Eckiger Traum

Belegung des Schulkinderhauses steht bevor

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Seine äußere Form hat’s nun, das Schulkinderhaus an der Markwaldschule. Im Dezember soll es fertig sein und nach den Weihnachtsferien im Januar mit Leben erfüllt werden.

Mühlheim - Auf dem Gelände der Markwaldschule nimmt das Schulkinderhaus Gestalt an. Die Einrichtung für bis zu 170 Kinder ab sechs Jahren soll zum Beginn nächsten Jahres das erste Mal mit Leben erfüllt werden. Dafür fragt die Stadt bei Eltern bald ihren Betreuungsbedarf ab. Von Marcus Reinsch 

Nicht lange her, da hätten sich Mamis und Papis sicherheitshalber kurz gekniffen mit Blick auf eine städtische Anfrage, ob’s für ihren Nachwuchs ein Platz im Schulkinderhaus Markwald sein darf. In dem riesigen Wohnquartier war er lange kaum mehr als ein schöner Traum, der gemeinsame Nenner zwischen Angebot und Nachfrage bei der Betreuung von Kindern ab sechs bis zehn Jahren.

Wenn sich die Eltern in wenigen Wochen kneifen, werden sie nicht aufwachen. Das lange ersehnte Schulkinderhaus, es wird bekanntlich Realität. „Dem Termin zur planmäßigen Übergabe im Dezember steht derzeit nichts mehr im Weg, sodass die Kinder nach den Weihnachtsferien, zum Beginn des neuen Halbjahres, ihr neues Gebäude beziehen können“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Wenn es fertig ist, kann die bisher mit in die Markwald-Kita gequetschte Schülerbetreuung an den neuen Standort übersiedeln, womit in der Kita Raum für 25 zusätzliche Kindergartenplätze wird.

Vom Baufortschritt überzeugen kann sich jeder beim Spaziergang durch die Forsthausstraße. Die 2,3-Millionen-Euro-Immobilie entsteht gleich neben der Markwaldschule, hat ihren letzten Wachstumsschub geschafft und ist bereits, wie es die Stadt formuliert, „in ihrer finalen Gebäudeform“ zu erkennen.

Die ist äußerlich etwa so spektakulär wie ein riesiger Schuhkarton, wird’s architektonisch und konzeptionell aber in sich haben. Bis zu 170 Schulkinder bekommen, was nach pädagogischen Maßstäben begehrenswert ist – 720 Quadratmeter, Lichtdurchflutung, viel Holz, „Cook & Chill“-Küche, als Multifunktionsraum nutzbarer Speisesaal, die um Terrassen verlängerten Öffnungen gen Rodau, ein neues Außengelände.

Aktuell sei der Innenausbau in vollem Gange. Dach, Fenster und Türen seien schon auf Dichtigkeit geprüft, gerade „wurden für die Haustechnik sämtliche Kabel und Leitungen verlegt, Innenputz und Estrich stehen in Kürze an“. Auch das Dach bekommt dann seinen endgültigen Look. Denn ab August stehe die extensive Dachbegrünung an. Bei einfachem Aufbau und geringem Pflegeaufwand sei diese Form der Dachbegrünung nicht nur optisch reizvoll. Sie spanne den architektonischen Bogen zur gesamten Gebäudeform, „dient in den heißen Sommermonaten auch als Wärmeschutz im Gebäude und in dessen Umgebung“.

Parallel werde im Außenbereich die letzte Putzschicht aufgetragen. Danach stehe nur noch die Möblierung der fertigen Zimmer und die Gestaltung der Außenanlagen selbst an.

Die Schulkindbetreuung wird eine Sollbruchstelle in der beruflichen Vita von Eltern beseitigen. Wenn ihre Kinder noch in Krabbelstube und Kindergarten gehen – die bisher mit einem Rechtsanspruch hinterlegten Altersklassen, für die Eltern einen Platz notfalls einklagen können – ist es meistens kein Problem, wenn beide Elternteile einen Job haben und so zum Beispiel ihr Haus abzahlen können. Sobald der Nachwuchs in die Schule kommt, wird’s allerdings schwierig, weil es dann keinen Rechtsanspruch auf Betreuung mehr gibt.

Die ABC-Schützen in Stadt und Kreis

In der Theorie müsste also keine Stadt eine Schulkindbetreuung anbieten. In der Praxis allerdings wissen Volksvertreter, dass eine Stadt, die sich hinter der Rechtslage verstecken würde, mangels der bei jeder Gelegenheit verlangten „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ keine schon wegen ihrer Einkommensteuerpotenz begehrten Neubürger mehr anlocken könnte.

Deshalb kommt – parallel zum noch dringenderen Ausbau in Kitas und Krippen – ein Mehr bei der Schulkindbetreuung nicht nur für Familien einem Befreiungsschlag gleich. Zuletzt war die Einrichtung an der Lämmerspieler Brüder-Grimm-Grundschule um einen zweiten Standort im Alten Rathaus erweitert worden. Nach und nach soll auch der Nachholbedarf an den anderen Schulen gedeckt werden.

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