Ein Nager lässt sich in der Mühlenstadt nieder

Biber baut sich ein Heim an der Rodau

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Das Wasser sucht sich am Ufer der Rodau eigene Weg und ergießt sich in den früheren Bachlauf. 

Mühlheim - Der Biber fühlt sich offenbar wohl in der Mühlenstadt. Vor zwei Jahren hatte der Kreativitätspädagoge Helge Nyncke erste Spuren eines solchen Nagers an der Rodau entdeckt. Seither beobachtet der Naturfan die Aktivitäten des Tieres und berichtet darüber.

Immer wieder, berichtet Helge Nyncke, finde er Anzeichen, die zeigen, dass ein oder vielleicht sogar mehrere Biber an der Rodau heimisch geworden sind: „Sie verraten ihre Existenz vor allem durch das Fällen und Benagen wassernaher Bäume während der eher nahrungsarmen Winterzeit an den Ufern der Rodau und der Bieber.“ Einige dieser Aktivitäten seien Anwohnern deutlich aufgefallen, da sie in Blicknähe viel benutzter Wege – etwa dem Hennigweg – stattfanden. Ein stattlicher Baum sei sogar nahe dem Zusammenfluss der beiden Bäche quer über den Weg und genau auf die Infotafel zur Renaturierung gefallen und habe von der Stadt rasch beseitigt werden müssen.

Um die Schäden zu begrenzen, hat Helge Nyncke angeregt, vor allem landschaftsprägende Bäume durch eine Ummantelung mit Drahtgitter vor dem Biberverbiss zu schützen. Zur Zeit aber finde sich wegen der milden Witterung noch Grünfutter in Bodennähe, sodass spektakuläre Baumfällungen momentan noch selten zu sehen seien.

Stattdessen meldet Nyncke nun „deutliche Bautätigkeiten“, die den Biber als „emsigen Landschaftsveränderer“ auswiesen: „An der Rodau zwischen den Ortsteilen Markwald und Lämmerspiel sind sowohl eine im Bau befindliche Biberburg am Ufer sowie ein hocheffektiver Staudamm einige Meter weiter stromabwärts zu bestaunen. Dort haben der oder die fleißigen Nager das alte Bachbett der Rodau komplett zugebaut und somit den stromaufwärts liegenden Wasserspiegel um rund einen halben Meter aufgestaut. So bekommt nicht nur die nahe Wohnbehausung etwas mehr Tiefgang vor dem Unterwasser-Eingang. Auch die angrenzende Wiese erhält ein neues Überflutungsgebiet, dessen überlaufende Wassermassen sich dann unterhalb des Dammes in mehreren rauschenden Kaskaden über das frühere Ufer wieder ins alte Bachbett zurück ergießen.“ Bei Fortsetzung dieser Bautätigkeit könnte so auf der Wiese eine dauerhafte neue Wasserfläche von größerer Ausdehnung entstehen.

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Dass die Tiere dabei sehr planvoll vorgehen, zeige die ausgetretene Baustraße vom Bachufer zum Dach der Burg, auf der das Baumaterial transportiert wird, wie auch die systematische Abdichtung der Zwischenräume mit zähem Schlamm. Diese deutlich vermehrte Bautätigkeit könne auf einen Wandel in der Familienplanung des Zuzüglers hindeuten, meint Helge Nyncke. Vonseiten der Stadt habe man anfangs erwartet, dass der Biber von alleine verschwinde, da sich das Gebiet sich für eine dauerhafte Ansiedlung kaum eigne: „Es sieht so aus, als sei der nagende Geselle da ganz anderer Meinung.“ (clb)

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