Hilferuf nach Berlin:

Bürgermeister Tybussek fordert planbare Zuwanderung

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Bürgermeister Tybussek fordert planbare Zuwanderung

Mühlheim - In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel beklagt Bürgermeister Daniel Tybussek die am großen Zelt neben dem Bürgerhaus ablesbaren Probleme der Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen.

Er gibt auch die Sorge vor einer Überlastung der vielen ehrenamtlichen Helfer zu Protokoll und fordert „eine planbare Zuwanderung“. Gemessen an den Problemen, die Mühlheim mit der Unterbringung von Flüchtlingen hat, fasst sich Daniel Tybussek kurz. Der Brief, den er gestern als Verwaltungschef einer Stadt mit bisher knapp 300 Flüchtlingen und einem Schock über die Existenz eines Zelts abschickte, hat knapp zwei Seiten. Er könnte auch noch kürzer sein, das würde keine Rolle spielen. Denn Empfängerin ist Angela Merkel. Und wenn die Bundeskanzlerin nach Wochen des Sturmlaufens aus schlicht hilflosen Städten und Gemeinden noch nicht genau weiß, wie die Realität am Ende der politischen Nahrungskette aussieht, dann ist sowieso jede Hoffnung Selbstbetrug.

So ist Tybusseks offener Brief auch zu deuten: als Hoffnung auf Hoffnung. Besonders groß ist die natürlich nicht. Aus vielen Gesprächen mit übergeordneten Stellen, schreibt er, habe er erfahren, „dass der Zustrom nicht nachlassen wird, obwohl keine kommunalen Unterbringungsmöglichkeiten mehr vorhanden sind“. Neben dieser ungelösten Frage bestehe „die große Sorge, dass die vielen ehrenamtlichen Helfer kaum noch in der Lage sind, ihren so dringend benötigten Einsatz bei steigenden Zuweisungen weiterhin leisten zu können“.

Tybussek fordert „überzeugende Vorschläge“ von Bund und Land, wie es Städte finanziell und vor allem organisatorisch bewerkstelligen können, Menschen nicht nur aufzunehmen, sondern zu integrieren. Das erfordere Zeit, Geld, den Abbau von bürokratischen Hemmnissen und vieles mehr. Nur so ließen sich der soziale Frieden und die „über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen“ erhalten.

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Und es könne nicht sein, „dass Bund und Land Zelte räumen, die dann in und von den Kommunen aufgebaut werden müssen“. Gleiches gelte für die Bereitstellung von Sporthallen und Versammlungsstätten. Es gebe jetzt schon „nicht übersehbare, teilweise chaotische Zuweisung in die Kommunen“. Die müsse gestoppt werden. Deshalb müsse es, schreibt Tybussek, eine planbare Zuwanderung geben. Das um der Flüchtlinge willen, die eine menschenwürdige Behandlung erwarteten, und für die Kommunen und die „momentan überforderten“ Freiwilligen. (mcr)

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