Kopf schwingen soll. Aber auch dieses Gefühl ist noch steigerungsfähig, indem man nämlich „gegen die Wand boxt“. Der Gegner ist klar definiert: „Dem Virus hauen wir eine drauf“, schwört Barbara Dewor ihre Kämpfer ein, „weg damit!“, ruft sie.

VON MICHAEL PROCHNOW

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