Corona-Panemie

Wie Gastronomen den Teil-Lockdown verkraften: Ein Streifzug durch die Stadt

Zum Forsthaus: Wie im Frühjahr bietet das Restaurant im Markwald aktuell Abholung und Lieferdienst.
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Zum Forsthaus: Wie im Frühjahr bietet das Restaurant im Markwald aktuell Abholung und Lieferdienst.

Die Lage bei Mühlheims Gastronomen ist während des zweiten Teil-Lockdowns recht unterschiedlich. Ein Streifzug durch verschiedene Restaurants der Stadt.

Mühlheim – Es sind goldene Zeiten für Steuerberater. Sie sind in dieser Zeit gefragt wie kaum eine andere Gruppe, sollen die Hilfe bringen. Jeder zweite Gastronom in der Mühlenstadt hat bereits seinen Fiscal-Experten kontaktiert, um an Hilfsgelder zu gelangen, wie sie von der Regierung in Berlin versprochen worden sind. Angekommen ist bei den befragten Wirten noch nichts, manche kämpfen um ihre Existenz, manche halten sich wacker.

Die „Mila“ hat Glück, ihr Lebensmittelladen hinter dem Café an der Bahnhofstraße darf öffnen. Die polnischen Spezialitäten, Suppen und Eintöpfe gibt’s zum Mitnehmen. „Wir haben unsere Karte reduziert, bieten täglich zwei bis drei Gerichte an“, informiert Borce Kotevski. Mal stehen Frikadellen auf der Tafel, mal Hähnchen- oder Kohlroulade. Das Geschäft residiert erst seit Juni mitten in der Einkaufsmeile, empfängt jetzt von Mittwoch bis Samstag Kunden. „Wir retten, was zu retten ist, und hoffen, dass es im Dezember weitergeht“, sagt Kotevski.

In der Probierstube in Mühlheim: „Wir fühlen uns echt überfordert, jeder sagt was anderes“

Die Familie von Marco Kunz hat im Forsthaus wie im Frühjahr Abholung und Lieferdienst eingerichtet, mittags und abends. Regnet es, fahren die Markwälder ihre Menüs aus, bei gutem Wetter kommen Kunden oft vorbei. „Beliebt sind Gänseexpress und Spare Ribs“, verrät der Koch. Das Geschäft laufe jedoch schlechter als im Frühjahr. „Viele Leute sind auf Kurzarbeit und kaufen lieber ein Weihnachtsgeschenk für die Kinder“, vermutet Kunz.

Dasselbe System werde bei der „Probierstube“ an der Dietesheimer Straße „sehr gut angenommen“, resümiert Christina Härtl. Sie versorgt Stamm- und neue Gäste und bemerkte bereits vor dem Lockdown, „wenn die Corona-Zahlen hochgingen, blieben die Leute zu Hause“. Sie kritisiert, dass Informationen nur „sehr schwammig rüberkommen“, das verunsichere viele Gastronomen, „wir fühlen uns echt überfordert, jeder sagt was anderes“. Sie wäre bereit, für ein oder zwei Monate zu schließen – „wenn’s hilft, aber viele haben aufgerüstet und sind jetzt die Leittragenden“.

Im See-Eck in Mühlheim: „Wenn es am 1. Dezember nicht weitergeht, wissen nicht, ob wir weitermachen können“

„Insgesamt besser als bei der ersten Schließung“ funktioniere der Hol- und Bringservice beim Sportheim am Wingertsweg. „Es kommen viele neue Leute“, freut sich Mirijana Jukic, vielleicht weil sie 7000 Flugblätter verteilen ließ, mehr Werbung schaltete und eine größere Auswahl anbietet. Bislang arbeiten sie abends und am Wochenende auch mittags. „Wenn der Lockdown bleibt, dann werden wir auch werktags Mittagstisch machen.“ Die Wirtin ist „überrascht, dass es so gut klappt“, wo doch jeder liefert“. Sie sorgt sich allerdings mit Blick auf die Zeit, „wenn die Gäste weniger Geld in der Tasche haben“.

Im Sommer ist das See-Eck ein beliebtes Ausflugsziel, jetzt leidet die Gaststätte hoch überm Grünen See: „Es läuft nicht so gut: Manchmal bestellen Spaziergänger etwas, aber bei Regen sind es sehr wenige“, beschreibt Laly Jujhar Singh Weber seine Situation. „Wenn es am 1. Dezember nicht weitergeht, wissen nicht, ob wir weitermachen können.“

Haus verkauft: Martin Cerny hört in der Dietesheimer Schänke auf. Ein Nachfolger steht bereit. archiv

Aus für das Naturfreundehaus in Mühlheim: „Wir haben schöne Feste gefeiert“

Angelo Köppler dagegen hat das Naturfreundehaus bereits aufgegeben, „Es ist ein schönes Fleckchen Erde, wir haben schöne Feste gefeiert“, blickt der Offenbacher zurück. Im März hat er noch ausgeliefert, doch bereits im Sommer kamen immer weniger Leute, „nur die Biotonne war voll“. Köppler hatte noch um einen Mieterlass gebeten, doch am 18. Oktober schloss er seinen Betrieb.

Das taten auch Martin und Gabriele Cerny mit der Dietesheimer Schänke – aber nicht wegen der Pandemie. „Wir haben das Haus verkauft und ziehen privat nach Mühlheim“, sagt der Wirt der Kult-Kneipe, „wir tun uns das nicht mehr an“. Auf die österreichisch-hessische folgt eine hessisch-afrikanische Küche, kündigt er an, bis Neujahr soll’s losgehen – wenn die Pandemie-Situation es erlaubt. (Michael Prochnow)

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