Neue Wege durch Inklusion

Lämmerspieler Brüder-Grimm-Schule in Mühlheim feiert 50-jähriges Bestehen

Die Hymne der Brüder-Grimm-Schule studierte Musiklehrer Sven Greifenstein mit 250 Kindern ein. Zur Feier des 50-jährigen Bestehens kamen viele Gäste. 
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Die Hymne der Brüder-Grimm-Schule studierte Musiklehrer Sven Greifenstein mit 250 Kindern ein. Zur Feier des 50-jährigen Bestehens kamen viele Gäste. 

Als die Brüder-Grimm-Schule zum ersten Mal Lämmerspieler Kinder begrüßte, hatte Bayern München grade seine allererste Bundesligameisterschaft gefeiert, Willy Brandt sollte kurz darauf zum Bundeskanzler gewählt werden und Lämmerspiel hatte noch einen eigenen Bürgermeister. 

Mühlheim – Nun feierte die Grundschule an der Konrad-Adenauer-Straße ihren 50. Geburtstag. Der Förderverein wurde 25 Jahre alt. 

Karin Rosbach vom Staatlichen Schulamt für den Landkreis Offenbach beschreibt die Atmosphäre von 1968, als sie selbst in die Grundschule kam. Bis zu 40 Kinder saßen in Bankreihen. Wer negativ auffiel, musste in der Ecke stehen. Die ehemalige Leiterin des Lichtenberg-Oberstufengymnasiums in Bruchköbel erzählt von den Nachmittagen in ihrem Dorf. Wenn einem auf der Straße ein Lehrer begegnete, dann habe man runter geschaut, „um ja nicht aufzufallen“. Das generelle Prinzip sei gewesen, „wer nicht mitkommt, der fällt durch“. In der Brüder-Grimm-Schule gelte inzwischen die Richtlinie, das herauszuarbeiten, was ein Kind kann, „die Stärken, nicht die Schwächen“.

Das heißt etwa, wie die stellvertretende Schulleiterin Susanne Gatzki am Rande der Feier erläutert, dass es in den ersten drei Klassen noch keine Noten gibt, „sondern kompetenzorientierte Zeugnisse“. Niemand bleibt sitzen, dafür arbeiten zusätzlich zwei Pädagoginnen an der Schule, die sich um die individuelle Förderung kümmern. Inklusion lautet das Stichwort, „wir sondern keine Schüler aus, die Lernhilfe brauchen. Wir geben sie ihnen“. Gatzki verweist auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadt, etwa mit der aus dem Amt scheidenden Ersten Stadträtin Gudrun Monat, die ebenfalls ein Grußwort spricht.

Zu Beginn musizieren Musiklehrer Sven Greifenstein am Flügelhorn und Boris Daus an der Gitarre jazzige Nummern. Greifenstein dirigiert im Anschluss die Kinder mit der Schulhymne: „Oh Brüder Grimm, oh Brüder Grimm, lernen hat hier wirklich Sinn“. Und egal, wie gerne Kinder auf ihre Schule gehen, als die Leiterin Anja Waldschmidt nach dem Lied verkündet, „die Schule ist jetzt aus“, schreien 250 Kinder wie aus einer Kehle „jaaaa“. Später spielen noch die ehemaligen Schüler Tom Ngo und Alexander Köhler im Duo Gitarre.

Leiterin Anja Waldschmidt lobt den Geist in der Kollegenschaft. Es werde diskutiert, zuweilen auch gestritten, aber man höre nie ein finales „das geht nicht“. Wenn Schwierigkeiten auftauchten, „sehen alle zu, dass wir die Probleme am Ende lösen“.

Die Familienstrukturen hätten sich in den vergangenen Jahren geändert. Die Nachmittagsbetreuung spiele deshalb eine ganz andere Rolle als noch in früheren Jahrzehnten. Carsten Lühr, der Vorsitzende des Fördervereins, erinnert an die Anfänge der Nachmittagsbetreuung vor 25 Jahren, „damals ging es um 15 Kinder, heute sind es 150“. Stellvertreterin Kerstin Hoffmann-Wagner spricht von den Festen und Flohmärkten, die der Verein organisierte.

Bürgermeister Daniel Tybussek betont, als Vater dreier Söhne wisse er nur zu gut, wie wichtige die Nachmittagsbetreuung sei, um die sich der Förderverein kümmere. Für alle Schulen gebe der Mühlheimer Steuerzahler jährlich 3,7 Millionen Euro dafür aus. Landrat Oliver Quilling erinnert an den Mut der Schule, vor zehn Jahren neue Wege zu gehen und sich auf das Thema Inklusion auszurichten. Fördervereine hätten sich mittlerweile mit all ihren administrativen Pflichten, „zu kleinen mittelständigen Unternehmen entwickelt“.

VON STEFAN MANGOLD

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