Pizzeria Europa

Tränen zum Abschied: Beliebtes Restaurant macht nach fast 40 Jahren dicht

Zum Europa-Team der letzten Stunde gehörten Marinu Belgiorno (von links), Mimmo Venerito, der aus dem Heimatort des Wirts stammt, Ehefrau Filomena Santoro und Chef Giuseppe Sgura sowie Maria Permini.
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Zum Europa-Team der letzten Stunde gehörten Marinu Belgiorno (von links), Mimmo Venerito, der aus dem Heimatort des Wirts stammt, Ehefrau Filomena Santoro und Chef Giuseppe Sgura sowie Maria Permini.

In Mühlheim schließt ein traditionsreiche Pizzeria nach 40 Jahren ihre Türen. Der Abschied fällt den Betreibern nicht leicht.

Mühlheim – Bis zur letzten Minute geben sich Kundinnen und Kunden die Klinke in die Hand, um den beliebten Treffpunkt mit gestapelten Pappkartons zu verlassen. Immer wieder bilden sich in den vergangenen Tagen vor dem Eingang Warteschlangen. Giuseppe Sgura und sein Team verabreichen noch bis gestern Abend italienische Kulinarik als Kultur-Injektion. Nach exakt 40 Jahren verlässt der 72-Jährige jetzt Mühlheim und die Pizzeria Europa.

„Ich war gerade bei einem Mann, seine Eltern sind über 90 Jahre alt und haben geweint, weil wir schließen.“ Auch dem Pizzabäcker aus Leidenschaft rollt in dieser Woche immer wieder eine Träne über die Wange, das Ende einer Ära vor Augen. Es sind vor allem Stammgäste, die noch einmal das Nationalgericht der Südeuropäer bestellen. Vor Corona haben sie ihre Spezialitäten nie ausgeliefert, erzählt der Gastwirt. Bis zum Finale bieten sie auch diesen Service an.

Traditionsrestaurant in Mühlheim bei Offenbach hat eine lange Geschichte

Giuseppe Sgura stammt aus Apullien. 1968 fuhr er alleine nach Frankfurt, um eine Stelle in der Firma Emmerich in Preungesheim anzutreten. Dort montierte bereits sein Onkel Telefonapparate.

Ein unvergesslicher Urlaub war der im Jahr 1976, als er in der Heimat seine Frau Filomena Santoro geheiratet hat. Gemeinsam reisten sie nach Germania, um im Lokal seiner Cousine in Dietzenbach knapp zwei Jahre lang das Handwerk des Pizzabäckers, der Köchin und der Servicekraft von der Pike auf zu lernen. Ende 1978 verließen sie die Gaststätte „Zum Steinberg“, um in der Offenbacher Geleitsstraße das Restaurant Messapica zu eröffnen, benannt nach seinem Geburtsort bei Brindisi. „Messapica ist ein Mekka für Gastronomie“, wirbt der Senior stolz für die Gegend, die für ihren Käse, für Wurst und Schinken, Fisch und Meeresfrüchte bekannt ist.

Am 1. Januar 1982 begann Sgura dann an der Adresse in der Lämmerspieler Straße in Mühlheim, die fortan mit dem Namen Europa verbunden war.

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Von Anbeginn packte sein Bruder Mario mit an, Bruder Cosimo war mit Ehefrau Donata bis 2007 an Bord. „Wir haben mit einfacher Pizza begonnen und bis heute nach Rezepten von meiner Mama und meiner Oma gemacht“, verrät Sgura, „de la casa“. Zu den beliebtesten Köstlichkeiten auf der Speisekarte des Europa zählten Orecchiette, die typischen Nudeln aus Apullien und Canneloni. Die gefragtesten Pizzen waren Rimini, Bruschetta, Spaghetti und die Capricciosa.

Zuletzt waren vier feste Mitarbeiter im Ristorante beschäftigt, dazu eine Teilzeitkraft. Die Sguras bleiben in Hessen, beziehen eine kleine Wohnung von einem der beiden Söhne in Erlensee. Giuseppe spielt seit acht Jahren Golf im „Hühnerhof“ in Gründau, im Sommer geht’s freilich nach Italien. „Unsere Gäste waren immer sehr zufrieden“, blickt der Gastronom noch einmal zurück. Wahrscheinlich übernimmt ein Landsmann aus Bieber das Lokal. (Michael Prochnow)

Auch ein Modegeschäft aus Mühlheim bei Offenbach muss nach über 20 Jahren schließen. Die Betreiberinnen werden viele ihrer Kundinnen vermissen.

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